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Heute
geht es um ein Buch. Es ist liegt schwer in der Hand. Es ist immerhin 1647
Seiten dick. Je nach Ausgabe wiegt es zwischen einem Pfund
und einem knappen Kilo. Vor ein paar Tagen, nämlich am 1. Advent,
also mit Beginn des neuen Kirchenjahres, wurde es in allen Gemeinden des
Evangelische Kirche des Rheinlandes eingeführt und wird nun vermutlich für
die nächsten 20 bis 30 Jahre unsere Gemeindekultur prägen: das neue
Evangelische Gesangbuch. In den nächsten knappen Stunde sind wir kurz zu
Gast bei in einen Kennenlernabend in Erftstadt-Friesheim, werfen in Brühl
einen langen Blick zurück in die Gesangbuchgeschichte, sprechen in Köln
mit einem Kirchenmusiker sowie einem Gemeindepfarrer und Liedermacher und
in Düsseldorf mit einer Vertreterin der Evangelischen Landeskirche. Am
Mikrofon begleitet sie Heinz-Peter Katlewski.
Musik
1
Über
Musik und Gesang zum Lobe Gottes wird bereits im sogenannten Alten
Testament berichtet. Die Israeliten habe ihre Freude sogar getanzt. Im
Judentum ist das doch heute noch üblich. Auch bei den Christen waren
Musik und Lieder von Anfang an selbstverständlich. Im Mittelalter wird
der Gesang allerdings mehr und mehr eine Angelegenheit der Priester, und
es wird lateinisch gesungen. Die Gemeinde hat kaum noch einen Anteil
daran. Das ändert sich erst mit der Reformation und mit Martin Luther.
Luther
ist überzeugt, dass er mit Liedern den Menschen das Evangelium näher
bringen kann und fängt deshalb an zu reimen und zu komponieren. 1524
bringt er die ersten evangelischen Choräle und Psalmlieder in deutscher
Sprache heraus und bittet seine Mitstreiter in Briefen und
Gesangbuchvorreden, es ihm nachzutun.
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O-Ton
1 (Sprecher: Vorrede zum Wittenberger Chorgesangbuch, 1524)
Deshalb habe ich - mit einigen anderen zusammen -, um einen
guten Anfang zu machen und um denen Anlass zu geben, die es besser vermögen,
etliche geistliche Lieder gesammelt, um das heilige Evangelium, das
jetzt durch Gottes Gnade wieder aufgegangen ist, zu treiben und in
Schwung zu bringen, so dass Christus unser Lob und Gesang sei, und wir
nichts wissen sollen zu singen noch zu sagen als Jesus Christus, unsern
Heiland.
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((dem
letzten Satz des O-Tons schon leise unterlegen, bei „Lobet ...“ oben
sein))
Atmo 1 (EG Kennenlernabend Lechenich)
„Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren“ (katholische
Version)
((oben bis ...“Chören“, dann
runterziehen und in O-Ton langsam rausziehen))
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O-Ton
2 (Pfarrer Helmut Schneider-Leißmann + Kantorin Nina Tilli)
Und gerade, wenn Sie jetzt über den Text stolpern: 2.Zeile „Lobe den
Herren, den mächtigen König der Ehren, lob ihn oh Seele, vereint mit
den himmlischen Chören“. So kennen Sie das doch gar nicht. Das ist
die ökumenische, also die gemeinsame Version mit der katholischen
Kirche, und weil es im europäischen Ausland auch noch bekannt ist,
deswegen gibt’s das in verschiedenen anderen Sprache zumindest in
einer Strophe auch noch abgedruckt: T: englisch, französisch,
schwedisch, polnisch und tschechisch.
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Gut
450 Jahre nach Luther. Ein Donnerstag Abend. Im Gemeindezentrum Friesheim
der Evangelischen Kirchengemeinde Lechenich stellt Pfarrer Helmut
Schneider-Leßmann zusammen mit seiner Kantorin das EG, das neue
Evangelische Gesangbuch vor. Erstmals gibt es in diesem Buch eine Reihe
von Liedern, die bewusst die Einheit der Christen betonen - über alle
Konfessionen und Nationen hinweg. Für rund 100 Lieder steht im Anhang ein
Hinweis, wo sie im Katholischen Gesang- und Gebetbuch „Gotteslob“ zu
finden sind.
Und
für gemeinsame Gottesdienste mit Christen aus anderen Ländern stehen zu
vielen Liedern auch noch Texte in anderen Sprachen. Manche Texte
allerdings stehen zuerst in der fremden Sprache und erst dann in deutsch.
Dieser Kanon zum Beispiel in hebräisch - aus Israel:
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((dem
letzten Satz des O-Tons schon leise unterlegen))
Atmo 2 (Gesang)
„Schalom haverim“
((in O-Ton rausziehen))
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Die
Lechenicher Kantorin Nina Tilli kommt ursprünglich aus Finnland. Sie
hat mit Staunen beobachtet, wie viel Zeit und Mühe notwendig war, um
die Interessen und den Geschmack von möglichst vielen
Gemeindemitgliedern und Gruppen in einem Buch zu vereinigen. Alle
sollten sich mit dem neuen Gesangbuch identifizieren können und sich
darin wiederfinden: Junge und Alte, Männer und Frauen, die
unterschiedlichen theologischen Strömungen. Und es sollte für möglichst
viele Gelegenheiten brauchbar sein: für die Gottesdienste im
Kirchenjahr, für die Kinder- und Jugendarbeit, für Trauungen, Taufen
oder Beerdigungen, für die Jahreszeiten ebenso wie für den Morgen und
den Abend.
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O-Ton
3 (Interview Nina Tilli)
Ja, ich habe diese Beeindruck bekommen, es ist ein Wunder, dass es überhaupt
ein neues Gesangbuch gibt. Weil 300 000 neue Melodien sind rausgekommen
und davon diese große Auswahl die richtige Lieder zu finden. Und dann
man hat zum Beispiel zehn verschiedene Melodien, von diese einzelne
Melodie. Und welche sollte man das nehmen. Braucht viel Arbeit. Es ist
ein Wunder, dass wir haben dieses Gesangbuch.
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Das
erste evangelische Gesangbuch - das sogenannte Acht-Lieder-Buch ist 1524
in Wittenberg von Martin Luther veröffentlicht worden. Nach der Musik
geht es um die Geschichte der Evangelischen Kirchengesangbücher in
Deutschland. Anlass ist eine umfangreiche, interessante
Gesangbuch-Ausstellung in der Johanniskirche in Brühl. Sie endet am
kommenden Sonntag.
Musik
2
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