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Um des jungen Volkes willen
- Swing, Rock, DJ Culture und Luthers Vision vom Gemeindegesang


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1996. 


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für Saarländischer Rundfunk SR 2 "Thema: Musik"
Dienstag, 29. Oktober 1996, 18:00 - 18:30 Uhr

Teil 2 (von 4)

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aus: Martin Luther, Vorrede zur Deutschen Messe, 1526

Sprecher: 
Allermeist ... geschieht es um der Einfältigen und des jungen Volkes willen, das täglich in der Schrift und in Gottes Wort geübt und erzogen werden soll und muss, damit sie an die Schrift gewöhnt, geschickt, bewandert und kundig darin werden, ihren Glauben zu vertreten und andere mit der Zeit zu lehren und das Reich Christi mehren zu helfen. Um dieser willen muss man lesen, singen, predigen, schreiben und dichten, und wenn es hilfreich und erforderlich dafür wäre, wollte ich mit allen Glocken dazu läuten lassen und mit allen Orgeln pfeifen und alles klingen lassen, was klingen kann.

Musik 5 (Claus Oefner, Bachhaus Eisenach)

Orgelmusik im Bachhaus,
Demonstration von Claus Oefner

((nach 25 Sek. rausziehen))

So etwa, wie diese 300 Jahre alte kleine Orgel im Eisenacher Bachhaus dürften zu Luthers Zeiten die meisten Kirchenorgeln geklungen haben. Seit dem 9. Jahrhundert haben Orgeln ihren festen Platz in den Gotteshäusern. Mit ihrem weiten Spektrum an Klangfarben und ihrer mächtigen Klangfülle begleiten sie ab etwa 1300 in allen größeren Kathedralen den lateinischen Gottesdienst. Unter den Reformatoren waren sie aber gerade deshalb umstritten. Zwingli hielt sie für papistisches Teufelswerk und ließ sie in seiner eigenen Kirche in Zürich abbrechen. Und selbst in Wittenberg lehnten Gefährten Luthers zunächst den Gebrauch der Orgel im Gottesdienst ab. Nur Martin Luther selbst mochte sie nicht verdammen.

aus: Martin Luther, Vorrede zum Wittenberger Chorgesangbuch, 1524

Sprecher: 
Ich bin .... nicht der Meinung, dass durchs Evangelium sollten alle Künste zu Boden geschlagen werden und vergehen, wie etliche falsche Eiferer vorgeben, sondern ich möchte alle Künste, besonders die Musik gerne sehen im Dienste dessen, der sie gegeben und geschaffen hat.

((Rest des Vorspiels kurz vorherigen Text unterlegen))

Musik 6 

Die beste Zeit im Jahr ist mein
auf: Martin Luther - Ein Oratorium
von Siegfried Fietz + Joh.Jourdan,
ABAKUS LP 90050, LC 6461

((nach 50“ in folgenden Text rausziehen))

Ein Lied aus einem Text Martin Luthers, den der eigentlich als eine Vorrede für alle guten Gesangbücher geschrieben hatte. 

Luther musizierte selbst gern. Schon als junger Student  schlägt er die Laute. Seinen Kommilitonen gilt er deshalb als „der Musiker“. Selbst 1521 auf dem Weg zum Reichstag nach Worms, wo er seine Lehre vor Kaiser und Reichsständen zu ver­teidigen hatte, begeistert er unterwegs die Leute auf den Straßen mit seinem Gesang. Seine Gegner spotten über ihn und nennen ihn den neuen Orpheus.  Doch Luther ist überzeugt, mit Liedern die Menschen über das Evangelium aufklären zu können. Schon wenige Jahre später schreibt er die ersten evangelischen Choräle und Psalmlieder in deutscher Sprache und bittet in Briefen und Gesangbuchvorreden seine Mitstreiter, es ihm nachzutun:

aus: Martin Luther, Vorrede zum Wittenberger Chorgesangbuch, 1524

Sprecher: 
Deshalb habe ... ich - mit einigen anderen zusammen -, um einen guten Anfang zu machen und um denen Anlass zu geben, die es besser vermögen, etliche geistliche Lieder gesammelt, um das heilige Evangelium, das jetzt durch Gottes Gnade wieder aufgegangen ist, zu treiben und in Schwung zu bringen, ... so dass Christus unser Lob und Gesang sei, und wir nichts wissen sollen zu singen noch zu sagen als Jesus Christus, unsern Heiland.

Musik 7 -  Collage Luther-Lieder)

aus:

 00:01-00:10 Ein feste Burg ist unser Gott,
auf: Chor- u.Orgelmusik a.d.Stadtkirche St.Marien zu Wittenberg,
Wittenberger Kantorei DIRE C 206

01:13-01:20 Aus tiefer Not schrei ich zu dir
auf: Martin Luther und die Musik - Wiener Motettenchor Musica Antiqua Wien,
Christopherus CHE 0025-2 /D.P. - LC 0612

01:41-01:49 Vom Himmel hoch, da komm ich her
auf: Gelobet seist du Jesu Christ - Die schönsten Choräle von Martin Luther,
hänssler Classic 98.101, LC 6047

O-Ton 7 (Klaus-Dieter Mücksch, Wittenberg)
In einem Lied, einem Weihnachtslied, sagt er selber im letzten Satz: „davon ich singen und sagen will“. Ich glaub, dass „davon singen“ und „davon sagen“, das ist genau die Reihenfolge, weil er immer wollte, dass Gemeinde, dass sich Volk emotional offen für seinen Schöpfer zeigt, darstellt und auch äußert.

Klaus-Dieter Mücksch ist Kantor in Wittenberg. In seiner Landeskirche, der Kirchenprovinz Sachsen, hat er den Rang eines Landeskirchenmusikdirektors. Dort hat er die Kirchenmusik zu ordnen, zu beobachten und zu begleiten. Wenn man so will, ist er einer der Nachfolger des wichtigsten Beraters von Martin Luther in Fragen der Kirchenmusik: von Johann Walter. Mit ihm zusammen hatte Luther seine Deutsche Messe ausgearbeitet und auch sein erstes Liederbuch herausgegeben mit 38 deutschen Chorälen: das „Wittenbergisch Geistliche Gesangbüchlein“. Johann Walter gründet schließlich 1532 in Torgau an der Elbe den ersten evangelischen Kirchenchor, die Torgauer Kantorei. Es gibt sie immer noch.

Diese junge evangelische Kirchenmusik klingt ganz im Ton ihrer Zeit. Sie ist ein Stück Renaissance. Die Menschen erleben die Freiheit, sich selbst im Lied ausdrücken zu können. Dafür verwenden sie vor allem Melodien, die im Volk bereits bekannt sind. Darunter die von Legendenliedern, von Gassenhauern und von Tanzweisen. Aber mit neuen Texten. Vor allem singen diese neuen Kirchenchöre jetzt mehrstimmig. Klaus-Dieter Mücksch:

O-Ton 8 (Klaus-Dieter Mücksch, Wittenberg)
Die Einstimmigkeit, die Homophonie sollte ausdrücken, hier sind wir in einem heiligen Raum und auch mit einer heiligen Sache beschäftigt. Das hat Luther, denke ich, nun gerade bekämpft, schon in seiner Sprache, „dem Volk aufs Maul schauen“ und ähnliche Dinge. Er hat versucht, den Alltag der Menschen mit einzubringen in den Gottesdienst, und damit natürlich alle möglichen Spielformen, auch der Musik.


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