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Only
in America - Nur in Amerika
Von
der Freiheit der Juden in der Neuen Welt und der Entwicklung einer
amerikanisch-jüdischen Kunstmusik
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©
für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2004.
Übersetzungen
von O-Tönen
(Zitaten) berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren
Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den
englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder.
Hyperlinks
sollten aktuell sein. Bei fehlerhaften oder toten
URLs bitte ich um ein kurzes E-Mail mit Hinweis auf die
entsprechende Seite und den Link. Danke. |
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für
Deutsche Welle - Radio - Thema/Musik
Montag,
5. Januar 2004, 16:40 – 17:00 Uhr UTC |
| Teil
3 (von 4) |

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Viele
Rabbiner in Amerika sind in der jüdischen Jugendbewegung
aufgewachsen. Im Sommer fuhren sie zu Zeltlagern und
erlebten dort gemeinsam gottesdienstliche Feiern am
Lagerfeuer. Sie lernten religiöse Folksongs, und diese
Erfahrung bedeutete ihnen alles. Manche wurden deshalb
Rabbiner. Sie wollten eine Bewegung begründen, die
informell und intim ist, so wie am Lagerfeuer. Und da schien
vielen von ihnen einfache Musik am besten geeignet zu sein.
Lieder,
die leicht zugänglich sind und bei denen man
mitklatschen kann. Und so wollten viele von ihnen
auch die Gottesdienste. Auch der Komponist Michael Isaacson
war in seiner Jugend auf solchen Lagern. Dort begann er,
Lieder zu schreiben und
Musik zu machen. Danach hat er allerdings Musik und
Komposition studiert und gehört nun zu den heftigsten
Kritikern solcher Tendenzen:
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O-Ton 6 (Interview
Dr. Michael Isaacson, Los Angeles)
Its fine to be an adolescent when you are an adolescent. But
it is regressive to be an adolescent when you are an adult.
And I think, that could happen to our Jewish music today. We
have people who are nostalgic for the good old days of their
youth, and instead of embracing all over the complexity and
fascination of adult music they are taking refuge in the
camp-setting, you know, in the woods by the fire of those
camp songs. And as a consequence, many of the serious
composers and many of the can-tors who have done more
sophisticated music are wheeling, they are just beside
themselves, because they see that pretty soon they will be
irrelevant .
Es
ist schön, ein Jugendlicher zu sein, wenn man ein
Jugendlicher ist. Aber es ist kindisch, sich jugendlich zu
verhalten, wenn man erwachsen ist. Und ich denke, das
könnte unserer jüdischen Musik heute widerfahren. Bei uns
gibt es Leute, die sich nach den guten alten Zeiten ihrer
Jugend sehnen und statt die Komplexität und den Reiz
erwachsener Musik anzunehmen, flüchten sie in die
Lagersphäre, in die Wälder zu den Feuern dieser
Lagerlieder. Die Folge ist, dass viele der seriösen
Komponisten und viele der Kantoren unsicher herumeiern; sie
stehen neben sich selbst und fürchten, dass sie ziemlich
bald irrelevant sein könnten.
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Michael
Isaacson hat sich bei seinen eigenen Kompositionen gegen den
früher üblichen Stil der Kantate oder der Opernarie
entschieden und setzt stattdessen auf die Klangfarben des
populären Musiktheaters, des Musicals. Ein Ausschnitt aus
der Liedkomposition zum jüdischen Lichterfest Chanukka
„Aspekte eines großen Wunders“: Aspects of a great
miracle:
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Musik 7
Light in the
Legend,
aus: Michael Isaacson „Aspects of a Great Miracle“
auf: A Hanukka Celebration
NAXOS 6 36943 94102 7, LC 05537
((nach 0:26 Sekunden absenken
und in den O-Ton ausblenden)) |
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O-Ton
7 (Interview Dr. Michael Isaacson, Los Angeles)
What I do as a survival strategy is, my music is very
melodic. I know that on a certain level people only hear
melody. So, I make sure to give them that. And than I try
to satisfy my own soul as a composer by arranging and
dressing up those melodies in a garb that is more
sophisticated. And I also, for example, when I write a
sacred ser-vice, I make sure that the beginning of the
service and the end of the service has nice tunes for
everyone to sing. Because most people are capable for
beginnings and end-ings and not in the middle. So, when I
do compose a sophisticated or self-expressive peace, it is
usually in the middle of the service. You learn these
tricks as a composer, but I am always walking a tight robe
between my own self-expression and catering to an audience
that is much less educated then they were thirty years ago.
Meine
Überlebensstrategie ist, sehr melodische Musik zu
schreiben. Ich weiß, dass Menschen zuweilen nur Melodien
hören. Also stelle ich sicher, dass sie damit bedient
werden. Und dann versuche ich meine eigene Seele als Komponisten
damit zu befriedigen, dass ich diese Melodien arrangiere
und so in ein Gewand kleide, dass sie etwas
anspruchsvoller klingen. Oder wenn ich zum Beispiel einen
Gottesdienst komponiere, dann achte ich darauf, dass am Anfang
und am Ende schöne Melodien stehen, die jeder mitsingen
kann. Denn die meisten Menschen sind imstande, sich auf
Anfang und Ende einzulassen, nicht aber auf die Mitte.
Wenn ich also etwas schreibe, dann setze ich die schwierigen
Stücke immer in die Mitte des Gottesdienstes. Solche
Tricks lernt man als Komponist, aber es immer ein schmaler
Grad zwischen meinem künstlerischen Ausdruck und der
Belieferung eines Publikums mit Musik, dass sehr viel weniger
gebildet ist als es noch vor dreißig Jahren war. |
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Diese
Klage des Komponisten meint freilich nicht nur die Besucher der Synagoge,
sondern einen allgemeinen Trend, der auch die Kirchen und die gesamte
amerikanische Gesellschaft erfasst habe. Man könnte natürlich auch nur
einen Wandel des musikalischen Geschmacks feststellen, so wie er sich in
den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor – ebenfalls zum Schrecken vieler
Zeitgenossen – ereignet hat.
Was
jüdische Komponisten in den Vereinigten Staaten von denen in anderen
Ländern der Welt unterscheidet, ist, dass sie – ähnlich wie
christliche zuvor in Europa – auch säkulare Musik zu religiösen
Motiven geschrieben haben. In Europa ist das nur vereinzelt geschehen, und
die musikinteressierte Öffentlichkeit hat diese Werke kaum wahrgenommen.
Eine breite öffentliche Wertschätzung solcher Kompositionen gab und gibt
es nur in Amerika. Leonard Bernstein hat mit seinem „Jüdischen
Vermächtnis“ - „A Jewish Legacy“ – nur ein prominentes Beispiel
gegeben:
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((vorher etwas
unterlegen, bei 0:02 freistehend))
Musik
8
Simchu
Na,
auf Leonard Bernstein: A Jewish Legacy
Naxos 8.559407, LC 05537
((bei 0:32
ausblenden)) |
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| Teil
3 (von 4) |

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