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Um des jungen Volkes willen
- Swing, Rock, DJ Culture und Luthers Vision vom Gemeindegesang


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1996. 


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für Saarländischer Rundfunk SR 2 "Thema: Musik"
Dienstag, 29. Oktober 1996, 18:00 - 18:30 Uhr

Teil 3 (von 4)

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Musik 10

World Wide Message Tribe: The Year of The Lords Favour,
auf: Come follow Jesus - ein musikalischer Querschnitt 
Pila Music CD 27268-2, LC 8632

((nach 34 Sekunden runterziehen, unter dem Text rausziehen))

„World Wide Message Tribe". Als einen Stamm weltweiter Botschafter bezeichnet sich diese fromme Techno-Band aus Manchester. Ihre musikalische Predigt tragen in knappen Worten und mit mächtigen Beats je zwei schwarze und zwei weiße Frontsänger vor. Im Hintergrund tanzen dazu sechs Teenies. In den englischsprachigen Ländern, vor allem in den USA hat solche Musik einen Namen: Christian Contemporary Music - Zeitgenössische christliche Musik, kurz: CCM. Sie ist ein Teil der missionarischen Offensive theologisch konservativer Christen aus protestantischen Kirchen und Gemeinschaften. Diese Musik soll vor allem die eigenen Reihen sauber halten. Es ist eine Art Unterhaltungsmusik, die musikalisch konkurrenzfähig ist mit den zeitgenössischen Strömungen der Popmusik, aber statt „Sex, Crime and Drugs“ erbauliche Texte präsentiert. Kein Musikgeschmack bleibt unbefriedigt, CCM gibt es in allen Farben populärer Musik:

Musik 11 (Collage CCM)

 Mercy River:
Elvis Has Left The Building, Jesus is coming soon,
 auf: Feel it - New Country,
PILA Music CD 33124-2 - LC 8632

Mark Farmer: 
Judgement Day Blues
auf: Feel it!- Blues,
PILA Music CD 33123-2 - LC 8632

Hoodlums Prayer
auf: T-Bone, Redeemed, Metro One MOCD 1172

Iona: Irish Day
auf: Collection 3,
PILA-Music CD 27212-2 - LC 8632

In Deutschland ist diese Musikszene noch klein. Doch auch hier gewinnt sie zunehmend Anhänger bei jungen Leuten - vor allem in den pietistischen Zirkeln der Landeskirchen und im Umfeld der Freikirchen. Sie ist immerhin so erfolgreich, dass es ein kleiner missionarisch orientierter Privatsender im hessischen Wetzlar, der ERF, im November 1995, wagen konnte, dafür ein zweites 24stündiges Vollprogramm einzurichten. Über einen Mittelwellensender und über Satellit wird über ERF2 ausschließlich geistliche Popmusik ausgestrahlt, ergänzt um ein entsprechend jugendorientiertes Wortprogramm. Der Musikwissenschaftler Peter Fischer ist Chefredakteur dieser frommen Jugendwelle:

O-Ton 9 (Peter Fischer, ERF, Wetzlar)
Kriterien für geistliche Musik wären für mich zunächst einmal, die Musik muss geeignet sein, den Text, den Inhalt zu transportieren. Aber das sind in sehr vielen Fällen sind das Geschmacksfragen, wo der eine sagt, das geht nicht mehr. Also mit Techno zum Beispiel geistliche, kirchliche Inhalte vermitteln. Da sagen dann sehr viele Teenager, genau das ist meine Musik, weil ich verstehe die Sprache dieser Musik und halte das für sehr angemessen für den Text. Und im umgekehrten Fall gilt das ganz genauso, wo ältere Menschen sagen, traditionell kirchlich geprägte Menschen sagen, also bestimmte Inhalte lassen sich z.B. nur über einen Choral vermitteln, sagen viele Jüngere, das ist eine Musik, die passt für mich nicht mit dem Text zusammen, das ist für mich eine fremde Welt. Also das definiert sich immer sehr stark aus dem sozialen Umfeld und aus dem zeitgeschichtlichen Umfeld, wo sich was bewegt. Ich denke Musik muss qualitativ gut sein. Aber das gilt für jede Musik.

