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Die Forschungsstelle für Musik- und Medientechnologie.
Eine musikwissenschaftlich und musikpädagogisch orientierte Einrichtung an der Universität Osnabrück


Doppel-CD
Glenn Gould:
Ein Leben in Musik
(u.a. Invention für Klavier C-Moll)

 


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2000 


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für Deutschlandfunk "Musikszene"
Sonntag, 30. April 2000, 15:05 - 15:58 Uhr

Teil 11 (von 15)

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Audio 11


Ein ganz anderes Ziel verfolgt in der Forschungsstelle der Musiktheoretiker Professor Hartmut Kinzler. Er nutzt Computerprogramme, damit seine Studierenden, also potentielle Musiker – Interpreten – lernen, das zu tun, was ihnen Theodor-W. Adorno ins Stammbuch geschrieben hat: Bevor sie sich ans Instrument setzen und in die Tasten schlagen, sollen sie sich die Mühe machen, das Stück zu verstehen, es zu analysieren und herauszufinden, wie es gebaut ist.

Atmo 6 (Kinzler: Bach, Invention für Klavier C-Moll)  
Computer auf Flügel
((zügig ausblenden))

Der Anfang von Johann-Sebastian Bachs „Invention für Klavier C-Moll“. Auch wenn es ein akustisches Instrument war, ja, sogar ein Flügel, hat hier kein Interpret gespielt. Dafür klang es auch ein wenig zu steif. Die Tasten bewegten sich scheinbar von alleine. Die Steuerungsbefehle erhielten sie über MIDI aus einer Computer.

O-Ton 14 (Prof. Dr. Hartmuth Kinzler, Osnabrück)
Die Grundidee bei dieser Sache ist jetzt die dass wir, um musikalische Strukturen zu analysieren, bei den nun feststellen, gibt es zwischen einzelnen Teilen von Musikstücken sozusagen Relationen, die durch Verschieben entlang der Zeitachse oder auch entlang der Tonhöhenachse hergestellt werden können. Und es klar, das sind Stücke, die ne Kanonstruktur haben, da besonders geeignet sind. Von den Noten, die vorgelegen sind, wurde mit Hilfe eines Editors, also hier in diesem Falle mit Hilfe eines Noteneditors Note für Note eingegeben. Nun also hier, die Tatsache, dass es sich um einen Kanon handelt, nutze ich aus in dem ich in ein im Editor vorhandenes Menü benutze, das mir erlaubt, nun vorhandene Strukturen zu duplizieren und zu verschieben. Das geht also ganz bequem. Ich klicke das hier an und versetze es gleich an die Stelle, wo ich es haben will. So haben wir auf diese Weise zunächst einmal einen Kanon im Einklang

Es ist fast wie bei den geläufigen Textverarbeitungsprogrammen. Es wird etwas ausgeschnitten und woanders eingefügt. Jetzt muss nur noch die zweite Stimme eine Oktave tiefer gesetzt werden – auch dafür gibt es einen Modus im Programm ...

Atmo 7 (Kinzler: Bach, Invention für Klavier C-Moll)  
Computer auf Flügel 
((zügig ausblenden))

 

Take 15 (Prof. Dr. Hartmuth Kinzler, Osnabrück)
Was ist da passiert? Ich habe den Kanon ein großes Stück weitergezogen als er tatsächlich bei Bach geschrieben ist. Ich müsste also dazu jetzt die Stellen, bei denen es nicht mehr übereinstimmt, abschneiden und würde dann in die Noten reinschauen und feststellen, Kanon endet an dieser Stelle und es setzt dort unten im Takt 11 das Thema neu ein, diesmal aber in der Quinte. Das ist genau das, was hier zuviel ist. Das Thema setzt ja wieder als Kanon ein, allerdings nun in einer anderen Transposition. Und jetzt fehlt nur noch das, dass dieser neue Thementakt hier in einer anderen Transpositionsstufe ist - die reine Quinte sind siebeneinhalb Tonschritte -  nachdem wir nach unten gehen, müssen’s also fünf sein. Und jetzt mache ich folgendes: Ich nehm’s auch noch eine Oktave tiefer. So, und jetzt haben wir fast die Stelle, wie wir’s brauchen. Jetzt passiert folgendes. Wir haben ja hier sozusagen Strukturen einfach verschoben, und an den Nahtstellen muss noch einmal gefriemelt werden.

Und das waren wohl auch die Stellen, an denen der Komponist in diesem Stück die Feinarbeit gemacht hat, während er im übrigen mit dem Prinzip des Kanons spielte. Mit Computer und elektronisch gesteuertem Klavier ließ sich dieses Stück nun zerlegen und damit demonstrieren, wie es gebaut ist.


Teil 11 (von 15)

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