|
Einflüsse
kamen aus vielen Ländern. Die spanisch-portugiesische,
also sephardische Tradition brachte den Chorgesang in die
jüdischen Gebetshäuser. Die osteuropäischen Aschkenasim
machten den unbegleiteten Kantorengesang populär. Und
auch aus Deutschland kamen starke kulturelle Impulse, die
bis heute weiterwirken. Dazu der Musikethnologe Mark
Slobin von der Wesleyan University: |
O-Ton 3
(Prof. Dr. Mark Slobin, Wesleyan University)
The German immigration is extremely important in the
Middle of 19th century, and really changes the history of
American Jewish music at that point, because the German
who are wide with the ideas of reformed Judaism, had a
chance to really impact the very small population . There
were only 3000 Jews at the time of American revolution, by
1880 there were a quarter of a million Jews, and most of
those were Germans.
Die
deutsche Immigration war sehr wichtig in der Mitte des 19.
Jahrhunderts. Um diese Zeit änderte das fundamental die
Geschichte amerikanisch-jüdischer Musik. Die Deutschen
kamen aus dem Reformjudentum, und so hatten sie ei-nen
großen Einfluss auf die damals sehr kleine Bevölkerung.
Es gab nur 3000 Juden um die Zeit der amerikanischen
Revolution. Um 1880 waren es etwas 250 000, und die
meisten waren Deutsche. |
|
|
Sie
brachten einen liturgisch gestrafften und ästhetisch
ausgerichteten Gottesdienst mit. Mit ihnen kam nicht nur die Orgel
in die Synagogen, jetzt begleiteten in großen Teilen des
amerikanischen Judentums Musikinstrumente die Liturgie. Vorbild
dafür war einmal die Gottesdienstkultur des deutschen
Protestantismus.
|
|
((3
Sekunden Vorspiel unterlegen, dann aufblenden))
Musik
4
“S’u
Sh’arim” von Louis Lewandowski,
auf: Celebrating the Past and Present of the
School of Sacred Music – Hebrew Union College New York,
HUC-JIR 1999, Industrie-Nr. 6 60355 06172 1, kein LC
((nach 22
Sekunden absenken und ausblenden)) |
|
Die
Kompositionen von Salomon Sulzer und Louis Lewandowski kann man in
Deutschland heute eher in Kirchen als Konzertdarbietungen erleben als in
einem Synagogen-Gottesdienst. In den großen nordamerikanischen Tempeln
dagegen sind sie nach wie vor sehr präsent. Mittlerweile sind aber auch
Werke amerikanischer Künstler zu hören. Dass ist vor allem Musikern,
Komponisten und Kantoren zu verdanken, die in den dreißiger Jahren aus
Deutschland und Österreich in die USA geflohen sind. Viele von ihnen
schlossen sich dem Reformjudentum oder konservativen Kongregationen an, übernahmen
Jobs als Synagogenmusiker, und zuweilen komponierten sie auch für die
Gottesdienstliturgie. Der 1919 in Leipzig geborene und 2001 in Washington
DC verstorbene Komponist Herman Berlinski arbeitete zunächst als
Hilfsorganist am berühmten, von deutschen Juden gegründeten Temple
Emanuel von New York. Zu seinen Kompositionen gehört auch ein Schabbat-Gottesdienst
und darin diese Version des jüdischen Glaubensbekenntnisses, „Sch’ma
Yisrael“: Höre Israel.
|
((9
Sekunden Vorspiel unterlegen, dann aufblenden))
Musik
5
Herman
Berlinski „Sh’ma Yisrael (Avodat Shabbat)
Robert Brubaker, Ernst Senff Choir +Rundfunksymphoniorchester
Berlin,
auf: Only in America – A Commemorative Souvenir Recording
oft he International Conference-Festival
Excerpte aus der NAXOS Serie des Milken-Archives
LC 05537
((nach
0:40 Sekunden absenken und ausblenden)) |
|
Solche
große Kompositionskunst ist heute freilich nicht mehr
unumstritten. Auch das hatte einen Anfang Ende der dreißiger
Jahre, weiß Judah Cohen, Musikwissenschaftler von der New York
University. |
O-Ton
4 (Interview Dr, Judah Cohen, New York University)
In the 1930s a number of people came over to the United States
from Germany, they were rabbinic students, and they wanted to do
things similar to the way did things in Germany. And this included
a lot of the Kinderwandern, a lot of youth-group type of
experience. They came over and wanted to start something similar
in the United States.
In
den dreißiger Jahren kamen viele Menschen aus Deutschland in die
USA, darunter eine Reihe von Rabbinerstudenten. Und die wollten
alles so machen wie zuvor in Deutschland. Dazu gehörte ihre
Erfahrung mit der Jugendbewegung, vor allem mit den jüdischen
Jugendbünden. So etwas ähnliches wollten sie auch in den
Vereinigten Staaten aufziehen. |
|
Judah
Cohen beschäftigt sich u.a. mit einer Bewegung innerhalb des
Reformjudentums, die nur die Synagogalmusik der orthodoxen
Gemeinden unangetastet gelassen hat. Die große Mehrheit der
konservativen und der Reformgemeinden in den USA hat sich durch
diesen Einfluss fundamental verändert: das Camp Movement – auf
deutsch: die Jugendlagerbewegung. Das erste Camp fand bereits 1939
statt, aber Lieder spielten damals noch keine wichtige Rolle. Doch
seit Anfang der fünfziger Jahre hat unüberhörbar die Gitarre
Einzug gehalten. Die Folkbewegung der 60er Jahre hat das noch
verstärkt. Die Klampfe macht auch vor großen jüdischen Gebeten
nicht halt, auch nicht vor einem solchen Hauptgebet wie dem Sch'ma
Israel:
|
|
((etwa 10 Sek.
vorher unterlegen und später reingehen))
Musik
6
Sh’ma,
auf: Shir L’Yom Chadash – A Song for a New Day
UAHC / URJ Camp Newman and Camp Swig
1-800-9-Sound-9, ohne LC
((bei 0:27
absenken und ausblenden))
|
|
|
O-Ton 5 (Interview Dr.
Judah Cohen, New York University)
The first summer camp, that was established in Wisconsin, north of
Chicago. And it was really through that Chicago region and through
these rabbis that were trained in Cincinnati and came over from
Germany, that this whole song leading movement really got started.
After that, then songleading became a very important part of the
camp experience.
Das
erste etablierte Sommerlager wurde in Wisconsin nördlich von
Chicago eingerichtet. Also nicht in New York, wie sonst alles im
amerikanischen Judentum. Und begonnen hat es mit diesen Rabbinern
aus Deutschland, die in Cincinnati am Hebrew Union College ihre
Ausbildung abgeschlossen hatten. Und von da an wurde Songleading,
das Singen von Gemeinschaftsliedern ein wichtiger Teil des
Lagererlebnisses.
|
|