|
|
 |
|
|

|
|
|
Für Inhalte
und Verlässlichkeit von externen Webseiten übernehme ich keine
Verantwortung! |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
Was
ist jüdische Musik?
Notizen
von der Biennale Bern 2001 "Fremdbilder/Selbstbilder"
|
|
|
©
für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2002.
Hyperlinks
sollten aktuell sein. Bei fehlerhaften oder toten
URLs bitte ich um ein kurzes E-Mail mit Hinweis auf die
entsprechende Seite und den Link. Danke. |
|
|
|
für
Deutschlandfunk - Studiozeit "Thema: Kultur/Musik"
Freitag, 25. Januar 2002, 20:10 - 21:00 Uhr |
| Teil
3 (von 7) |

|
 |
|
|
|
Die
Söhne des jüdischen Schlachtergesellen Isaac Joseph Isaac stehen
unter dem Künstlernamen Wolf bereits Anfang des Jahrhunderts auf
den Brettern aller wichtigen Varieteebühnen: zuerst als „Wolf
Trio – Bestes deutsches humoristisches Herren-Gesangsterzett“,
später – und dann zu zweit – als „Gebrüder Wolf“. Nicht
nur in Deutschland sondern auch in den Nordischen Ländern, der
Schweiz und den Niederlanden feiern sie Erfolge. In Hamburg gelten
sie bis zum Nationalsozialismus als Prototypen des Ur-Hamburgers
– zwei Juden, die plattdeutsche Couplets sangen, populäre
frivole Schlager und Volksstücke schreiben und norddeutsch
tanzen. Machten Sie deshalb jüdische Musik?
|
((bei
0:58 wieder hochziehen))
Musik
5b
Dat
Paddelbooot,
auf: Gebrüder Wolf: Snuten un Poten „Hamburger
Couplets“
Musik Antik 006
((bei
ca. 1:15
raus)) |
|
Mit
der Machtergreifung der Nazis erlebten die Wolf-Brüder erste Beschränkungen.
Ab 1939 dürfen sie nicht mehr auftreten. In den vierziger Jahren folgen
die Deportationen nach Theresienstadt für den einen und ins KZ
Sachsenhausen für den anderen. Nur einer der beiden „Gebrüder Wolf“
schafft es zu flüchten.
O-Ton
7 (Impressionen im „Reading Room“ v. 13. u. 20.10. 2001 in
Bern)
Erstens, der obgenannte Flüchtling ... ... vom Armeekommando
abgelehnt wurde |
Szenen
mit Flüchtlingen in der Schweiz von 1930 bis 1950 in einem
Bibliothekssaal. Abgedunkelt. Archivmitarbeiter in taubengrauen
Arbeitskitteln. Ein sauberes Aktenordnersystem am Ende des Saales. Texte
werden gegen Leihschein ausgegeben. Weiße Pulte an denen aus Akten
gelesen wird. Wie ein Gebetsritual – dreimal am Tag: mittags, abends und
nachts. Tägliche Lesungen während der Berner Biennale „Jüdische
Musik“ unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt unter
Leitung des Komponisten und Performancekünstlers Arnold Dreyblatt.
|
O-Ton 8
(Interview Arnold Dreyblatt am 20.10.2001 in Bern)
Allgemein ist meine Absicht, eine Situation zu schaffen,
wo ganz normale Leute aktiv und nicht passiv mit der
Vergangenheit uns konfrontieren. Die Frage, wie wir Informationen
aus der Vergangenheit bewahren und speichern und dann in
Archiven extern, wie wir das finden. Wie könnte man diese
alten Dokumente lebendig machen? Und ich bin auch
Komponist. Für jede Situation habe ich eine fast musikalische
Partitur geschrieben wo es angesagt ist, wer liest was von
wann bis wann. Es ist eine gemeinsame Lesung. Das heißt ,
an mehreren Tischen lesen mehrere Leute gleichzeitig. Es
sind 12 Lesetische. Man könnte vorstellen in eine
Bibliothek, in eine alte Lesesaal . Alle lesen allein. Es
ist so wie eine Fantasie, dass man im Lesesaal laut liest
zusammen, was man normalerweise nicht macht . Wir haben
auch eine Art Beamtenstab, die verantwortlich sind, die
Akten aus der Vergangenheit und die ein-geladenen Leser
zusammenzutreffen. |
|
Die
Kategorie „jüdisch“ in der Musik ist zwar älter als
der Nationalsozialismus, aber sie ist trotzdem noch nicht
alt.
Das hat einen einfachen Grund, weiß Alexander
Ringer, emeritierter Musikprofessor aus Illinois:
|
|
O-Ton 9
(Professor Dr. Alexander Ringer, am 8. Mai 2001 in Bern)
Die europäische Musik hat eine 1500-jährige Geschichte.
An der Entwicklung konnten Juden nie teilnehmen. Die
deutsche Kunst erreichte musikalisch ihren Höhepunkt ab
18. Jahrhundert – von Bach bis über Wagner hinaus. An
dieser Entwicklung hatten – das war die Entwicklung der
Harmonie – Juden keinen Anteil. |
|
|
Bis
weit ins 19. Jahrhundert hinein, unterlagen Juden – nicht nur in
Deutschland – vielerlei Beschränkungen. Sie waren an vielen
Orten immer noch von landesherrlichen Schutzbriefen abhängig und
durften in der Regel nur in Berufen arbeiten, in denen sie nicht
in Konkurrenz zur christlichen Bevölkerung traten oder die als
ehrenrührig galten. Die Universitäten waren ihnen weitgehend
verschlossen. In manchen Landstrichen konnten sie Ärzte werden,
aber von den Geisteswissenschaften, und damit auch von der Musik
blieben sie ausgeschlossen. Das bedeutet nicht, dass sie
unmusikalisch gewesen wären.
Es gab ....
O-Ton
10
(Professor Dr. Alexander Ringer, am 8. Mai
2001 in Bern):
... Musik im Sinne des Gesangs, aber auch im Sinne einer
volksliedartigen Musik, die heute meistens verfälscht
wird von sog. Klezmer -Ensembles. Jede Hochzeit war
hochmusikalisch. In Prag wurde sogar kurz vor dem Sabbat
schon im 15. Jahrhundert Instrumentalmusik gemacht. Aber
da haben sie sich so Dinge ausgedacht. Das waren ja im
Grunde genommen musikalische Analphabeten, die ihre
Instrumente als Autodidakten erlernten. Sonst gab nichts.
Gar nichts. Es gibt da eine interessante Episode in der
Autobiografie von Franz Benda, dem böhmischen-tschechischen
Geiger, der in seiner Autobiografie schreibt, wenn er
jetzt so gepriesen wird als Geiger und ganz schön
verdient, dann verdankt er es einem blinden jüdischen
Geiger, der er begleitet hat von einer kleinen Stadt in
die andere, von einem Dorf ins andere, weil er so
fantastisch gespielt hat. Und er hat sich genau abgeguckt,
wie der den Bogen gebraucht hat. |
|
|
| Teil
3 (von 7) |

|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|