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Track
6
1.
Leicht, zart,
aus: Arnold Schönberg – Sechs kleine
Klavierstücke, op.19
auf: CD 2 Karl Steiner – Ein später Pianist der Wiener
Schule
Österreichischer Musikrat / Wissenschaftszentrum Arnold
Schönberg
AUME, ohne Industrie-Nr., ohne LC |
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Mit
acht Jahren bringt Arnold Schönberg sich das Violine spielen bei
und schreibt bald erste kleinere Kompositionen. Als
Sechszehnjähriger – nach der Realschule – fängt er in einer
Wiener Privatbank an, um Bankbeamter zu werden. Er absolviert
seine Lehre, nebenbei aber komponiert er Lieder und Klavierstücke
und spielt das Cello im Amateurorchester „Polyhymnia“. Dessen
Dirigent ist der drei Jahre ältere studierte Komponist Alexander
von Zemlinsky. Schönberg freundet sich mit ihm an, zehn Jahre
später heiratet er sogar dessen Schwester Mathilde.
Zemlinsky
gibt Schönberg einige Hinweise zum Komponieren. Aber es ist ein
Geben und Nehmen. Schönberg ist sein eigener Lehrer. Als seine
Bank schließt, entscheidet er sich, künftig nur noch als Musiker
zu arbeiten. Er leitet einen Arbeiterchor, schreibt Konzerte für
Streicher, vertont Liedgedichte. 1901 geht er mit seiner eben
angetrauten Frau Mathilde nach Berlin und ist einige Monate lang
Kapellmeister an dem von Ernst von Wolzogen gegründeten „Bunten
Theater ÜBERBRETTL“, einer einflussreichen, aber kurzlebigen
Bühne für literarisches Kabarett. Danach kopiert er Partituren
für Richard Strauss und nimmt in Berlin ein Liszt-Stipendium des
Deutschen Allgemeinen Musikvereins in Anspruch und lehrt für
kurze Zeit am Sternschen Konservatorium. 1903 geht er zurück nach
Wien. Dort unterrichtet er Musik an der ambitionierten
Schwarzwaldschule und gibt nebenbei Privatkurse in Komposition.
Lehren
wird eine Leidenschaft von ihm und in Zukunft ein Standbein für
seine künstlerische Entwicklung. Zu seinen ersten Schülern
gehören Alban Berg und Anton Webern. Gemeinsam begründen sie die
zweite Wiener Schule. Am Ende seines Lebens schätzt Schönberg,
hatte er über 1000 Schüler. Christian Meyer, Direktor des
Arnold-Schönberg-Centers in Wien.
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7 (Dr. Christian Meyer, Schönberg-Center Wien)
Der Lehrer Arnold Schönberg ist eines der vielen Paradoxa
in Schönbergs Leben, denn er selbst war ja Autodidakt als
Komponist wie als Theoretiker. Er hat keine höhere Schule
besucht, er hat keine Musikuniversität besucht, er hatte
keine theoretische Ausbildung und ist doch einer der
größten Lehrer geworden mit ganz unterschiedlichen
Lehrern mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Da ist
einmal Berg und Webern. Da kann man vielleicht noch sagen,
gut, das geht in eine Richtung, und da kann man vielleicht
den Viktor Ullmann auch noch dazu geben, der auch ein
Komponist im Gefolge Schönbergs geworden ist. Aber schon
Hanns Eisler ist etwas ganz was anderes geworden. Der war
halt ein sozialistischer Komponist und hat das Komponieren
für ganz andere Dinge gebraucht wie Arnold Schönberg.
