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Die "Neue Jüdische Schule" in Russland
Ein Forschungsprojekt an der Universität Potsdam


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2002. 


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für Deutschlandfunk - Musikszene
Sonntag, 1. Dezember 2002, 15:05 - 15:55 Uhr

Teil 1 (von 5)

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Am Mikrofon ist Heinz-Peter Katlewski. Willkommen zur Musikszene, heute aus Potsdam.

Musik 1

Track 4 - Three Folk-Dances (1928) von Alexander Weprik,
auf: Accross Boudaries – Discovering Russia 1910-1940 Vol. 2
"The NEW Jewish School"
EDA 014-2, 4 015380 001420, LC 06597

((bei 0:50 absenken und unter der Moderation ausspielen))

Poster zur Biennale Bern 2001 "Jüdische Musik"

Thema dieser Sendung ist ein Forschungsprojekt, dass vor wenigen Wochen hier an die Universität begonnen wurde.  Es geht um eine musikalische Strömung, von der selbst Experten noch wenig wissen. Sie hatte ihren Anfang 1908 bei jüdischen Studenten am Konservatorium von Sankt Petersburg, vor allem in der Kompositionsklasse von Nikolaj Andrejewitsch Rimsky-Korsakow. Dort gründete sich eine Gesellschaft für Jüdische Volksmusik. Aus dieser Keimzelle entwickelte sich später eine Komponistenbewegung, die einen eigenständigen Weg in die zeitgenössische Musik suchte: die "Neue Jüdische Schule".

Musik 2

Track 5 - Three Folk-Dances (1928)  von Alexander Weprik,
auf: Accross Boudaries – Discovering Russia 1910-1940 Vol. 2
"The NEW Jewish School"
EDA 014-2, 4 015380 001420, LC 06597

"Drei Volkstänze" heißt dieses kleine Stück von dem wir zuerst den ersten Tanz angespielt und jetzt den zweiten Tanz ganz gehört haben und gleich den dritten hören werden. Es handelt sich um eine Komposition von Alexander Weprik. Er galt in den zwanziger Jahren als einer der profiliertesten Vertreter der Neuen Jüdischen Schule. Bis vor wenigen Jahren war von dieser Schule allerdings nur ganz wenigen etwas bekannt. Die musikalisch interessierte Öffentlichkeit erfuhr davon erst durch Tonträger-Rezensionen in den einschlägigen Musikzeitschriften.

Der Pianist Jascha Nemtsov – selbst ein Absolvent des Petersburger Konservatoriums – hatte Werke einiger Komponisten dieser Künstlerbewegung für den Mitteldeutschen Rundfunk und den Südwestrundfunk bei der Edition Abseits und bei Hänssler Classic auf CDs eingespielt. Gemeinsam mit der Musikwissenschaftlerin Beate Schröder-Nauenburg hatte er sich auf die Spuren dieser Musikszene des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts begeben und dabei einige Entdeckungen gemacht. Seit wenigen Wochen erforschen beide nun ganz offiziell diese Neue Jüdische Schule an der Universität Potsdam im Auftrag des Lehrstuhls für Religionswissenschaft und mit Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung".

Musik 3

Track 6 - Three Folk-Dances (1928)  von Alexander Weprik,
auf: Accross Boudaries – Discovering Russia 1910-1940 Vol. 2
"The NEW Jewish School"
EDA 014-2, 4 015380 001420, LC 06597

Dass sich Religionswissenschaft mit gottesdienstlichen Liturgien von Religionen auseinandersetzt ist selbstverständlich, dass sie sich insofern natürlich auch mit gottesdienstlicher Musik beschäftigt, geschieht vielleicht nicht häufig, aber es ist durchaus naheliegend. Hier aber ist es anders. Die Künstler-Bewegung der Neuen Jüdischen Schule hatte in der Regel nicht vor religiöse Musik zu schreiben, sondern sie wollte eine Musik schaffen, die das jüdische Volk kulturell repräsentiert. Es sollte eine nationale Musik sein, vergleichbar den anderen nationalen Schulen Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts.

Warum meint der Lehrstuhlinhaber für Religionswissenschaft in Potsdam, dass die "Neue Jüdische Schule" in seinem Institut gut aufgehoben ist? Professor Karl-Erich Grözinger:

O-Ton 1  (Interview Professor Dr. Karl-Erich Grözinger, 28.10.02)
Diese Musikprojekte stellen sich mir hochschulpolitisch vor allem im Kontext der Jüdischen Studien dar, weil ich meine, man kann Jüdische Kultur nicht darstellen und dabei so ein wichtiges Element wie die Musik auslassen .

Die Universität Potsdam bietet einen ausgebauten Querschnittsstudiengang "Jüdische Studien" an, an dem 11 Disziplinen beteiligt sind. Da sich die Religionswissenschaftler hier vor allem mit der jüdischen Religionsgeschichte beschäftigen, sind sie schon deshalb für die Jüdischen Studien federführend. Jüdische Musik ist in diesem Rahmen ein Forschungsschwerpunkt geworden. Es werden z.B. über 230 Wachswalzen und 60 weiche Schallplatten mit Feldaufnahmen jiddischer Volksmusik aus Sankt Petersburg ausgewertet und darüber hinaus das umfangreiche Tonarchiv zu jiddischer Musik des Berliner Feldforschers, David Kohan. Da seit einem Jahr den Jüdischen Studien in Potsdam aber auch noch eine Ausbildungsstätte für moderne Reformrabbiner angegliedert ist – das Abraham-Geiger-Kolleg – sieht Karl-Erich Grözinger eine weiteren Grund dafür, die Musik in Forschung und Lehre an seinem Lehrstuhl so stark zu betonen.


Teil 1 (von 5)

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