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Wie aus einem Munde
- Katholiken und Reformierte in der Deutschschweiz haben ihre neuen Gesangbücher miteinander abgestimmt und singen nun vieles gemeinsam -


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1998. 


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für Schweizer Radio DRS 2 "Besinnung am Sonntag"
Sonntag, 26. April 1998, 08:30 - 09:00 Uhr

Teil 1 (von 4)

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((aufblenden, 20 Sekunden stehen lassen))

Musik 1

Komm Herr, segne uns
CD Liederfest, Essen GRUGA-Halle

((absenken und dem folgenden Text unterlegen))

So klang es vor bald zwei Jahren als in der Essener Grugahalle das neue Evangelische Gesangbuch für das Rheinland vorgestellt wurde - öffentlich, damit jeder und jede es hören kann. So ähnlich wird es vielleicht auch klingen, wenn am Sonntag, den 1. November 1998 gleich zwei neue Gesangbücher vorgestellt werden: das Evangelisch-reformierte und das Katholische Gesangbuch der deutschsprachigen Schweiz. Vielleicht ein bisschen voller, denn das Ereignis findet an diesem Festtag - Allerheiligen und Reformationstag fallen zusammen - in einer Kirche statt: in der katholischen Jesuitenkirche von Luzern. Und es werden zwei sangesfreudige Konfessionen zugegen sein.

((aufblenden, 10 Sekunden stehen lassen))

Musik 1

Komm Herr, segne uns
CD Liederfest, Essen GRUGA-Halle

((absenken und unter dem O-Ton herausziehen))

O-Ton 1 (Teilnehmerin im Interview, Workshop Ganz)

Frage: Das neue Gesangbuch kommt in die Gemeinde und sie haben mit die Aufgabe, es auch einzuführen. Was, glauben sie, wie kommt die Gemeinde, damit zurecht? Freut sie sich drauf,? Ist sie schon vorbereitet? Wie geht's Ihnen damit?

Mir persönlich geht's gut damit. Ich bin in zwei Gemeinden tätig. In der einen Gemeinde ist das Gesangbuch sicher schon besser vorbereitet, durch solche Lieder, die wir schon gesungen haben. In der anderen Gemeinde, der sehr ländlichen Gemeinde, ist ein größerer Widerstand da. Aber ich denke, dass wir mit dem Kirchenchor als Vorspurgruppe diese Freude daran wecken können und auch einen gewissen, so etwas, wie sagt man, etwas lustig machen können die Gemeinde darauf.

Frage: Was ist denn für sie neu, was vorher so nicht existiert hat? Oder was ist das besondere an dem neuen Gesangbuch?

Ich glaube schon, diese vielen responsorischen Gesänge und diese auch Psalmodien auf einem Ton singen. Das wird in unserer Gemeinde etwas Widerstand geben, weil es vielen Leuten katholisch tönt, und das wird wahrscheinlich der längste Prozess sein, da etwas zu verändern.

Es kommt etwas neues in die Gemeinden. Vor einigen Wochen hatten Chorvorstände, Chorleiterinnen und Chorleiter der Züricher Landeskirche im Kirchgemeindehaus Neumünster, Gelegenheit, ein paar Ideen kennenzulernen, wie man dieses Buch in die Gemeinde bringen kann.

Über eine Revision des Evangelisch-Reformierten Kirchengesangbuches wurde in einer Kommission schon seit 1977 nachgedacht. Bei den Katholiken ging es bereits im Spätherbst 1971 los. Bis damit begonnen wurde, wurde einige gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht: die Mitarbeit beider Konfessionen in der Arbeitsgemeinschaft Ökumenisches Lied der deutschsprachigen Länder und ein Jugendgesangbuch, "Kumbayah", das die Katholischen Bischöfe und die Reformierten Landeskirchen gemeinsam verantworten. Und so ist es vielleicht kein Wunder, dass sich Katholiken und Reformierte auch bei der Entwicklung ihren neuen Gesangbücher um Zusammenarbeit bemühten. Der Gesangbuchbeauftragte der Deutsch-Schweizer Katholiken Pater Walter Wiesli zu seinen Erfahrungen:

O-Ton 2 (Interview mit Pater Dr. Walter Wiesli, Immensee)
Ich würde heute sagen aus dem Rückblick, ist das etwas vom Erfolgreichsten und auch vom Schönsten von unserer Gesangbucharbeit. Kann ich wohl sagen. Wir haben heute 238 Gesänge gemeinsam. Und wir haben uns den Weg nicht leicht gemacht. Ich wehre mich dagegen, wenn man dann meint, man hätte da einfach leichtfertig und vielleicht auch mit leichter Hand da so ein bisschen in Ökumene gemacht. Wir haben auch leidvolle Erfahrungen gemacht. Es gab Lieder, die wir nicht durchgebracht haben. Zum Beispiel "Es ist ein Ros' entsprungen" haben wir nicht durchgebracht. Und andere Lieder auch.