Aber auch Eisler hat bei Schönberg sein Handwerk gelernt,
hat wesentliche Dinge gelernt. Dann gab es Theodor Adorno,
der in eine ganz andere Richtung wieder gegangen ist, der
auch ständig diskutiert hat mit Schönberg, aber der auch
von Schönberg so fasziniert war und so geprägt wurde,
dass er – wie er schreibt über "Die Philosophie
der Neuen Musik" – gibt’s erst überhaupt nur
einen großen Teil über Schönberg, die Schönberg-Schule
und die Wiener Schule, und dann, in weiterer Folge noch
einen Teil über Strawinsky, den er in Amerika kennen
lernt. Aber so prägend ist das, was Schönberg macht und
so unterschiedlich sind die Schüler, die er
hervorbringt. Und bei Cage und Lou Harrison und bei
anderen amerikanischen Studenten ist es noch mal in ganz
andere Richtungen gegangen. Was Schönberg als Lehrer
auszeichnet ist, dass er auf die Schüler enorm eingeht,
und dass er den Schüler das gibt, was die Schüler
brauchen. Es ist keine Schönberg-Schule à la McDonalds
– jeden scheren wir über denselben Kamm und egal, wo
jemand herkommt und wo jemand hin will ist er nachher ein
guter Zwölfton-Komponist, sondern Schönberg entwickelt
das, was in den jungen Menschen drinnen steckt. Und das
ist ja – glaube ich – das höchste, was ein Lehrer
erreichen kann |
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Schüler
von Arnold Schönberg waren in der Regel des Lobes voll, wenn sie von
ihrem Lehrer sprechen.
Kritiker
bemängeln gleichwohl, dass er nicht den klassischen Bildungsweg
absolviert hat. Hartmut Krones, Professor für musikalische Stilforschung
und Aufführungspraxis an der Wiener Musikuniversität und Direktor des
Wissenschaftszentrums Arnold Schönberg findet diese Argumentation in
seinem Fall abwegig:
Track 8 (Prof.
Dr. Hartmut Krones, Wissenschaftszentrum. Arnold
Schönberg)
Man unterstellt ihm, nicht universell gebildet zu sein. Er
hat ja die zeitgenössische Literatur gekannt, er hat die
gesamte Musikgeschichte gekannt, er hat ja seinen Unterricht
hauptsächlich auf Analysen alter, älterer Musik
aufgebaut. Er hat ja gar keine eigenen Werke analysiert,
sondern er hat Mozart analysiert, Bach analysiert, Beethoven,
Brahms – diesen berühmten Aufsatz "Brahms der
Fortschrittliche" – und hat überall gezeigt, wie
der Komponist arbeitet, wichtiges Wort
"Fasslichkeit", dass es fasslich ist, was er
macht, dass aber da drinnen auch eben der Mensch steht und
die Emotion steht. |
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Schönberg
hat sich in seinen Anfängen stark an Brahms und Wagner orientiert.
Eines dieser frühen Werke – Opus 4 – und das erste groß
dimensionierte zeichnet musikalisch die Gefühle nach aus einem
romantischen Liebesgedicht von Richard Dehmel: „Die verklärte
Nacht“. Komponiert wurde es bereits 1899 als ein Streichsextett.
1943 schrieb es Arnold Schönberg noch einmal um für
Streichorchester. Sie hören den 3. Abschnitt "A tempo",
gespielt vom Chicago Symphony Orchestra dirigiert von Daniel
Barenboim.
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Track
9
A
Tempo,
auf: Arnold Schönberg „Verklärte Nacht“
(Daniel Barenboim, Piano und Dirigent; Chicago Symphony
Orchestra),
TELDEC 7 4509-98256-2, LC 6019 |
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Offiziell
residiert das Schönberg-Center am Schwarzenbergplatz 6, aber das
gläserne Portal bleibt verschlossen. Der Eingang ist um die Ecke:
in der Zaunergasse. An der Hausnummer 1 geht es durch eine
ehemalige Droschkeneinfahrt in einen Innenhof – und von dort mit
dem Fahrstuhl in den ersten Stock auf die Belletage. Man muss
läuten, um hineinzukommen, aber dann zeigt sich das Zentrum als
ein offenes Haus. Forscher können das Archivmaterial an Computern
recherchieren, Fans können CDs, Bücher, Postkarten und sogar
T-Shirts mit Sinnsprüchen des Meisters erwerben und gelegentlich
auch an Konzerten teilnehmen. Neugierigen schließlich gewähren
ein bis zweimal jährlich wechselnde Ausstellungen einen Einblick
in das künstlerische Schaffen von Arnold Schönberg. Im
Eintrittspreis ist stets ein mehrsprachiger Audio-Guide
inbegriffen.
