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Only in America - Nur in Amerika
Von der Freiheit der Juden in der Neuen Welt und der Entwicklung einer 
amerikanisch-jüdischen Kunstmusik


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2004. 


Übersetzungen
von O-Tönen (Zitaten)  berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder. 


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für Deutsche Welle - Radio - Thema/Musik
Montag, 5. Januar 2004, 16:40 – 17:00 Uhr UTC

Teil 1 (von 4)

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Vor 350 Jahren landete eine Gruppe von Juden im Hafen der damals niederländischen Kolonie Neu Amsterdam - heute New York. Sie gründeten die erste jüdische Gemeinde in der Neuen Welt. Das war der Auftakt zur Entwicklung einer vielfältigen amerikanisch-jüdischen Kultur. Heute sammelt das Milken-Archive für amerikanische jüdische Musik - eine private Stiftung mit Sitz im kalifornischen Santa Monica -  nicht nur religiöse, sondern auch säkulare jüdische Musik, dokumentiert sie und wird sie in den nächsten zwei Jahren auf rund 50 CDs veröffentlichen. Musikfestival und Konferenz "Only in America" in New York zeigten die ganze Bandbreite jüdischer Musik. Heinz-Peter Katlewski schildert seine Eindrücke von diesem Musikfest. 


Musik 1 a

Mizomor L’David (Psalm 29),
            auf: Jewish Voices in the New World –
            Chants and Prayers from the American Colonial Era,
            NAXOS 8.559411, LC 05537

((nach ca. 23 Sekunden absenken, stehen lassen))

So ähnlich dürfte das Psalmodieren am Schabbat vor 350 Jahren in New York geklungen haben. Vielleicht nicht ganz so kunstvoll. 1654 landete eine erste Gruppe von Juden aus dem brasilianischen Recife im Hafen der damals niederländischen Kolonie Neu-Amsterdam an. Diese Einwanderer gründeten die erste Jüdische Gemeinde in der Neuen Welt. Das war der Auftakt zur Entwicklung einer vielfältigen amerikanisch-jüdischen Kultur.

((wieder aufblenden))

Musik 1 b

Mizomor L’David (Psalm 29),
            auf: Jewish Voices in the New World –
            Chants and Prayers from the American Colonial Era,
            NAXOS 8.559411, LC 05537

((nach ca. 6 Sekunden langsam rausziehen))

Es waren Sepharden, Juden von der iberischen Halbinsel. Abertausende von ihnen waren als Nichtchristen wenige Jahrzehnte zuvor aus Spanien und Portugal vertrieben worden. Vielen von ihnen suchten in den Niederlanden oder ihren Kolonien Zuflucht, so auch im damals holländischen Recife. Zuerst suchten sie in der damals niederländischen Kolonie Recife Zuflucht. Als die aber 1654 an Portugal zurückfiel wurde die Inquisition wieder eingeführt, und für Juden war kein Bleiben mehr. Ihr nächstes Ziel wurde Neu-Amsterdam, das heutige New York. Ihr erstes soziales und religiöses Zentrum wurde die Spanisch-Portugiesische Synagoge. Es gibt sie noch immer. Wie man dort vor 50 Jahren den wöchentlichen Festtag, den Schabbat, begrüßte, das ist auf Tonträgern bereits dokumentiert.

((ab "Spanisch-Portugiesische Synagoge" unterlegen, danach hochziehen))

Musik 2

Lekhah Dodi,
auf: Songs for the Sabbath – Historic Music of the
Spanish and Portuguese Synagogue in the City of New York Vol.1,
Shearith Israel League, New York (sil@sailtd.com)

((nach 11 Sekunden zügig rausziehen))

Rund 50 CDs sollen in den nächsten zwei Jahren demonstrieren, was sich in Amerika seitdem an jüdisch inspirierter Musik entwickelt hat. Es handelt sich keinesfalls nur um religiöse, sondern etwa zur Hälfte auch um säkulare Kompositionen. Vieles davon war bislang nicht auf Tonträgern erhältlich. Verantwortlich dafür ist eine private Stiftung: das „Milken-Archive of American Jewish Music“ in Los Angeles. Künstlerischer Direktor ist der Musikhistoriker und Professor am Jüdisch-Theologischen Seminar von New York, Neil Levin:

O-Ton 1  (Prof. Dr. Neil Levin, Milken Archive + JTS, New York)
The Milken Archive of American Jewish Music is a project to document, to collect and to disseminate to the general public throughout the world as well as to professionals, to everybody, the cultural legacy and living traditions of Jewish music of the American experience. 0:25

Das Milken Archiv für amerikanische jüdische Musik ist ein Projekt, das nicht nur dokumentiert und sammelt. Diese Musik soll auch weltweit einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, der professionellen Öffentlichkeit ebenso wie den Musikfreunden. Wir wollen zeigen: das sind das kulturelle Vermächtnis und die lebendigen Traditionen jüdischer Musik in Amerika.

Musik hat in der amerikanisch-jüdischen Geschichte von Anfang an eine große Rolle gespielt. Zuerst vor allem als Musik der Synagoge. Während in anderen Kolonien die neugegründeten jüdischen Gemeinden vorzugsweise Rabbiner einstellten, wollten die wenigen Kongregationen der ersten Einwandererwelle zuallererst Kantoren haben. Die waren damals nicht nur billiger! Die Rabbiner hätten sich als religionsgesetzliche Autoritäten in das Leben der Menschen eingemischt. Und die suchten das in der Freiheit der neuen Welt zunächst zu vermeiden. Die Kantoren dagegen konnten ihnen ihre religiös-kulturelle Tradition vermitteln, ein Stück Identität, auf das sie nicht verzichten wollten.

Musik 3

Levitikus 23:33-44 (Torah Reading),
auf: Jewish Voices in the New World –
Chants and Prayers from the American Colonial Era,
NAXOS 8.559411, LC 05537

((nach 10 Sekunden zügig rausziehen))

Für die Tora-Lesung ist kein Rabbiner nötig. Man muss den hebräischen Text lesen können und die dazu gehörigen Kantillationstropen beherrschen. Sie werden – so wird gesagt – schon seit der Antike von einer Generation an die nächste weitergegeben. Das gleiche gilt für die uralten Melodien der Gebete. Professor Neil Levin: 

O-Ton 2 (Prof. Dr. Neil Levin, Milken Archive + JTS, New York)
The primary identifying feature and identifying factor of Jewishness of colonial Jewry was their music in the synagogue. Since that time we've grown to have a secular Jew-ish music culture of many varieties, liturgical Jewish music cultures of many varieties and it is no false chauvinism to assert, that in no society, in no country has there been such a variety and such a depths in many respects of Jewish musical activity.

Die Musik der Synagoge war für Juden während der Kolonialära das wichtigste Mittel und der wichtigste Faktor für ihre Identität als Juden. Seit dieser Zeit hat sich jüdische Musik allerdings grundlegend weiterentwickelt. Heute haben wir sowohl eine breite säkulare Musikkultur als auch ein breites Spektrum an Kulturen für die liturgische Musik der Synagoge. Und es ist deshalb nicht etwa chauvinistisch, wenn man feststellt, dass es in keiner anderen Gesellschaft und in keinem anderen Land je eine solche Vielfalt und Tiefe aktiven jüdischen Musizierens gegeben hat.


Teil 1 (von 4)

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