| Teil
2 (von 4) |

|
 |
|
| aus:
Martin Luther, Vorrede zur Deutschen Messe, 1526
Sprecher:
Allermeist ... geschieht es um der Einfältigen und des jungen
Volkes willen, das täglich in der Schrift und in Gottes Wort
geübt und erzogen werden soll und muss, damit sie an die Schrift
gewöhnt, geschickt, bewandert und kundig darin werden, ihren
Glauben zu vertreten und andere mit der Zeit zu lehren und das
Reich Christi mehren zu helfen. Um dieser willen muss man lesen,
singen, predigen, schreiben und dichten, und wenn es hilfreich und
erforderlich dafür wäre, wollte ich mit allen Glocken dazu
läuten lassen und mit allen Orgeln pfeifen und alles klingen
lassen, was klingen kann. |
|
| Musik
5 (Claus Oefner, Bachhaus Eisenach)
Orgelmusik
im Bachhaus,
Demonstration von Claus Oefner
((nach 25 Sek.
rausziehen)) |
|
So
etwa, wie diese 300 Jahre alte kleine Orgel im Eisenacher Bachhaus
dürften zu Luthers Zeiten die meisten Kirchenorgeln geklungen
haben. Seit dem 9. Jahrhundert haben Orgeln ihren festen Platz in
den Gotteshäusern. Mit ihrem weiten Spektrum an Klangfarben und
ihrer mächtigen Klangfülle begleiten sie ab etwa 1300 in allen
größeren Kathedralen den lateinischen Gottesdienst. Unter den
Reformatoren waren sie aber gerade deshalb umstritten. Zwingli
hielt sie für papistisches Teufelswerk und ließ sie in seiner
eigenen Kirche in Zürich abbrechen. Und selbst in Wittenberg
lehnten Gefährten Luthers zunächst den Gebrauch der Orgel im
Gottesdienst ab. Nur Martin Luther selbst mochte sie nicht verdammen. |
|
aus: Martin
Luther, Vorrede
zum Wittenberger Chorgesangbuch, 1524
Sprecher:
Ich bin .... nicht der Meinung, dass durchs Evangelium sollten
alle Künste zu Boden geschlagen werden und vergehen, wie etliche
falsche Eiferer vorgeben, sondern ich möchte alle Künste,
besonders die Musik gerne sehen im Dienste dessen, der sie gegeben
und geschaffen hat. |
|
|
|
((Rest des
Vorspiels kurz vorherigen Text unterlegen))
Musik
6
Die
beste Zeit im Jahr ist mein
auf: Martin Luther - Ein Oratorium
von Siegfried Fietz + Joh.Jourdan,
ABAKUS LP 90050, LC 6461
((nach 50“ in
folgenden Text rausziehen)) |
Ein
Lied aus einem Text Martin Luthers, den der eigentlich als eine Vorrede für
alle guten Gesangbücher geschrieben hatte.
Luther
musizierte selbst gern. Schon als junger Student schlägt er die Laute. Seinen Kommilitonen gilt er deshalb
als „der Musiker“. Selbst 1521 auf dem Weg zum Reichstag nach Worms,
wo er seine Lehre vor Kaiser und Reichsständen zu verteidigen hatte,
begeistert er unterwegs die Leute auf den Straßen mit seinem Gesang.
Seine Gegner spotten über ihn und nennen ihn den neuen Orpheus.
Doch Luther ist überzeugt, mit Liedern die Menschen über das
Evangelium aufklären zu können. Schon wenige Jahre später schreibt er
die ersten evangelischen Choräle und Psalmlieder in deutscher Sprache und
bittet in Briefen und Gesangbuchvorreden seine Mitstreiter, es ihm
nachzutun:
| aus:
Martin Luther, Vorrede
zum Wittenberger Chorgesangbuch, 1524
Sprecher:
Deshalb habe ... ich - mit einigen anderen zusammen -, um einen
guten Anfang zu machen und um denen Anlass zu geben, die es besser
vermögen, etliche geistliche Lieder gesammelt, um das heilige
Evangelium, das jetzt durch Gottes Gnade wieder aufgegangen ist,
zu treiben und in Schwung zu bringen, ... so dass Christus unser
Lob und Gesang sei, und wir nichts wissen sollen zu singen noch zu
sagen als Jesus Christus, unsern Heiland. |
|
|
| Musik
7 - Collage Luther-Lieder)
aus:
00:01-00:10
Ein feste Burg ist unser Gott,
auf: Chor- u.Orgelmusik a.d.Stadtkirche St.Marien zu Wittenberg,
Wittenberger Kantorei DIRE C 206
01:13-01:20
Aus tiefer Not schrei ich zu dir
auf: Martin Luther und die Musik - Wiener Motettenchor Musica
Antiqua Wien,
Christopherus CHE 0025-2 /D.P. - LC 0612
01:41-01:49
Vom Himmel hoch, da komm ich her
auf: Gelobet seist du Jesu Christ - Die schönsten Choräle von
Martin Luther,
hänssler Classic 98.101, LC 6047 |
|
O-Ton
7 (Klaus-Dieter Mücksch, Wittenberg)
In einem Lied, einem Weihnachtslied, sagt er selber im letzten
Satz: „davon ich singen und sagen will“. Ich glaub, dass „davon
singen“ und „davon sagen“, das ist genau die Reihenfolge,
weil er immer wollte, dass Gemeinde, dass sich Volk emotional
offen für seinen Schöpfer zeigt, darstellt und auch äußert. |
Klaus-Dieter
Mücksch ist Kantor in Wittenberg. In seiner Landeskirche, der
Kirchenprovinz Sachsen, hat er den Rang eines Landeskirchenmusikdirektors.
Dort hat er die Kirchenmusik zu ordnen, zu beobachten und zu begleiten.
Wenn man so will, ist er einer der Nachfolger des wichtigsten Beraters von
Martin Luther in Fragen der Kirchenmusik: von Johann Walter. Mit ihm
zusammen hatte Luther seine Deutsche Messe ausgearbeitet und auch sein
erstes Liederbuch herausgegeben mit 38 deutschen Chorälen: das „Wittenbergisch
Geistliche Gesangbüchlein“. Johann Walter gründet schließlich 1532 in
Torgau an der Elbe den ersten evangelischen Kirchenchor, die Torgauer
Kantorei. Es gibt sie immer noch.
Diese
junge evangelische Kirchenmusik klingt ganz im Ton ihrer Zeit. Sie ist ein
Stück Renaissance. Die Menschen erleben die Freiheit, sich selbst im Lied
ausdrücken zu können. Dafür verwenden sie vor allem Melodien, die im
Volk bereits bekannt sind. Darunter die von Legendenliedern, von
Gassenhauern und von Tanzweisen. Aber mit neuen Texten. Vor allem singen
diese neuen Kirchenchöre jetzt mehrstimmig. Klaus-Dieter Mücksch:
|
O-Ton
8 (Klaus-Dieter Mücksch, Wittenberg)
Die Einstimmigkeit, die Homophonie sollte ausdrücken, hier sind wir in
einem heiligen Raum und auch mit einer heiligen Sache beschäftigt. Das
hat Luther, denke ich, nun gerade bekämpft, schon in seiner Sprache,
„dem Volk aufs Maul schauen“ und ähnliche Dinge. Er hat versucht,
den Alltag der Menschen mit einzubringen in den Gottesdienst, und damit
natürlich alle möglichen Spielformen, auch der Musik.
|
|