Die
aktuelle Präsentation "Schachzüge" zeigt ihn als
Erfinder und Konstrukteur – angefangen von seiner
Zwölf-Ton-Methode über Entwürfe für eine Noten-Schreibmaschine
oder einen Umsteigefahrschein für die Berliner Verkehrbetriebe
bis hin zu Kartenspielen für seine Kinder und ein neues
Schachspiel: das Koalitions-Schach.
Track
10 (Dr. Christian Meyer, Schönberg-Center Wien)
Wir wollten uns mit Schönbergs Zwölf-Ton-Werken und
seiner Zwölf-Ton-Methode auseinandersetzen. Diese Werke
entstanden ab den frühen 20er Jahren und dann Zeit seines
Lebens bis er 1951 gestorben ist. Und wir haben sehr viele
Manuskripte zu seinen Zwölf-Ton-Werken. Die wollten wir
gerne herauslegen. Wir wollten auch gern zeigen, wie die
Zwölf-Ton-Methode funktioniert, und wie Schönberg dahin
gekommen ist. Und dann sind wir drauf gekommen, dass genau
in der Zeit, wo sich Schönberg mit der Neuordnung der
Töne beschäftigt in der Zwölf-Ton-Methode, dass er da
auch das Schachspiel hernimmt, aus einem
Acht-Mal-Acht-Feld ein Zehn-Mal-Zehn-Feld macht, es gibt
noch zwei Könige, die einander gegenüberstehen und
gegeneinander spielen.
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Ausstellungkatalog
Arnold
Schönberg:
Spiele,
Konstruktionen, Bricolagen
Games, Contructions, Bricolages
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Dann gibt es aber ganz andere
Figuren, die er erfindet. Es gibt keine Rössl, sondern
Flieger, die doppelte Rössl-Sprünge machen. Die sind
natürlich sehr gefährlich, durchmessen das halbe
Spielfeld in einem Spielzug. Und er erfindet dann lauter
Kriegsfiguren. Es gibt Motorradfahrer, es gibt Flieger, es
gibt Unterseeboote, es gibt Kanonen, andere Geschütze. Es
gibt Soldaten, die so ähnlich wie die Bauern funktionieren.
Und nur der König bleibt eigentlich so, dass er auf die
umliegenden Felder fahren kann, so, wie das beim
herkömmlichen Schach ist. Und dann erfindet er noch zwei
zusätzliche Mannschaften, die in die Seiten hineinspielen
als Kleinmächte. |
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Es gibt also zwei Großmächte mit den
Königen und zwei Kleinmächte, die in die Seiten hineinspielen.
Und nach spätestens drei Runden muss sich eine Kleinmacht
eine Großmacht gefunden haben und mit der koalieren, und
die spielen dann gegen die beiden anderen. Und da haben
wir gedacht, das ist doch dasselbe, wie die Zerlegung des
tonalen Systems und die Neuordnung der Zwölf-Ton-Ordnung,
dass Schönberg das Königsspiel hernimmt, die Regeln
zerlegt und wieder neu zusammenfügt zu einem neuen Spiel.
Und auch da versucht er dann wieder – so, jetzt habe ich
neue Regeln, und wie kann ich die denn spielen? Gibt’s
stärkere und schwächere Parteien, oder ist das ausgeglichen?
Kann man da sich erfreuen an diesem Spiel? Und Spielen
heißt das ja nicht nur beim Schachspiel, sondern auch in
der Musik. Und so haben wir nicht nur seine
Zwölf-Ton-Werke herausgelegt, von denen wir meinen, es
war ein Schachzug, als Ausgang aus der romantischen
Bewegung, die Musik des 20. Jahrhunderts seriell zu organisieren.
Wir haben auch sehr viele Basteleien, Spielereien,
Regelwerke, die Schönberg so nebenbei geschaffen hat, aus
dem Archiv herausgeholt und daraus den zweiten Teil dieser
Ausstellung gemacht.
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