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Vor
350 Jahren landete eine Gruppe von Juden im Hafen der damals
niederländischen Kolonie Neu Amsterdam - heute New York. Sie gründeten
die erste jüdische Gemeinde in der Neuen Welt. Das war der Auftakt zur
Entwicklung einer vielfältigen amerikanisch-jüdischen Kultur. Heute
sammelt das Milken-Archive für amerikanische jüdische Musik - eine
private Stiftung mit Sitz im kalifornischen Santa Monica -
nicht nur religiöse, sondern auch säkulare jüdische Musik, dokumentiert
sie und wird sie in den nächsten zwei Jahren auf rund 50 CDs veröffentlichen.
Musikfestival und Konferenz "Only in America" in New York zeigten
die ganze Bandbreite jüdischer Musik. Heinz-Peter Katlewski schildert
seine Eindrücke von diesem Musikfest. |
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Musik
1 a
Mizomor
L’David (Psalm 29),
auf:
Jewish Voices in the New World –
Chants and Prayers from the American Colonial Era,
NAXOS 8.559411, LC 05537
((nach
ca. 23 Sekunden absenken, stehen lassen)) |
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So
ähnlich dürfte das Psalmodieren am Schabbat vor 350 Jahren in
New York geklungen haben. Vielleicht nicht ganz so kunstvoll. 1654
landete eine erste Gruppe von Juden aus dem brasilianischen Recife
im Hafen der damals niederländischen Kolonie Neu-Amsterdam an.
Diese Einwanderer gründeten die erste Jüdische Gemeinde in der
Neuen Welt. Das war der Auftakt zur Entwicklung einer vielfältigen
amerikanisch-jüdischen Kultur.
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((wieder
aufblenden))
Musik
1 b
Mizomor
L’David (Psalm 29),
auf:
Jewish Voices in the New World –
Chants and Prayers from the American Colonial Era,
NAXOS 8.559411, LC 05537
((nach
ca. 6 Sekunden langsam rausziehen)) |
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Es
waren Sepharden, Juden von der iberischen Halbinsel. Abertausende von
ihnen waren als Nichtchristen wenige Jahrzehnte zuvor aus Spanien und
Portugal vertrieben worden. Vielen von ihnen suchten in den Niederlanden
oder ihren Kolonien Zuflucht, so auch im damals holländischen Recife.
Zuerst suchten sie in der damals niederländischen Kolonie Recife
Zuflucht. Als die aber 1654 an Portugal zurückfiel wurde die Inquisition
wieder eingeführt, und für Juden war kein Bleiben mehr. Ihr nächstes
Ziel wurde Neu-Amsterdam, das heutige New York. Ihr erstes soziales und
religiöses Zentrum wurde die Spanisch-Portugiesische Synagoge. Es
gibt sie noch immer. Wie man dort vor 50 Jahren den wöchentlichen
Festtag, den Schabbat, begrüßte, das ist auf Tonträgern bereits
dokumentiert.
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((ab
"Spanisch-Portugiesische Synagoge" unterlegen, danach
hochziehen))
Musik 2
Lekhah
Dodi,
auf: Songs for the Sabbath – Historic Music of the
Spanish and Portuguese Synagogue in the City of New York Vol.1,
Shearith Israel League, New York (sil@sailtd.com)
((nach 11
Sekunden zügig rausziehen)) |
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Rund
50 CDs sollen in den nächsten zwei Jahren demonstrieren, was sich
in Amerika seitdem an jüdisch inspirierter Musik entwickelt hat.
Es handelt sich keinesfalls nur um religiöse, sondern etwa zur Hälfte
auch um säkulare Kompositionen. Vieles davon war bislang nicht
auf Tonträgern erhältlich. Verantwortlich dafür ist eine
private Stiftung: das „Milken-Archive of American Jewish
Music“ in Los Angeles. Künstlerischer Direktor ist der
Musikhistoriker und Professor am Jüdisch-Theologischen Seminar
von New York, Neil Levin: |
O-Ton
1
(Prof. Dr. Neil Levin, Milken
Archive + JTS, New York)
The Milken
Archive of American Jewish Music is a project to document, to
collect and to disseminate to the general public throughout the
world as well as to professionals, to everybody, the cultural
legacy and living traditions of Jewish music of the American
experience. 0:25
Das Milken
Archiv für amerikanische jüdische Musik ist ein Projekt, das
nicht nur dokumentiert und sammelt. Diese Musik soll auch weltweit
einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, der
professionellen Öffentlichkeit ebenso wie den Musikfreunden. Wir
wollen zeigen: das sind das kulturelle Vermächtnis und die
lebendigen Traditionen jüdischer Musik in Amerika. |
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Musik
hat in der amerikanisch-jüdischen Geschichte von Anfang an eine
große Rolle gespielt. Zuerst vor allem als Musik der Synagoge. Während
in anderen Kolonien die neugegründeten jüdischen Gemeinden
vorzugsweise Rabbiner einstellten, wollten die wenigen
Kongregationen der ersten Einwandererwelle zuallererst Kantoren
haben. Die waren damals nicht nur billiger! Die Rabbiner hätten
sich als religionsgesetzliche Autoritäten in das Leben der
Menschen eingemischt. Und die suchten das in der Freiheit der
neuen Welt zunächst zu vermeiden. Die Kantoren dagegen konnten
ihnen ihre religiös-kulturelle Tradition vermitteln, ein Stück
Identität, auf das sie nicht verzichten wollten.
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Musik 3
Levitikus
23:33-44 (Torah Reading),
auf: Jewish Voices in the New World –
Chants and Prayers from the American Colonial Era,
NAXOS 8.559411, LC 05537
((nach 10
Sekunden zügig rausziehen))
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Für
die Tora-Lesung ist kein Rabbiner nötig. Man muss den hebräischen
Text lesen können und die dazu gehörigen Kantillationstropen
beherrschen. Sie werden – so wird gesagt – schon seit der
Antike von einer Generation an die nächste weitergegeben. Das
gleiche gilt für die uralten Melodien der Gebete. Professor
Neil Levin:
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O-Ton
2 (Prof. Dr. Neil Levin, Milken Archive + JTS, New York)
The primary identifying feature and identifying factor of
Jewishness of colonial Jewry was their music in the synagogue.
Since that time we've grown to have a secular Jew-ish music
culture of many varieties, liturgical Jewish music cultures of
many varieties and it is no false chauvinism to assert, that in no
society, in no country has there been such a variety and such a
depths in many respects of Jewish musical activity.
Die
Musik der Synagoge war für Juden während der Kolonialära das
wichtigste Mittel und der wichtigste Faktor für ihre Identität
als Juden. Seit dieser Zeit hat sich jüdische Musik allerdings
grundlegend weiterentwickelt. Heute haben wir sowohl eine breite
säkulare Musikkultur als auch ein breites Spektrum an Kulturen
für die liturgische Musik der Synagoge. Und es ist deshalb nicht
etwa chauvinistisch, wenn man feststellt, dass es in keiner
anderen Gesellschaft und in keinem anderen Land je eine solche
Vielfalt und Tiefe aktiven jüdischen Musizierens gegeben hat.
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