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Um
des jungen Volkes willen
- Swing, Rock, DJ
Culture und Luthers Vision vom Gemeindegesang
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©
für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1996.
Hyperlinks
sollten aktuell sein. Bei fehlerhaften oder toten
URLs bitte ich um ein kurzes E-Mail mit Hinweis auf die
entsprechende Seite und den Link. Danke. |
Links
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für
Saarländischer Rundfunk SR 2 "Thema: Musik"
Dienstag, 29. Oktober 1996, 18:00 - 18:30 Uhr
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| Teil
4 (von 4) |

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O-Ton
11 (Peter Janssens, Telgte)
Da kamen damals so ‘n paar junge Theologen auf mich zu und haben
gesagt, Mensch, du bist doch Jazzer, du machst doch auch Jazz.
Lass uns doch mal was probieren, ob wir so Psalmen und Jazz, so
was machen. Jazz war damals unser zeitgemäßes Medium der Musik.
Wir kannten natürlich auch die Moderne, auch Zwölftonmusik und
Schönberg und alles, aber das für mich nicht in Verbindung
gesehen mit religiösen Texten für eine neue Form von
Gottesdienst. Wir kannten die traditionelle Kirchenmusik, die hing
uns zu den Ohren raus oder sonst wo. |
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Peter
Janssens gehört heute* zu den wenigen Musikern, die von Anfang an
an dieser Bewegung für ein neues Singen beteiligt waren. Bis
heute gibt er Impulse, nicht zuletzt mit seinen Musicals. Eines
wurde in den siebziger Jahren für die Katholische Kirche zum
Problem. Und das half, eine Kluft zu überwinden: „Ave Eva oder
der Fall Maria“: |
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Musik 14
Gott und ein Mädchen,
auf: AVE EVA oder der Fall Maria
Peter Janssens CD 1015/16, LC 4679
((nach 25 Sekunden
rausziehen)) |
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O-Ton
12 (Uwe Seidel, Köln)
Also der Piet Janssens ist ein sehr bedeutender Vertreter. Man
kann also heutzutage sagen, dass die neuen Lieder gar nicht
wegzudenken sind aus der ökumenischen Bewegung. Das ist ein
substantieller Bestandteil auch der Zusammengehörigkeit. Ein
riesiger Durchbruch, ökumenisch, ist gewesen „Ave Eva“.
Ökumenisch deshalb, nicht weil von der protestantischen Seite her
die Maria so verehrt wurden, sondern weil von der katholischen
Seite dieses Musical verboten wurde in katholischen Kirchen oder
Räumen aufzuführen. Und deshalb haben sehr viele
protestantischen Gemeinden die Räume zur Verfügung gestellt. Und
so kam das. Also aus dieser Protesthaltung wurde eine ökumenische
richtige, sehr gute Zusammenarbeit. |
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Uwe
Seidel mischt seit 1963 in dieser Szene mit, zunächst über das
Volksmissionarische Amt der rheinischen Landeskirche, später dann
als Pfarrer seiner Gemeinde im Kölner Stadtteil Klettenberg. Dass
das neue geistliche Lied eine so stark ökumenische Richtung
genommen hat, liegt vor allem daran, dass sich die meisten
evangelischen Kirchenmusiker bis heute dem Projekt „Neue
Kirchenmusik“ verschließen. Sie fürchten nämlich um den guten
Ruf der traditionellen Kirchenmusik, wenn die Laien im Chor nicht
mehr nur Motetten singen wollen, sondern auch Popmusik und
Schlager in den Kirchenraum holen. |
O-Ton 13 (Uwe Seidel,
Köln)
Es sind, ja, mehr oder weniger Laien. Und das ist wiederum
interessant, weil, jetzt wieder zurückgekoppelt zu Luther, der ja
das Laienelement ganz besonders in seinem theologischen und aber
auch in seinem organisatorischen Konzept bedacht hat. Der hat ja
auf die Menschen einen ganz großen Wert gelegt, sie mit
hineinzunehmen, in die Verantwortung mit hineinzunehmen, auch in
die theologische Verantwortung mit hineinzunehmen. Und deshalb
gibt es also - nach wie vor, muss man sagen - zwischen dieser
Musikbewegung der neuen geistlichen Lieder, und der traditionellen
Kirchenmusikvertretung große Spannungen. |
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Solche
Spannungen haben nicht unbedingt eine Entsprechung in
Generationskonflikten innerhalb der Gemeinde. Gottesdienste mit
moderner populärer Musik werden zwar überwiegend von Jüngeren
besucht, aber nicht nur: |
O-Ton 14 (Uwe Seidel,
Köln)
In unserer Johanneskirche, wenn wir da Beatmessen feiern, da sind
ungefähr ein Drittel über Sechzigjährig. Die Älteste ist 93
oder 94. Das heißt, es ist verbindend Gott sei Dank auch schon
durch die verschiedenen Generationen. Man kann nicht mehr sagen,
es sind nur junge Leute, die sich mit diesem Liedgut
beschäftigen. Ältere spricht an die Frische, gerade ältere
Leute, und die Lebendigkeit, - auch sogar ein ganz bestimmter
Rhythmus. Also Rock oder Pop. Wir haben auch einige Rap-Sachen
hier im Repertoire. Und sie sind fasziniert davon, wie junge Leute
Gottesdienst feiern können, und dass sie nicht draußen vor
bleiben, sondern dass sie mit hineingekommen werden und ihre
Erfahrungen und ihre Mentalität mit einbringen können. |
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((Ein Stück
dem vorigen Text unterlegen))
Musik
15 (AGM, Konzertprobe in Hage/Norden)
Eijeijei
.... Du bist meine Freude, du bist meine Sehnsucht
((nach 15
Sekunden rausziehen und unterlegen)) |
Hage
bei Norden in Ostfriesland im Hochsommer 1996. In der Evangelisch-lutherischen
Kirche wird geprobt. Die Arbeitsgemeinschaft Musik in der Evangelischen
Jugend ist drei Wochen lang unterwegs auf Sommertournee mit Musikern und
Band. Hier läuft ein Workshop. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben
sich gemeinsam ein Programm erarbeitet und ziehen damit nun jeden zweiten
Tag an einen anderen Ort. Nach
Soundcheck und Proben in den Gemeindehäusern und Kirchen geht’s raus
auf die Straße, um ein Publikum für den Abend zusammenzusingen.
