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2 (von 4) |

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O-Ton
5 (Dr. Peter Bubmann, Münster-Sarmsheim)
Im Moment sind wir mehr auf der Kuschelwelle, immer noch auf der
Psychowelle. Und das findet sich schon auch im Gesangbuch. Das ist
ja, denke ich mal, das, was in den Gemeinden vor Ort, das was am
beliebtesten ist, was gewünscht ist. Auch Kanones, einfache
Kanones. Darin spiegelt sich eigentlich eine theologische
Richtung, die sehr stark das Zu-sich-selbst-Finden, das
Harmoniefinden, das Die-eigene-Seele-Entdecken und
In-der-Seele-zur-Ruhe-Finden in den Vordergrund stellt. |
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Solche
Töne freilich entsprechen vor allem den Befindlichkeiten der
späten siebziger und frühen achtziger Jahre, als sich eine
andere Jugend ihre Ausdrucksformen in der Kirche schuf. Sie gibt
der mittleren Generation der Aktiven in den Gemeinden eine
emotionale Heimat. Die Sorge, wie die jungen Leute von heute und
morgen musikalisch zu gewinnen sind, ist den Kirchen geblieben. |
O-Ton
6 (Dr.Peter Bubmann, Münster-Sarmsheim)
Wer damit den Anspruch hegt, dass jetzt im Gesangbuch einige neue
geistliche Lieder rhythmischer Art drinstecken, auf die
gegenwärtige popkulturelle Lebenswelt heutiger junger Menschen
Bezug genommen würde, der würde sich gründlich täuschen. Aber
das tun die Leute auch gar nicht, die diese Lieder ins Gesangbuch
aufgenommen haben. Da sind neue Traditionen entstanden, nämlich
neue Formen von Kirchenmusik, die stärker rhythmisch orientiert
sind, die leichter aufzunehmen sind von den Hörern, die zum Teil
wenigstens noch Menschen erreichen, die ansonsten nur mit
popkulturellen musikalischen Welten aufwachsen. |
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((die
ersten 2 Sekunden dem O-Ton unterlegen, mit dem Text hochziehen))
Musik
5:
I
will follow him,
auf: Whoopi, Sister Act,
Hollywood 7 2061-61334-2 7, LC 0309
((nach dem
Solo, kurz nach Refrain „I will follow him" langsam
rausziehen)) |
Wenn
eure Songs nicht mehr so langweilig sind, wenn die Musik ansteckend wirkt
in der Kirche, dann kommen auch die Menschen wieder in die Gotteshäuser.
Das etwa ist die Botschaft dieses bekannten Whoopie-Goldberg-Films „Sister
Act". Ob die rhythmisch ein wenig aufgepeppten neuen geistlichen
Lieder solche Erwartungen erfüllen können, ist umstritten. Bertold
Höcker ist Pastor in der Arbeitsstelle für Gottesdienst und Kirchenmusik
der Evangelisch-lutherischen Kirche Nordelbien in Kiel. Als
Kirchenmusikdirektor hat er unter anderem mit der Fortentwicklung von
Gottesdiensten zu tun. Ihm sind diese kirchlichen Popsongs ein Gräuel:
O-Ton
7 (Interview KMDir Bertold Höcker, Kiel)
Ich finde, gut gemachten Pop und besonders gut gemachten Jazz für
die Kirche eine ganz wichtige Musizierform. Und es ist auch ganz
wichtig, dass wir sie in unsere Kirchen holen und sie pflegen.
Aber sie muss gut gemacht sein, und muss auch authentisch sein.
Ich würde gerne authentische Popmusik in der Kirche haben und
authentischen Jazz. Aber nicht in dem er in so 'ner speziellen -
ich sag's jetzt mal ganz hässlich - duttigen und muffigen
Kirchlichkeit adaptiert wird. Sondern, die Kirche braucht sich
doch vor nichts zu fürchten. Und dann kann sie auch die jeweils
authentischen Ausdrucksformen ihrer Zeit in ihren Mauern erklingen
lassen, wenn sie sich selber sicher ist, was denn ihre ureigene
Ausdrucksform ist. |
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Die
Frage ist, ob es solche ureigenen authentischen Ausdrucksformen
der Kirche überhaupt gibt. Auf jeden Fall ist ein authentischer
Ausdruck von großen Teilen der derzeitigen Jugendgeneration eine
Musik, die Puristen kaum als solche akzeptieren werden. Sie kennt
kaum noch Worte und erst recht keine physisch präsenten
Instrumente. Der Sound wird aus den Bits und Bytes eines
Computerspeichers moduliert: Techno. Manche seiner sphärischen
Varianten scheinen religiöse Sehnsucht auszudrücken. In den
Kirchen ist das aufmerksam registriert worden, doch richtig
vorbereitet sind sie darauf trotzdem nicht. Bisher jedenfalls gab
es nur wenige Versuche der Begegnung, und die waren oft
innerkirchlich und in der Öffentlichkeit heftig umstritten.
