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Was ist jüdische Musik?
Notizen von der Biennale Bern 2001 "Fremdbilder/Selbstbilder"


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2002. 


Übersetzungen
von O-Tönen (Zitaten)  berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder. 


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für Deutschlandfunk - Studiozeit "Thema: Kultur/Musik"
Freitag, 25. Januar 2002, 20:10 - 21:00 Uhr

Teil 1 (von 7)

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Musik 1 

Benjamin Britten „Nocturnal Op. 70,
auf: Ruben Seroussi: Guitar Masterpieces of the 20th Century:
Nuova Era 7255, Ind.Nr.8 010984 1722558

((nach ca. 0:28 Minuten absenken und unter dem O-Ton auslaufen lassen))

Poster zur Biennale Bern 2001 "Jüdische Musik"

O-Ton 1 (Ruben Seroussi, 21. Oktober 2001 in Bern)
Officially I don’t want to think, that my being Jewish influences my artistic conceptions and ideas. So I can say, that in principle for me being Jewish is not so an important factor in my thinking, feelings, related to the creation of music. But, I have to say that the facts are, that I rose some pieces that are connected to texts that are related to traditional history of Judaism or to other spiritual legacy of the Jewish people. I can explain that as a normal coincidence. Incidentally I am a Jewish, so – and I live in Israel, that is a country that is full of Jewish culture. And I am connected to my family tree, so I have this culture very available for me, it sticks to me at certain levels, so I have some pieces that are related to Jewish contents. But I refuse to be classified, because I know that classification exists and this ideology exists about trying to make music or art that is directly connected and expresses mainly a Jewish point of view.

Offiziell gehe ich nicht davon aus, dass die Tatsache, dass ich Jude bin, meine künstlerischen Vorstellungen und Ideen beeinflusst. Also, im Prinzip hat das Jüdischsein keinen sehr großen Einfluss auf meine musikalische Kreativität. Andererseits ist es natürlich so, dass ich einige Stücke geschrieben habe, die sich mit Texten beschäftigen, die mit der traditionellen Geschichte des Judentums oder anderen spirituellen Hinterlassenschaften des jüdischen Volkes zu tun haben. Ich betrachte das aber als Zufall. Zufällig bin ich jüdisch und ich lebe in Israel, einem Land in dem es jede Menge jüdischer Kultur gibt. Ich bin jüdisch aufgewachsen. Das heißt, diese Kultur gehört in gewisser Weise zu mir. Aber ich möchte nicht klassifiziert werden, denn ich weiß, dass es diese Klassifizierungen gibt und diese Ideologie vorhanden ist, die behauptet, dass eine Art Musik zu machen unmittelbar verbunden ist mit einer jüdischen Weltsicht und davon ein Ausdruck ist.

Ruben Seroussi ist Gitarrist, Komponist und Kompositionslehrer an der Samuel Rubin Academy of Music der Universität von Tel Aviv. Geboren in Uruguay emigrierte er mit 15 Jahren nach Israel.  Heute, mit 42 Jahren, versteht er sich als Atheist – vollkommen! – wenn auch mit einigem Respekt vor der jüdischen Tradition, mit der er als Kind und Jugendlicher in der Diaspora aufgewachsen ist.  Aber jüdische Musik macht er nicht, sagt er. 

Der Jazz-Musiker John Zorn dagegen hat sogar ein Manifest verfasst, um zu betonen, dass seine Musik jüdisch ist, radikal jüdisch. Peter-Niklas Wilson*) zitiert ihn:

O-Ton 2 (PDoz Dr.Peter Niklas Wilson am 17.Oktober 2001 in Bern)
“Der Jude ist immer Ursprung einer doppelten Infragestellung gewesen: der Infragestellung des Selbst und der Infragestellung des ‚Anderen’. Da ihm nie die Möglichkeit gewährt wird, aufzuhören, jüdisch zu sein, ist er gezwungen, die Frage seiner Identität zu formulieren. Daher ist er von Anbeginn mit dem Diskurs des ‚Anderen’ konfrontiert, und oft hängt sein Leben davon ab“...“Mir wurde klar, dass ein Jude jemand ist, der naiv glaubt, dass er, wenn er selbstlos zu seiner Gastkultur beiträgt, akzeptiert werden wird. Aber wir sind die Außenseiter der Welt. Das ist, es mich am Stamm [tribe] anzog – die Kultur des Außenseitertums.“.

Dafür hat er auch ein Plattenlabel gegründet unter dem Titel „Radical Jewish Culture“. Aber nicht jeder, der etwas ganz anderes machen will, hat sich dort unter Vertrag nehmen lassen.

Der New-Yorker Jazz-Musiker Uri Caine hat sich ausdrücklich einem Projekt angeschlossen, das sich kurz und nicht ohne Ironie JAM nennt: Jewish Alternative Movement (Jüdische Alternative Bewegung) und unter Anspielung auf das Hauptwerk des berühmten jüdischen Gelehrten Maimonides "Guide for the Perplexed" - Führer der Verwirrten:

((bei ca. 1:00 einsteigen, evtl. vorher ab „Uri Caine“ unterlegen))

Musik 2

Uri Caine: Hava Nagila,
auf: Jewish Alternative Movement: Guide for the Perplexed,
Knitting Factory Works; ASIN B0000061W9

((nach ca. 1:55 Minuten rausziehen))

 
O-Ton 3  (Professor Dr. Alexander Ringer,  8. Mai  2001 in Bern)      
Ich glaube, ohne Fragezeichen kann man wirklich das Thema überhaupt nicht anfassen.  Ich bin auch nicht sicher, ob einer oder viele je eine Lösung für das Problem finden.

Alexander Ringer**), emeritierter Professor für Musikwissenschaft an der Universität Illinois im nordamerikanischen Urbana. Das Thema lautet „Jüdische Musik“. Unter Marketing-Aspekten ist der Begriff klar: Dann geht es um Klezmer. Religiöse Menschen denken an religiöse Musik. Und im Übrigen ist für viele Musikkritiker nach wie vor ein Hinweis darauf, dass ein Komponist jüdisch ist, eine Information, die sie für die Beurteilung seiner Werke nicht unerwähnt lassen möchten. Heidy Zimmermann***), Musikwissenschaftlerin an der Universität Basel, hat im Rahmen der Biennale Bern „Jüdische Musik“ ein wissenschaftliches Symposium vorbereitet:

O-Ton 4 (Heidy Zimmermann, 14. Oktober 2001 in Bern)
Ich höre einfach zu oft – sogar in wissenschaftlicher Literatur – Sätze wie, ganz eindeutig ist festzustellen, das in einer bestimmten Komposition eines Komponisten jüdischer Herkunft eben das orientalische Element oder das jüdisch-melodische Element - völlig wage. Aber es kommt immer wieder als Etikette . Und da möchte ich dann doch einfach zurückfragen, was ist denn das? Was ist das denn eigentlich? Und kann ich das wirklich so spezifisch beschreiben.

*) Dr. Peter Niklas Wilson starb am 26. Oktober 2003 nach schwerer Krankheit im Alter von 46 Jahren.

**) Prof. Dr. Alexander L. Ringer starb am 2. Mai 2002 im Alter von 81 Jahren. Als letztes Buch hinterließ er eine Monografie über "das Leben im Werk" von Arnold Schönberg.

***) Dr. Heidy Zimmermann ist heute Mitarbeiterin der Paul-Sacher-Stiftung in Basel.


Teil 1 (von 7)

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