Worum
geht’s in diesem Praxisseminar? Die Religionspädagogin Sabine Simon
bringt es auf den Punkt:
O-Ton
15 (Sabine Simon, Arbeitsgemeinschaft Musik)
Also ich halte Musik für ein Ur-Ausdrucksmittel von Menschen und
von Religion, und deswegen halte ich es erst mal prinzipiell für
der Kirche das zugehörigste kulturelle Element, sage ich mal. Und
Musik ist auch immer Ausdruck der jeweiligen Zeit. Und die Musik,
die mich geprägt hat, die gibt’s in der Kirche kaum, die
möchte ich da aber gerne haben. Das war so die Grundmotivation. |
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All
jene, die populäre Musik aktiv in der Kirche fördern wollen,
haben sich mittlerweile über ein Computerdatennetz aus 90
Rechnern bundesweit zusammengeschlossen: im Netzwerk Populäre
Musik in der Kirche, kurz NEPOMUK. Knapp 2100 Lieder können darin
eingesehen werden. Außerdem wird im Netz diskutiert. Ein immer
noch aktuelles Thema ist das neue Evangelische Gesangbuch.
In
einigen Kirchenkreisen des Saarlandes wurde es bereits vor zwei
Jahren eingeführt. In denen, die zur rheinischen Landeskirche
gehören, geschieht das zum 1. Advent. Darin finden sich auch
einige Lieder aus der kirchlichen Popkultur, zum Beispiel dieses: |
| ((Vorspiel
in dem vorigen Text unterlegen, ein Stück davon aber vor dem
Liedtext hochziehen))
Musik
16
Ich
lobe meinen Gott,
auf: Ich lobe meinen Gott - Lieder aus dem Evang.
Kirchengesangbuch,
Pop Intel Medien GmbH+Gesangbuchverlag Stuttgart,
ohne Industrie-Nr.+LC
((in folgenden
O-Ton reinziehen)) |
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Was
hat sich im neuen Evangelischen Gesangbuch verändert. Der Landeskantor
von Mittelbaden, Rolf Schweizer, gehört zu denen, die schon früh
dafür eingetreten sind, das offizielle evangelische
Liedrepertoire zu überarbeiten. |
O-Ton
16 (Prof. Rolf Schweizer, Pforzheim)
Das neue Gesangbuch, das sogenannte EG hat also rund 150 neue
Lieder, d.h. Lieder, die in unserem Jahrhundert entstanden sind
und hierbei wieder vor allem die meisten Lieder dieser Gruppe
stammen aus dem Bereich der letzten 40 Jahre, also die nach dem
zweiten Weltkrieg entstanden sind. Diese Lieder sind teilweise
traditionell ausgerichtet, d.h. sie knüpfen eigentlich beim
herkömmlichen Kirchenlied an, sowohl in Sprache als auch in
Musik. Es gibt dann aber Melodien, die so dann auch mehr von der
Popmusik her kommen. |
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Den
Aktiven in den jungen Gemeinden ist das noch viel zu wenig. Aber
ohne einen aufgeschlossenen Kantor oder ein paar gute Laienmusiker
lässt sich mit den neuen Songs ohnehin nicht viel anfangen. Sie
leben von den Arrangements. Wie viel Popsound verträgt sich überhaupt
mit geistlichen Liedern? Und welche Stile? Wo sind die Grenzen?
Rolf Schweizer: |
O-Ton
17 (Prof. Rolf Schweizer, Pforzheim)
Ich würde sagen, es ist jede Musik geeignet, die nicht
gesundheitsschädigend ist. /.../ Ich würde jetzt nicht
empfehlen, zu laute Musik zu machen. Das heißt, ich würde auch
bitten, wenn man jetzt Rock oder Techno oder so was macht, dass
man die Lautstärke so macht, dass der Mensch nicht dran zugrunde
geht. |
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| Musik
17 a (Halleluja Mega-Night in Berlin, 31.05.96)
((absenken und dem Ot-Ton unterlegen))
O-Ton 13 (Halleluja
Mega-Night in Berlin, 31.05.96)
Pfarrer
Bernd-Jürgen Hamann:
Halleluja Mega Night im Techno-Sound.
Damit das Gotteslob vollständig wird. Amen.
So soll es sein. Und nun habt Freude und tanzt.
((hochziehen und noch ein Stück
spielen))
Musik 17 a (Halleluja Mega-Night in
Berlin, 31.05.96) |
* Peter Janssens starb
Heiligabend 1998. Aus der "Kirchenvolksbewegung" ein
kurzer Nachruf. |
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| Teil
4 (von 4) |

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