Vorreiter, Anfang 1996, war die Hauptkirche St.Katharinen in der
Hamburger Altstadt, u.a. mit den Trance-Techno-DJs Sven Väth und
Cosmic Baby: |
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((kurz
vorher unterlegen, ein Stück vor(!) dem Liedtext hochziehen))
Musik
6
Jam
El Mar (Funny How The Times Flies Mix),
auf: Cosmic Baby "Heaven's Tears,
MFS/Deutsche Schallplatten 7041-5, LC 6407
((in den
Text rausziehen)) |
Unter
dem Titel "Crusade" - Kreuzzug - sollten hier zwei Genres
aufeinander treffen: der durch die Hitparaden-Erfolge von Enigma und den
Mönchen von Silos unerwartet populär gewordene alte gregorianische
Choral und eben Techno.
Bertold
Höcker gehörte seinerzeit zu den Mitinitiatoren dieses Projektes in der
Hamburger St. Katharinenkirche. Er brachte seine bereits 1989 an der
Kieler St.Nikolai-Kirche gegründete gregorianische Choralschola zur
Crusade-Nacht mit.
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Musik 7
a
Offertorium
"Illustorum Animae",
auf: Kieler Kreuz - Gregorianischer Choral aus St.Nikolai zu Kiel
BH W 96, keine LC
((nach 10
Sekunden unter den Text ziehen, danach wieder hochziehen))
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O-Ton 8 (Interview KMDir Bertold
Höcker, Kiel)
"Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand und keine Qual der
Bosheit rührt sie mehr an. In den Augen der Unverständigen scheinen
sie zu sterben, aber sie sind im Frieden. Alleluja."
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Atmo 7 b
Offertorium
"Illustorum Animae",
auf: Kieler Kreuz - Gregorianischer Choral aus St.Nikolai zu Kiel
BH W 96, ohne LC
((kurz stehen
lassen, dann langsam in den Text rausziehen))
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O-Ton 9 (Interview KMDir Bertold
Höcker, Kiel)
Bei Techno ist es so, dass das eine Ekstase ist, die nach außen geht.
Sie tanzen sich die ganze Kraft, ihre religiöse Inbrunst, alles das,
was sie ausmacht, heraus. Es muss raus. Deswegen wird da geschrieen.
Deswegen sind die Tanzbewegungen so toll. Deswegen ist der Rhythmus so
mächtig. Und das ist auch eine Ausdrucksform des Religiösen.
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Aber wo
liegt das anregende Potential für den Vergleich zwischen Techno und
der für unsere Hörgewohnheiten heute so archaischen Gregorianik?
Was fasziniert Bertold Höcker an Techno?
O-Ton
10 (Interview KMDir Bertold Höcker, Kiel)
Das Wort Ekstase zum Beispiel. Das ist ja nun ein Wort, das
in unseren Liturgien ständig auftaucht: Exultate, Jubilate.
Es wird immer sehr schwach im Deutschen mit Jauchzen
wiedergegeben. Aber dieses Jauchzen ist aus der Kirche
ausgewandert. Aber das ist jetzt bei Techno. Und das
Interessante ist ja, dass sich zwischen Gregorianik und
Techno zwei Wege aufzeigen. Der Gregorianische Choral ist
doch eher eine Ekstase nach innen, denn er stellt die
Möglichkeiten bereit, dass sie mit sich selbst konfrontiert
werden und dadurch überhaupt Gelegenheit haben, sich
innerlich mit sich selbst auseinandersetzen zu können. Und
der Gregorianische Choral schafft ihnen die Ruhe und den
Raum dafür. |
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