Die meisten deutschen Produktionen gehören eher zum Genre der Liedermacherei oder des Schlagers. Die Textmuster erinnern an Liebeslyrik, nur dass das Objekt der Liebe göttlich ist. Während beim lutherischen Kirchenlied der Lobgesang die gemeinsame Antwort der versammelten Gemeinde ist auf das Wort Gottes, also einen Bibeltext, geht es in diesen Songs um die ganz persönliche Beziehung des einzelnen zu Gott. Der eigene Glaube wird mit Mitteln der Popkultur inszeniert. Eben so, wie in einer Erlebnis- und Konsumgesellschaft Menschen auf Waren aufmerksam gemacht werden. Die Absicht ist freilich auch hier Gemeinschaft zu vermitteln:

O-Ton 10 (Peter Fischer, ERF, Wetzlar)
Popmusik ist zunächst mal ‘ne Musik zum Zuhören. Aber gerade in den letzten Jahren ist im christlichen Bereich da sehr vieles entstanden, was sich auch zum Mitsingen eignet. Da gibt es beides. So wie es in der klassischen Kirchenmusik die Choräle zum Mitsingen gibt und die Choräle, die gleichen Choräle von Johann-Sebastian Bach so bearbeitet, dass sie nur noch ausgebildete Chöre singen können und alle anderen sollen das hören und genießen, das gibt’s in der Popmusik ganz genauso. Es gibt Lieder, die sind bewusst zum Mitsingen konzipiert in der Gemeinde, und wer christliche Konzerte von christlichen Gruppen erlebt, der wird feststellen, in sehr vielen Fällen, dass ganze ist von der Anlage des Konzerts auch sehr oft ein Mitmachkonzert. Das gibt’s relativ wenig, dass wirklich eine Band oder ein Künstler sich jetzt zwei Stunden lang nur produziert und die Leute zuhören lässt.
Musik 12

Botho-Lukas-Chor: Danke,
auf: LP Schlager...
EMI Electrola 1C134-32473/74, LC 0193

((nach 15 Sekunden rausziehen))

1962 stand dieses Lied ganz vorne auf den Hitparaden. Kurz vorher hatte es einen viel beachteten Wettbewerb gewonnen. 35 Jahre ist das her, dass die Evangelische Akademie im bayerischen Tutzing überregional einen Preis ausschreibt für neue geistliche Lieder. In den Gemeinden hatten schon vorher viele Jugendpfarrer Klänge gesucht, die den Ton junger Leute treffen, Lieder, die Themen behandeln, von denen die sich angesprochen fühlen. Häufig schreiben sie solche Jugendlieder einfach selber - zunächst nur für ihre Gemeindearbeit. Probiert werden auch neue Arrangements mit neuen Instrumenten. Die Orgel wird - wie einst zur Reformationszeit - als zu dominant empfunden, als ein Hindernis für die aktive Beteiligung der Gemeinde. Das neue Leitbild ist das lebendige afroamerikanische Spiritual.

Auch in der Katholischen Kirche tut sich in diesen Jahren etwas. Das zweite Vatikanische Konzil bringt frischen Wind in die Gemeinden. Rund 440 Jahre nach Martin Luthers Deutscher Messe legt es nicht nur fest, dass Gottesdienst künftig in der Landessprache zu halten ist, sondern es erlaubt außerdem - auch(!) für die Liturgie - Experimente mit neuer Musik, etwa mit Folklore oder mit zeitgenössischer Jugendmusik.

Der Komponist Peter Janssens gehörte damals zu den Pionieren, 1962/63 zunächst in Münster in der vorwiegend von der Katholischen Studentengemeinde genutzten Petrikirche. Bald darauf swingt in Duisburg die Kirche St.Maria Himmelfahrt zu Melodien von Spirituals:

((Vorspiel dem vorigen Text unterlegen))

Musik 13

„Brüder ruft in Freude, ja der Herr ist nah“,
auf: EP Freut euch, der Herr ist nah - Jazzmesse
schwann/ams studio 15009, 7 PAL2722

((nach 15 Sekunden rausziehen und unterlegen))


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