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Wie aus einem Munde
- Katholiken und Reformierte in der Deutschschweiz haben ihre neuen Gesangbücher miteinander abgestimmt und singen nun vieles gemeinsam -


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1998. 


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für Schweizer Radio DRS 2 "Besinnung am Sonntag"
Sonntag, 26. April 1998, 08:30 - 09:00 Uhr

Teil 4 (von 4)

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Die Zusammenarbeit wurde so eng, dass mittlerweile bis in die Einzelheiten vieles gemeinsam gemacht wird. Aus Kostengründen wurden die gleichen Schrifttypen gewählt. Es werden gemeinsam Werkhefte und Orgelhandbücher herausgebracht. Zwei CDs mit wichtigen Liedern werden gemeinsam produziert. Die Öffentlichkeitsarbeit wird gemeinsam gemacht, mittlerweile auch, um deutlich zu machen, dass beide Bücher eng miteinander verschwistert sind.

Aber ganz so reibungslos lief die Kooperation nicht immer. Die Fachkommission der Reformierten zum Beispiel musste ihre Vorschläge einer Kommission aus Delegierten der Landeskirchen vorlegen. Und die hatte zuweilen ihren eigenen Willen, weiß das Mitglied der Fachkommission Andreas Marti zu berichten.

O-Ton 15 (Interview mit Prof. Dr. Andreas Marti in Bern)
Ein wichtiger Punkt waren die ökumenischen Text- und Melodiefassungen. Da war vorher festgelegt worden, die sollten Priorität haben. Die kleine Kommission hat das, soweit sie das vereinbaren konnte mit ihrem musikalischen oder sprachlichen oder theologischen Gewissen, auch nachvollzogen. Dann ist aber von Seiten der großen Kommission in recht vielen Fällen ins Spiel gebracht worden das Kriterium der sog. Vertrautheit. Ich habe dagegen immer sehr heftig gefochten. Aber das hat nichts geholfen. Man wollte den Leute nicht zu viele Änderungen zumuten und hat aus diesem Grunde in recht vielen Fällen dann auf unseren 52er Fassungen beharrt und ökumenische Fassungen rausgeworfen wieder. Es ist bei einigen Liedern ein paar Mal hin- und hergegangen, und manchmal dann doch mit Rücksicht auf die katholischen Nachbarn, hat die ökumenische Fassung dann Platz gefunden im Gesangbuch. Aber nicht durchgehend!

Immerhin, das meiste konnte sich durchsetzen. Die viel größere Herausforderung liegt freilich darin, das Gesangbuch bzw. die Gesangbücher in den Gemeinden durchzusetzen. Damit das gelingt, ist eine engere Zusammenarbeit von Pfarrern und Musikern notwendig. Werner Hahne beschreibt das Problem aus der Perspektive eines katholischen Liturgiewissenschaftlers:

O-Ton 16 (Interview mit PD Dr.Werner Hahne in Bergisch Gladbach)
Es ist für uns ein großes Anliegen, dass von vornherein bei der Vorbereitung, bei der Durchführung und bei der Nacharbeit das Zusammenspiel der Kräfte, vor allem eben auch das Zusammenspiel mit den Kirchenmusikern gelingt, weil eine Liturgie nach dem zweiten Vaticanum ohne Musik praktisch nicht denkbar ist, und also Musik nicht eine Verschönerung, eine Verzierung des Gottesdienstes ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil. Und deswegen ist es auch so wichtig, dass in diesem Gesangbuch alle musikalischen Formen, die wir in der Tradition haben, zu finden sind, also nicht nur Lieder, sondern vor allem auch Psalmen, die in verschiedener Weise realisiert werden können. Dazu gehört zum Beispiel der Psalmengesang mit Leitvers. Es gibt sehr viele Leitverse, so dass die Gemeinde, die keine Psalmen als ganzes singen kann, wenigstens den Leitvers singen kann.

Aber wie lernt sie ihn, oder etwa einen der vielen liturgischen Gesänge in beiden Gesangbüchern? Wie vermittelt man der Gemeinde ein Lied, das zwar im Gesangbuch steht, aber ein bisschen anders als die Gemeinde es bisher kannte. Oder ein Lied, das nicht für die Orgel geschrieben wurde, eher für eine kleine Band. Oder einen Kanon. Das übliche Anspielen der Melodie auf der Orgel ist noch nie eine optimale Lösung der Melodievermittlung gewesen. Hier geht sie aber endgültig ins Leere. Die Kantorin der Reformierten Züricher Matthäusgemeinde Beatrice Trüten hat eine einfache Lösung. Sie macht es so:

O-Ton 17 (Interview mit Kantorin Beatrice Trüten in der Zürcher Matthäuskirche)
Ich habe festgestellt, dass ich das vor den Leuten präsentieren muss. Ich habe schon verschiedene Sachen ausprobiert. Bei uns ist die Orgel auf der Empore, und ich habe quasi von der Empore runtergesungen. Aber das eignet sich nicht sehr gut. Ich denke, der Blickkontakt ist sehr wichtig. Und solche Lieder könnte ich mit durchaus vorstellen, dass man vielleicht mal eins, zwei mit der Gitarre begleitet. Wichtig ist auch der Blickkontakt und die Nähe zu den Gemeinde.

Musik 10 

Erd und Himmel sollen singen
auf: CD Halleluja - 
Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch
Imatel Mediengesellschaft / Gesangbuchverlag Stuttgart
ohne Industrie-Nr., LC3078


Teil 4 (von 4)

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