Es waren meist die Texte, die Widerstand hervorriefen, wenn zu entscheiden war, ob man ein Lied gemeinsam haben kann oder nicht. "Es ist ein Ros entsprungen" gehört jedenfalls nicht dazu. Ob Maria nach der Geburt Jesu eine reine Magd blieb, wie es die katholische Version feststellt, oder ob sie nur ein Kind gebar, das selig macht, wie es alle evangelischen Gesangbücher im deutschsprachigen Raum behaupten, das war keinem einfachen Kompromiss zugänglich. Leichter war das bei den Melodien. Dazu der Beauftragte der Reformierten Gesangbuchkonferenz Pfarrer Hans-Jürg Stefan:

O-Ton 3 (Interview mit Pfarrer Hans-Jürg Stefan in Einsiedeln
Nehmen wir mal "Nun danket alle Gott", 's ist so eines der bekanntesten Beispiele. Da war der Fall so, dass wir wussten, dass in Deutschland im neuen Evangelischen Gesangbuch auch die ursprüngliche Melodiefassung hineinkommt. Die ist etwas rhythmischer, fängt mit einem etwas längeren Ton an und entspricht eigentlich auch besser der Deklamation des Textes: "Nun danket alle Gott" statt "Nun danket alle Gott", statt diesen gleichwertigen Noten etwas die Betonung, und da haben sich beide Kommissionen entschlossen, wir wollen zurück zu originalen Melodiefassung, weil es eben lebendiger ist, etwas rhythmischer und vielleicht sogar auch jüngeren Menschen mehr Freude bereitet als das gleichmäßige Singen. Der Preis dafür ist natürlich, dass die Gemeinden in solchen Fällen ein bisschen umlernen müssen.
O-Ton 4 (Workshop Pfarrer Hans-Jürg Stephan in Zürich)            
(im Dialekt, schriftlich schlecht wiederzugeben) 

Zum ersten Mal .... sorgfältig gestalten

Auf beiden Seiten, bei Katholiken und Reformierten, ist das Gesangbuch freilich mehr als nur ein Liederbuch. Der Berner Professor für Kirchenmusik und studierte Theologe Andreas Marti, hat in der Reformierten Gesangbuchkommission sowohl die Auswahl der Gesänge mitbestimmt als auch die  spezielle Liturgiekommission geleitet.

O-Ton 5 (Interview mit Prof. Dr. Andreas Marti, Bern)
Es sind Gottesdienstordnungen drin. Es sind natürlich die ganzen Lieder und Gesänge, die man da braucht. Es sind aber auch Sprechtexte drin, Gebetstexte, die man auch gottesdienstlich brauchen kann. Wir haben auch von Anfang an gesagt, es soll darüber hinaus auch dienen dem Gebrauch in Gemeindegruppen außerhalb des Gottesdienstes. Zum Beispiel kann man da dann die Kanons wunderbar brauchen. Im Gottesdienst ist es vielleicht gelegentlich mal schwierig, wenn die Leitung nicht gewährleistet ist. In Gruppen kann man auch etwas anspruchsvollere Dinge singen. Wir haben für solche kleineren Gruppen beispielsweise auch die Tagzeiten im vollen Wortlaut abgedruckt, ein eigenes Tagzeitengebetsmodell entwickelt, damit eben solche auch u.U. pfarrerlose Gruppen selber verantwortlich mit dem Gesangbuch arbeiten können. Das ist dann im Grunde immer noch Gottesdienst, aber eine etwas andere Ebene. Es ist dann die Ebene des Unterrichts - durch die Nachbesserung natürlich wesentlich verstärkt. Und es ist vor allem das, was das Gesangbuch in früheren Zeiten offenbar mehr gewesen ist und dann eine Weile weniger und jetzt wieder werden soll, ein geistliches Hausbuch. Also auch ein Andachtsbuch.

Teil 1 (von 4)

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