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Die Forschungsstelle für Musik- und Medientechnologie.
Eine musikwissenschaftlich und musikpädagogisch orientierte Einrichtung an der Universität Osnabrück

© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2000. 


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für Deutschlandfunk "Musikszene"
Sonntag, 30. April 2000, 15:05 - 15:58 Uhr

Teil 8 (von 15)

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Audio 8


Aber mittlerweile haben auch Schülerinnen und Schüler der Elisabeth-Grundschule in Osnabrück Spaß daran gefunden, mit dem Computerkolleg Gehörbildung – das ist der korrekte Titel – zu arbeiten. Professor Bernhard Müßgens geht regelmäßig mit Studierenden in die Schule, um dort mit Kindern die Möglichkeiten und die speziellen Anforderungen auszuloten. Die Elisabethschule ist ungewöhnlich gut mit Computern ausgestattet, und so können die Kinder im Medienraum sowohl an Einzelplätzen üben, als auch in einer kleinen Arbeitsgruppe. Eine Gruppe aus vier Kindern sitzt im gerade im leeren Schulsekretariat und prüft ihr Wissen in Rhythmuslehre. Hören wir mal rein:

O-Ton 9 (Prof. Dr. Bernhard Müßgens mit Kindern d. Elisabethschule, Osnabrück)
Unterricht am Computer, Rhythmen, Klatschen und identifizieren.

Die Kinder hören einen Rhythmus und bekommen nun vom Programm in Notenschrift Alternativen zur Auswahl angezeigt. Sie müssen sich entscheiden und anschleißend die richtige Zeile anklicken. Wenn sie richtig entschieden haben, lobt sie das Programm mit einer Textzeile  „Gut, richtig“, wenn es falsch war, antwortet es „leider falsch“, vielleicht noch mit einer ermunternden Zeile: „Versuch’s noch mal“. Und wenn einige Aufgaben erledigt sind, können sie  auch erfahren, welchen Leistungsstand sie zwischenzeitlich erreicht haben. Wie kommt dieses Programm bei den Schülerinnen und Schülern an? Professor Müßgens:

O-Ton 10 (Prof. Dr. Bernhard Müßgens, Osnabrück)
Und uns hat es selber überrascht, dass dieses Programm sich so gut einsetzen lässt, auch schon im Musikunterricht an der Grundschule. Damit hatten wir so nicht gerechnet, allerdings stellt sich jetzt raus, dass es weiterentwickelt werden muss. Wir müssen in dem unteren Anwendungsbereich, also bei den sehr einfachen Lernaufgaben da noch etwas Entwicklung investieren. was sich als besonders gut erwiesen hat, ist eben, die Kinder kriegen sofort Rückmeldung, sie erhalten eine Aufgabe, können sich für die Aufgabe den Schwierigkeitsgrad selber aussuchen. Sie können sich den Aufgabentyp sehr leicht einfach aussuchen, und eben für die Kinder ist es sehr wichtig, dass sie sofort Rückmeldung erhalten. Das es richtig oder falsch ist, sie dürfen Fehler machen. Ich glaube, das ist etwas ganz wichtiges. Wenn man im normalen Unterricht Fehler macht wird der Fehler vielleicht genutzt, damit man einen Lernfortschritt macht, aber das ist nicht immer der Fall. Man muss mit Sanktionen rechnen. Irgend jemand, nein, hast du das noch nicht kapiert. So, und das ist hier nicht der Fall. Die Kinder können wirklich Fehler machen und keiner sagt, das hast du noch immer nicht kapiert. Computer ist da sehr geduldig. Das ist schön, das man aus Fehlern lernen darf. Und, was vielleicht auch für die Lehrer auch noch gut ist, das Programm lässt sich sehr gut einsetzen im differenzierenden Unterricht. Es gibt gerade an Grundschulen sehr große Leistungsunterschiede, es gibt Kinder, die durch das Elternhaus sehr gut musikalisch gefördert sind, andere kommen nicht in den Genuss. Und so kann man jetzt mit Hilfe des Computers irgendwo wirklich allen Anforderungen gerecht werden. Das heißt auch Kinder, für die der normalen Musikunterricht vielleicht zu leicht ist oder zu schwer, kann man hier mit diesem Programm gezielt zusätzlich fördern.

Aber diese Arbeit mit Kindern und dieser Gehörbildungssoftware enthält für Bernhard Müßgens noch einen weiteren Aspekt. Da das Programm auch Urteile abgibt darüber, ob ein Lernfortschritt bedeutend oder gering war und man sich dafür sogar Zertifikate ausdrucken kann, ist eine weitere Idee naheliegend:

Take 11 (Prof. Dr. Bernhard Müßgens, Osnabrück)
Also, wir möchten ganz gerne ein Testverfahren entwickeln. Es gibt musikalische Testverfahren seit etwa 1920, die sind bezogen auf die heutige Sozialisation von Kindern und Jugendlichen zum Teil nicht mehr brauchbar. In den Überarbeitungen aus den 50er und 60er Jahren gibt’s dann Intervalle oder Rhythmen, die von Schallplatte vorgespielt werden, und da gibt es natürlich mit Hilfe des Computers ganz neue Möglichkeiten. Die konkrete Entwicklung, woran wir jetzt arbeiten, ist eben einen Test zu entwickeln. Zu diesem Musiktest parallel laufen Intelligenztests, die werden hier auch in der Elisabethschule durchgeführt, und wir versuchen rauszufinden, das, was in aller Munde ist, worüber ständig gesprochen wird, Zusammenhänge zwischen Musikalität und Intelligenz, eben das mal genauer zu untersuchen. Und wir haben dabei festgestellt, dass es zwar Zusammenhänge gibt zwischen Musik und Intelligenz, dass die aber nicht so allgemein sind, wie man es oft annimmt. Es sieht so aus offenbar auf Grund unserer bisherigen Erfahrungen, dass Intelligenz und dieser allgemeine Bereich des Tonraumes, also der Tonhöhen, der Tonabstände, Intervalle, Tonhöhenbewegungen nur ganz schwach miteinander korrelieren. Da gibt’s nur ganz geringe Zusammenhänge. Es zeigt sich, dass zwischen sprachgebundener Intelligenz und der Fähigkeit von Kindern, Rhythmen aufzufassen, auch Rhythmen ganz elementar zu notieren und rhythmische Notation nachzuklatschen, dass es da Beziehungen zur Intelligenz gibt. Und so laufen jetzt im Moment konkrete Tests in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Psychologie der Universität Osnabrück, mit Prof. Rogner, Prof. Bartram, bei denen wir versuchen rauszufinden, worin bestehen wirklich die konkreten Verbindungen zwischen der allgemeinen grundlegenden Intelligenz und spezifischen Fähigkeiten beim Musikhören, Musikverstehen.

 

Atmo 5 (Schtzngrm)           
von Elisabeth Rotermund, 1985 - Ausschnitt)

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