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Zu Besuch beim Hamburger Musiksammler Norbert Noritz:
Schellack-Fans, gesungene Kleinkunst aus den 20er Jahren und ein eigenes Label


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2003. 


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für Deutschlandfunk - Musikszene
Sonntag, 27. April 2003, 15:05 - 15:55 Uhr

Teil 5 (von 5)

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Von Claire Waldoff gibt es aus den 50er Jahren eine Schellackplatte, die kaum die Größe einer CD hat. Sie hat ihrem Buch „Aus meinen Erinnerungen“ beigelegen und enthält eine persönliche Ansprache an ihre Leser:

O-Ton 21 (Claire Waldoff: Aus meinen Erinnerungen)
Hallo, hallo, hier spricht Claire Waldoff. Ich grüße euch, meine lieben Freunde, die das Buch meiner Erinnerungen lesen. Bei manchen Kapiteln werdet ihr schmunzeln und sagen, ja, die Waldoff, das war ne dolle Nummer. Ihr habt ganz recht. Aber schön war se doch. Wenn uns das Leben jetzt auch manchmal hart am Kragen packt, dann denkt an meinen fröhlichen Trinkspruch: Leichter Umtrunk. Wir wollen nicht weich werden. Noch hängt die Hose nicht am Kronleuchter. Und: Weeßte noch? Hermann heeßt er, Hermann heeßt er, Hermann heeßt er.

Während der Ruhm von Claire Waldoff noch immer nicht verblasst ist, ist von Fritzi Frou wenig bekannt. Diese Verse wurden 1928 veröffentlicht – also fast am Ende der Goldenen Zwanziger Jahre.

Musik 9

Fritzi Frou: Heut’ war ich bei der Frieda,
            auf: Soubretten und Chansonetten,
            Musant 004/ 1998, keine Industrie-Nr., keinen LC

Informationen über jene Künstler zu finden, deren Ruhm nicht reichte, um in zeitgenössische Lexika aufgenommen zu werden, erfordern detektivischen Einsatz: Recherche in Bibliotheken, Zeitungsarchiven und in den persönlichen Unterlagen von Nachkommen. Für ein kleines Label, das nicht mit großen Gewinn rechnen kann, sind da die Grenzen schnell erreicht. Es gibt nur ein Kriterium dafür, ob eine Kleinkunst-Schellackplatte aufgenommen wird in einen Sampler zu einem beliebigen Thema: Es muss originell sein, es muss überzeugen. Außerdem muss die erste Veröffentlichung auf einem Tonträger mindestens fünfzig Jahre zurückliegen. Das, was für das Sammeln gilt, das gilt auch für die Veröffentlichung. Christian Gottschalk, Stammkunde im Musik-Antik-Laden sieht es so:

O-Ton 22 (Christian Gottschalck)
Heute interessiert uns daran, was damals innovativ und neu war: aufkommender Jazz, Schlager, Kabarett und Kleinkunst, was damals aktuell war. Der Massengeschmack geht aber durchaus in Richtung Volkslieder, Salonmusik, Donauwalzer, die Dinge, die es zu jeder Zeit, die es immer gab, also jedenfalls schon lange vor der Schellackplatte. Insofern ist das Verhältnis dessen, was für uns heute interessant ist, wenn man einen Stapel mit Schellackplatten findet, in der Regel ein bisschen unerfreulich – wenn nicht mit einem dezidierten Geschmack gesammelt wurde damals. Es gab natürlich auch damals Leute, die immer die neuesten Swingplatten gekauft haben. Das macht natürlich Spaß. Aber wenn man Opas Grammophon findet und Opa hat einfach Musik haben wollen zum Spielen, dann sind da auch Dinge dabei, die uns heute nicht mehr so wahnsinnig interessieren.

Was einen stilbewussten Schellacksammler umso mehr interessiert, ist das richtige Grammophon. Schellackplatten laufen mit 78 Umdrehungen. Man kann sie zwar auch auf einen herkömmlichen Schallplattenspieler legen, sofern er für diese Geschwindigkeit gerüstet ist und über einen Schellack-tauglichen Saphir verfügt. Aber wer einmal damit angefangen hat, Schellackplatten zu sammeln, der wird sich auch ein Grammophon zulegen wollen. Dabei gilt es, auch auf kleine Details zu achten: Die Nadel nämlich muss nämlich nach jeder Abspielung gewechselt werden.

O-Ton 23 (Norbert Noritz)
Also nicht, dass da jemand kommt und sich beklagt, die Nadel erst 'n Vierteljahr drin, und nun hört sich das alles so komisch an, habe ich ja gehabt, der kam mit 'ner Nadel hier rein, die war von beiden Seiten gleich stumpf Und der hat nicht ein Vierteljahr, der hat ein Jahr gesagt. Die habe ich noch mal ein Jahr, und das hört sich an.

Es gibt oder gab allerdings auch Nadeln, die man häufiger nutzen konnte. Die waren dann aus gehärtetem Stahl. Aber die Sammler hier am Samstag Morgen im Musik-Antik-Laden ziehen alle die Einweg-Nadeln vor. Die gibt’s allerdings nur im Szene-Fachhandel der Schellack-Fans. Und Nachschub ist in Deutschland schwer zu bekommen.

O-Ton 24 (Norbert Noritz)
Das sind alles alte Bestände, aber es gibt seit Jahren keine leisen Nadeln mehr. Die waren weg vom Markt, einfach weg. Und dann habe ich einen alten Herrn kennen gelernt aus Schwabach. Und in Schwabach waren damals alle Nadelfabriken. So, diesen Herrn habe ich gefragt, es gibt doch noch einen Hersteller. Ja, aber die stellen heute Nadeln her für die Industrie. Und da hat er gefragt und da haben die gesagt, ja, 50 000 Stück würden sie es herstellen für mich. Und der Preis war okay. Dann habe ich 50000 Stück herstellen lassen. Habe dann auch noch das Glück gehabt, so schöne Plastikschachteln, auch original aus der Zeit zu bekommen, habe ich dann auch noch mal 400 Stück bekommen. Und so packe ich die jetzt ab mit 250 Stück. Und die Sammler sind froh, dass wieder leise Nadeln da sind, dass ich jetzt noch mal 50 000 hab machen lassen.

Musik 10

Die zerbrochene Schallplatte,
            auf: Siegfried Arno „Ich bin so scharf auf Erika“
            Musant 005/ 1997, keine Industrie-Nr., keinen LC

Die zerbrochene Schallplatte von Siegfried Arno aus dem Jahre 1930.

Das war für heute die Musikszene, dieses Mal aus Hamburg. Wenn Sie Kontakt aufnehmen möchten mit den Sammlern um Musik Antik am Weidenstieg oder sich für ihre CD’s interessieren, sie finden die Adresse im Internet: 

www.musik-antik-records.de .

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag.

Am Mikrofon verabschiedet sich Heinz-Peter Katlewski.

Musik 11

Wilhelm Tell,
            auf: Paul O’Montis „Ich bin verrückt nach Hilde“
            Musant 002/ 1997, keine Industrie-Nr., keinen LC


Teil 5 (von 5)

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