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Wie aus einem Munde
- Katholiken und Reformierte in der Deutschschweiz haben ihre neuen Gesangbücher miteinander abgestimmt und singen nun vieles gemeinsam -


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1998. 


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für Schweizer Radio DRS 2 "Besinnung am Sonntag"
Sonntag, 26. April 1998, 08:30 - 09:00 Uhr

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O-Ton 11 (Interview mit Pfarrer Hans-Jürg Stephan in Einsiedeln)
Während dem auf katholischer Seite vielmehr Erfahrung und auch Lust ist, Psalmen nach der gregorianischen Tradition im Sprechgesang zu singen, ist das in unseren Gemeinden mit ganz wenigen Ausnahmen, gar nicht mehr möglich, weil die Tradition praktisch seit der Reformationszeit abgebrochen ist. Aber wir haben jetzt vier Liturgien: Morgen-, Mittag-, Abend- und Nachtgebet, vor allem so in der klassischen Struktur von einem Eingangsteil mit einem Eingangslied oder Hymnus, ein Psalm oder mehrere Psalmen, wenn man's ausbauen will, Textlesung, Stille und dann ein Lied, ein neutestnamentliches Loblied, das zur Tageszeit gehört, wie am Abend zum Beispiel der Lobgesang der Maria, das Magnifikat. Und dann das Nachtgebet mit dem Lobgesang des Simeon, und dann am Schluss dieser Tag-Zeitengebete der Gebetsteil. Und diese Struktur entspricht haargenau der in anderen Kirchen. Also nicht nur der katholischen, der römisch-katholischen, sondern auch bei den Christkatholiken, der Anglikanischen Kirche grundsätzlich vorhandenen Tradition. Und das wir das wieder neu entdecken, ich denke darin liegen auch mehrere Chancen.

Musik 8        

psalmodieren
MC Walter Wiesli: 

Es sind hier vor allem delegierte Priester und Kantorinnen und Kantoren aus den verschiedensten Bistümern der Deutschschweiz, die diesen sehr rhythmischen Psalm singen. Wenige Tage nach dem reformierten Chorleitertreffen in Zürich trafen sie sich in Einsiedeln, um ihr neues Gesangbach kennenzulernen und zu beraten, wie sie es in den Dekanaten und Gemeinden einführen können. Wie aber kam es überhaupt zu einem eigenen Deutschschweizer Gesangbuch? Es gab immerhin eine Alternative. Dazu Pater Walter Wiesli:

O-Ton 12 (Interview mit Pater Dr. Walter Wiesli in Immensee)
Eigentlich war geplant, dass wir das Gotteslob übernehmen würden. Es war ein Beschluss der Bischofskonferenz. 1975 hatten wir bereits einen Anhang. Der war fertiggestellt, wurde den Bischöfen auch übergeben als Anhang zum Gotteslob, ein schweizerischer Anhang, wie das in Deutschland ja in den einzelnen Ländern auch der Fall ist. Mehr und mehr hat sich dann - ich nenn' das mal so - im mittleren Kader haben sich Widerstände ergeben gegen das Gotteslob und zwar, mittlere Kader, das wären vor allem die Seelsorgeräte, die Priester der mittleren Generation, Priesterräte, unter an dem auch des Bistums Basel, die haben sich sehr stark dafür engagiert, dass wir auf eine eigene Lösung hin tendieren würden, weil man voraus-gesehen hat, dass die pastorale Landschaft der Schweiz gegen das Jahr 2000 sich sehr wahrscheinlich stark verändern würde. Das hat man vorausgesehen.

Heute hat längst nicht mehr jede Römisch-katholische Kirchengemeinde der Deutschschweiz ihren eigenen Pfarrer, und die Tendenz ist, dass es eher noch schwieriger wird. Das offenbar hat dazu geführt, dem neuen Gesangbuch auch eine strategische Aufgabe zuzuweisen in einer Zeit, in der eine aktive Gemeinde und die Mitarbeit der Laien mehr denn je gebraucht werden. Sie werden aufgewertet. Das Gesangbuch wird zum Rollenbuch.

O-Ton 13 (Interview mit PD Dr.Werner Hahne in Bergisch Gladbach)
Die Gemeinde ist das Subjekt, die Trägerin des Gottesdienstes in ihrer Versammlung, und sie differenziert sich wie alles darstellende Handeln, etwa auch ein Theaterstück, ein Drama in verschiedenen Rollen. Das heißt, es gibt jemanden, der den Vorsteher , die Vorsteherrolle übernimmt. Also in der Messfeier der Priester. In einer Andacht kann das auch eine Pastoralassistentin sein oder ein Mann oder eine Frau aus der Gemeinde, die beauftragt sind vom Pfarrer. Daneben gibt es aber sehr viele andere Rollen. Zum Beispiel den Leser. Lektor/Lektorin nennen wir die. Das sind diejenigen, die Lesungen vortragen. Es gibt den Kirchenmusiker, sei es der Chorleiter, sei es der Organist, seien es der Kirchenchor, es gibt Ministrantinnen/Ministranten, Kommunionhelfer/Kommunionhelferin, es gibt den Psalmisten oder den Kantor/die Kantorin. Also, wir haben eine Fülle von Rollenträgern. Und dieses Buch ist so angelegt, dass alle diese Rollenträger, vor allem aber die Hauptrollenträgerin, die Gemeinde, die Gemeindeversammlung, in diesem Buch alles findet an Texten und an Gesängen, die die betreffenden Rollenträger brauchen, um die unterschiedlichsten Formen von Gottesdienstmöglichkeiten, die wir haben, aus der Tradition entwickelt haben und neu beleben wollen, vorzubereiten, durchzuführen und nachzubereiten.

Musik 9 

Großer Gott, wir loben dich
auf: CD Ein neues Lied - 
Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch
Imatel Mediengesellschaft / Gesangbuchverlag Stuttgart
ohne Industrie-Nr. und LC

Schon lange ein sehr populäres Lied in den reformatorischen Kirchen. Aber es kommt dort nicht her, und vielleicht deshalb wurde es stets ein wenig anders gesungen. Geschrieben hat es vor mehr als 200 Jahren der polnische Priester Ignaz Franz. Für das gemeinsame Singen gab es in beiden Kommissionen der Kirchen eine einfache Regel, die jedenfalls grundsätzlich galt. Die Tradition aus der ein Lied, ein Gesang kommt, die setzt die Maßstäbe. Das gilt auch für "Großer Gott, wir loben dich". Und damit dieses Prinzip auch durchgehalten werden kann, haben sich die Kommissionen gegenseitig zur Mitarbeit eingeladen. Wie wurde das möglich.? Walter Wiesli:

O-Ton 14 (Interview mit Pater Dr. Walter Wiesli in Immensee)
Auf jeden Fall hat die Bischofskonferenz von Anfang an, das ist auch ein Agendum gewesen in unserem Pflichtenheft, die Ökumene hat Vorrang. Seit Jahren arbeiten wir mit - Katholische Schweiz - in der AÖL, der Arbeitsgemeinschaft für das ökumenische Lied, also ein Vertreter der katholischen Schweiz, ein Vertreter der reformierten Schweiz. Und auch dort haben schon starke Kontakte sind dort entstanden. Und alle diese Umstände haben dann dazu geführt, dass wir selber von den Kommissionen her, also das war kein Auftrag der Kirchen, dazu gekommen sind, wir haben gesagt, wir setzen uns gegenseitig einmal in die Kommission herein, damit wir orientiert sind, und daraus ist dann sehr bald einmal mehr entstanden.

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