zur Übersicht "Schwerpunkt Musik"

AUTOR
TITEL


Für Inhalte und Verlässlichkeit von  externen Webseiten übernehme ich keine Verantwortung!

Noten bei Notenbuch.de

 

 

Only in America - Nur in Amerika
Von der Freiheit der Juden in der Neuen Welt und der Entwicklung einer 
amerikanisch-jüdischen Kunstmusik


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2004. 


Übersetzungen
von O-Tönen (Zitaten)  berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder. 



für Deutsche Welle - Radio - Thema/Musik
Montag, 5. Januar 2004, 16:40 – 17:00 Uhr UTC

Teil 4 (von 4)

Zurück zu Teil 3

 


Die jüdische Reformbewegung hatte einst aus Deutschland eine klassisch geprägte Musik nach Amerika mitgebracht mit Chor, Gemeindegesang und Orgel-Begleitung. Als Ende des 19. Jahrhunderts rund zwei Millionen osteuropäische Juden in die USA einwanderten, kam eine neue Farbe jüdischer Kultur hinzu. Diese Gruppe kam vor allem aus dem Schtetl in Ostpolen, dem Westen des russischen Reiches und aus der Ukraine. Im Gottesdienst hingen diese Menschen an orthodoxen Formen; aber sie begeisterten sich für den Kantor als Solisten, den Chasan. Allenfalls unterstützt von einem Männerchor, bestritt er die Gottesdienstliturgie allein mit seiner ausdrucksstarken Stimme und seinen kunstvollen Improvisationen. Ab Ende des 19. bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein prägten osteuropäische Kantoren in den USA eine sog. Goldene Ära des Kantorengesangs. Josef „Yossele“ Rosenblatt – ursprünglich aus der Ukraine – war einer der herausragenden Vertreter dieser Tradition. Zu seiner Zeit war er ein Star. Von ihm stammen zahlreiche Vertonungen jüdischer Gebete, darunter auch dieses „Höre Israel“: Shomer Yisroel.

((bei 2:49 aufblenden))

Musik 9

Cantor Benzion Miller + Schola Hebraica,
singen Joseph Rosenblatt „Shomer Yisroel“
auf: Only in America – A Commemorative Souvenir Recording
oft he International Conference-Festival
Excerpte aus der NAXOS Serie des Milken-Archives
LC 05537

((etwa bei 3:22 ausblenden))

Auch für den Alltag hatten die osteuropäischen Einwanderer musikalische Traditionen mitgebracht, die sie im Schtetl entwickelt hatten: das Jiddische Theater, jüdische Volksmusik, Klezmer.

Dieses Material inspiriert heute wieder weltweit jüdische und nichtjüdische Künstler der populären Musik, in den USA aber sicher mit dem meisten Varianten. Manches davon ist kaum mehr als das nostalgische Spiel mit einer Kultur, die so jedenfalls nicht mehr existiert. In Amerika komponieren aber auch jüdische Komponisten für neue Musik mit Elementen des Klezmer. Der 1960 geborene Osvaldo Golijov lässt den Klarinettisten David Krakauer sein Instrument wie ein Schofar, ein Widderhorn in einer Rakete schmettern. So lautet jedenfalls der Titel: Rocketekya:

((bei ca. 2:26 aufblenden))

Musik 10

Osvaldo Golijov: Rocketekya,
auf: Klezmer Concertos and Encores
NAXOS 6 36943 94032 7, LC 05537

((nach ca. 2:58 rausziehen))

Klezmer, jüdische Gebetsmelodien, Kantillationstropen, aber auch ganz unabhängig von solchen Vorlagen - die überlieferten Texte der jüdischen Tradition, nicht zuletzt die der Bibel haben in Amerika mehr als anderen Orts jüdische Komponisten zu neuer Musik angeregt: zu säkularer, religiöser, populärer oder kunstvoller. Was davon jüdisch ist, was unjüdisch, was überhaupt identifizierbar jüdische Kennzeichen einer Musik sind, die sich nicht nur aus arabischer, spanischer, osteuropäischer oder deutscher Folklore speist, sondern auch aus der klassischen Musik Westeuropas, aus Lagerfeuergesängen, über Jahrhunderte überlieferten Gebetsmelodien und den Tropen der Tora-Kantillation, das bleibt offen. Auch der Klezmer-Experte, Professor Mark Slobin von der Wesleyan University weiß keine Antwort:

O-Ton 8 (Prof. Dr. Mark Slobin, Wesleyan University)
Nobody knows the answer to this question. Its debated endlessly and to no results. It’s a matter of definition. If it is done by somebody who was born from a Jewish fam-ily, then the people will claim, everything what that person is Jewish music. If it is done for a Jewish purpose, like a service, a liturgical purpose, than people call ist Jew-ish music even when it is written by Non-Jew. But if it stands for Jewish audiences who accept it as part of their legacy and their condition, that's another way to define Jewish music. There is absolutely no agreement what should be included in the ideal fo Jewish music.

Niemand hat die Antwort dafür. Das ist eine Frage der Definition. Wenn es jemand aus einer jüdischen Familie gemacht hat, werden manche Leute sagen, alles was diese Person geschrieben hat, ist jüdische Musik. Wenn es für einen jüdischen Anlass geschrieben wurde, einen Gottesdienst zum Beispiel, wird es von manchen jüdische Musik genannt, selbst es wenn ein Nichtjude geschrieben hat. Eine dritte Definition ist, wenn ein jüdisches Publikum die Musik als jüdisch akzeptiert, dann ist es jüdische Musik. Es gibt in der Frage keine Übereinstimmung welches das Ideal jüdischer Musik ist.

Wichtiger als die akademische Frage, was jüdische Musik ist, ist für Juden in Amerika, dass sie amerikanischen Ursprungs ist. Sie feiern 350 Jahre nach der ersten organisierten Einwanderung ihrer Glaubensbrüder in die neue Welt, dieses Land als das Land der Freiheit in dem sie erstmals als Gemeinschaft ungefährdet eine Vielfalt entwickeln konnten, die in der jüdischen Geschichte einmalig ist. Professor Neil Levin vom New Yorker Milken Archive:

O-Ton 9 (Rede Prof. Dr. Neil Levin, Milken Archive + JTS, New York)
I think they would be shocked beyond all belief, to imagine what the American Jewish community has become in all of its respects, but the diversity of musical culture that exists would ever have happened anywhere, let be on the wilderness shores of those days.

Ich denke, die ersten Siedler wären über alle Maßen geschockt gewesen, was aus der amerikanischen Jüdischen Gemeinschaft erwachsen ist in all ihren Facetten. Diese musikalische Verfalt, die wir heute erleben, hätte man sich nirgendwo vorstellen können, vor allem nicht an den Küsten dieser Wildnis, die sie hier vorfanden zu dieser Zeit.

Musik 11

Joseph Achron: The Golem 4,
auf: Introducing the World of American Jewish Music
NAXOS 6 36943 94032 4, LC 05537

((auf Schluss spielen))


Teil 4 (von 4)

Zurück zu Teil 3

 

Hier können Sie einen Blick in einige Kapitel des Buches werfen.

Zurück zur Eingangsseite "Was ist jüdische Musik ?"