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Only in America - Nur in Amerika
Von der Freiheit der Juden in der Neuen Welt und der Entwicklung einer 
amerikanisch-jüdischen Kunstmusik


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2004. 


Übersetzungen
von O-Tönen (Zitaten)  berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder. 



für Deutsche Welle - Radio - Thema/Musik
Montag, 5. Januar 2004, 16:40 – 17:00 Uhr UTC

Teil 2 (von 4)

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Einflüsse kamen aus vielen Ländern. Die spanisch-portugiesische, also sephardische Tradition brachte den Chorgesang in die jüdischen Gebetshäuser. Die osteuropäischen Aschkenasim machten den unbegleiteten Kantorengesang populär. Und auch aus Deutschland kamen starke kulturelle Impulse, die bis heute weiterwirken. Dazu der Musikethnologe Mark Slobin von der Wesleyan University:

O-Ton 3 (Prof. Dr. Mark Slobin, Wesleyan University)
The German immigration is extremely important in the Middle of 19th century, and really changes the history of American Jewish music at that point, because the German who are wide with the ideas of reformed Judaism, had a chance to really impact the very small population . There were only 3000 Jews at the time of American revolution, by 1880 there were a quarter of a million Jews, and most of those were Germans.

Die deutsche Immigration war sehr wichtig in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Um diese Zeit änderte das fundamental die Geschichte amerikanisch-jüdischer Musik. Die Deutschen kamen aus dem Reformjudentum, und so hatten sie ei-nen großen Einfluss auf die damals sehr kleine Bevölkerung. Es gab nur 3000 Juden um die Zeit der amerikanischen Revolution. Um 1880 waren es etwas 250 000, und die meisten waren Deutsche.

Sie brachten einen liturgisch gestrafften und ästhetisch ausgerichteten Gottesdienst mit. Mit ihnen kam nicht nur die Orgel in die Synagogen, jetzt begleiteten in großen Teilen des amerikanischen Judentums Musikinstrumente die Liturgie. Vorbild dafür war einmal die Gottesdienstkultur des deutschen Protestantismus.

((3 Sekunden Vorspiel unterlegen, dann aufblenden))

Musik 4

“S’u Sh’arim” von Louis Lewandowski,
auf: Celebrating the Past and Present of the
School of Sacred Music – Hebrew Union College New York,
HUC-JIR 1999, Industrie-Nr. 6 60355 06172 1, kein LC

((nach 22 Sekunden absenken und ausblenden))

Die Kompositionen von Salomon Sulzer und Louis Lewandowski kann man in Deutschland heute eher in Kirchen als Konzertdarbietungen erleben als in einem Synagogen-Gottesdienst. In den großen nordamerikanischen Tempeln dagegen sind sie nach wie vor sehr präsent. Mittlerweile sind aber auch Werke amerikanischer Künstler zu hören. Dass ist vor allem Musikern, Komponisten und Kantoren zu verdanken, die in den dreißiger Jahren aus Deutschland und Österreich in die USA geflohen sind. Viele von ihnen schlossen sich dem Reformjudentum oder konservativen Kongregationen an, übernahmen Jobs als Synagogenmusiker, und zuweilen komponierten sie auch für die Gottesdienstliturgie. Der 1919 in Leipzig geborene und 2001 in Washington DC verstorbene Komponist Herman Berlinski arbeitete zunächst als Hilfsorganist am berühmten, von deutschen Juden gegründeten Temple Emanuel von New York. Zu seinen Kompositionen gehört auch ein Schabbat-Gottesdienst und darin diese Version des jüdischen Glaubensbekenntnisses, „Sch’ma Yisrael“: Höre Israel.

((9 Sekunden Vorspiel unterlegen, dann aufblenden))

Musik 5

Herman Berlinski „Sh’ma Yisrael (Avodat Shabbat)
Robert Brubaker, Ernst Senff Choir +Rundfunksymphoniorchester Berlin,
auf: Only in America – A Commemorative Souvenir Recording
oft he International Conference-Festival
Excerpte aus der NAXOS Serie des Milken-Archives
LC 05537

((nach 0:40 Sekunden absenken und ausblenden))

Solche große Kompositionskunst ist heute freilich nicht mehr unumstritten. Auch das hatte einen Anfang Ende der dreißiger Jahre, weiß Judah Cohen, Musikwissenschaftler von der New York University.

O-Ton 4 (Interview Dr, Judah Cohen, New York University)
In the 1930s a number of people came over to the United States from Germany, they were rabbinic students, and they wanted to do things similar to the way did things in Germany. And this included a lot of the Kinderwandern, a lot of youth-group type of experience. They came over and wanted to start something similar in the United States.

In den dreißiger Jahren kamen viele Menschen aus Deutschland in die USA, darunter eine Reihe von Rabbinerstudenten. Und die wollten alles so machen wie zuvor in Deutschland. Dazu gehörte ihre Erfahrung mit der Jugendbewegung, vor allem mit den jüdischen Jugendbünden. So etwas ähnliches wollten sie auch in den Vereinigten Staaten aufziehen.

Judah Cohen beschäftigt sich u.a. mit einer Bewegung innerhalb des Reformjudentums, die nur die Synagogalmusik der orthodoxen Gemeinden unangetastet gelassen hat. Die große Mehrheit der konservativen und der Reformgemeinden in den USA hat sich durch diesen Einfluss fundamental verändert: das Camp Movement – auf deutsch: die Jugendlagerbewegung. Das erste Camp fand bereits 1939 statt, aber Lieder spielten damals noch keine wichtige Rolle. Doch seit Anfang der fünfziger Jahre hat unüberhörbar die Gitarre Einzug gehalten. Die Folkbewegung der 60er Jahre hat das noch verstärkt. Die Klampfe macht auch vor großen jüdischen Gebeten nicht halt, auch nicht vor einem solchen Hauptgebet wie dem Sch'ma Israel:

((etwa 10 Sek. vorher unterlegen und später reingehen))

Musik 6

Sh’ma,
auf: Shir L’Yom Chadash – A Song for a New Day
UAHC / URJ Camp Newman and Camp Swig
1-800-9-Sound-9, ohne LC

((bei 0:27 absenken und ausblenden))

O-Ton 5 (Interview Dr. Judah Cohen, New York University)
The first summer camp, that was established in Wisconsin, north of Chicago. And it was really through that Chicago region and through these rabbis that were trained in Cincinnati and came over from Germany, that this whole song leading movement really got started. After that, then songleading became a very important part of the camp experience.

Das erste etablierte Sommerlager wurde in Wisconsin nördlich von Chicago eingerichtet. Also nicht in New York, wie sonst alles im amerikanischen Judentum. Und begonnen hat es mit diesen Rabbinern aus Deutschland, die in Cincinnati am Hebrew Union College ihre Ausbildung abgeschlossen hatten. Und von da an wurde Songleading, das Singen von Gemeinschaftsliedern ein wichtiger Teil des Lagererlebnisses.


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