| Teil
3 (von 4) |

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Für
die Musiker auf beiden Seiten war das offenbar eine spannende
Auseinandersetzung. In der Öffentlichkeit dagegen und selbst
innerhalb der Kirche wurde dieser Begegnungsversuch von
Gregorianik und Technomusik eher als ein Desaster wahrgenommen.
Denn das Techno-Publikum hat sich vor allem an der neuen,
ungewöhnlichen Location erfreut. Im Vordergrund der Mediendebatte
standen folglich die Techno-Drogen und die Sorge um den Missbrauch
des Kirchenraums. Aus der geplanten bundesweiten
Veranstaltungsserie mit diesem Crusade-Konzept wurde nichts.
Immerhin, andere Experimente mit Techno sind günstiger verlaufen.
Sie allerdings verstanden Techno als eine potentiell liturgische
Musik. In Berlin-Charlottenburg zum Beispiel lud die Junge
Gemeinde der Luisenkirche Ende Mai 1996 erstmals zu einer
liturgischen Nacht, einer Halleluja-Mega-Night |
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Musik
8 a
(Halleluja
Mega-Night in Berlin, 31.05.96)
((kurz
stehen lassen, dann unterlegen)) |
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| O-Ton
11 (Halleluja Mega-Night in Berlin, 31.05.96)
Pfarrer Hamann: Im Psalm 98
heißt es „Singet dem Herrn ein neues Lied“.
Wir können doch in der Kirche nicht immer das alte Lied singen. |
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((wieder
hochziehen, kurz stehen lassen))
Musik
8 b
(Halleluja
Mega-Night in Berlin, 31.05.96)
((langsam
unter der Moderation rausziehen)) |
Bernd-Jürgen
Hamann*) ist Jugendpfarrer an der Berliner Luisenkirche. Die stolze Parole
der Techno-Pioniere vor einigen Jahren, endlich ein Pop-Genre erfunden zu
haben, das keine Botschaft hat, wenden Pfarrer Hamann und seine Junge
Gemeinde im Gespräch mit der Berliner Techno-Szene in ein Manko: Ihr habt
die Sounds, aber keine Botschaft. Wir dagegen haben eine Botschaft. Einige
DJs - sie gestalten den Sound-Mix in den Techno-Clubs - ließen sich
überzeugen.
Sie
fanden das Kooperationsangebot reizvoll und spielten mit beim neuen Lied.
Im November schließlich kam auch der Bischof von Berlin-Brandenburg,
Wolfgang Huber, und sprach den Segen. Künftig wird es nun drei- bis
viermal im Jahr Techno-Messen geben in der Luisenkirche. Eine
Selbstverständlichkeit für Pfarrer Hamann:
O-Ton
12 (Pfarrer Bernd-Jürgen Hamann)
Im Psalm 150 werden alle Instrumente aufgezählt, die am
Jerusalemer Tempel notwendig waren, um das Gotteslob erklingen zu
lassen: die Harfen, die Zimbeln, die Pauken, die Trompeten, die
Hörner, ja sogar die Hackbretter werden da genannt. Zu diesen
Tempelinstrumenten ist inzwischen die Orgel hinzugekommen, ist
inzwischen das kammermusikalische Kirchenorchester hinzugekommen.
Dazu ist inzwischen längst der Synthesizer und die E-Gitarre
gekommen. Und das Gotteslob wäre unvollkommen, wenn nun nicht
auch der Techno-Sound dazukommt, um das Gotteslob vollständig zu
machen. |
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Auch
auf dem Leipziger Kirchentag im Juni 1997 bietet die Berliner
Luisenkirche Techno-Messen an. Für Bertold Höcker beginnt hier
der Sündenfall. Der musikalische Dialog ist eine Sache für ihn,
die Anpassung an zeitgenössische Strömungen populärer Musik
eine andere. Schon elektronisch verstärkte Musik gehört für ihn
nicht zu einem Sonntagmorgen: |
O-Ton
13 (Interview KMDir Bertold Höcker, Kiel)
Wir müssen, wenn wir glaubwürdig bleiben wollen, immer auf
authentische Musizierformen in unseren Gottesdiensten setzen. Also
vom Band oder gar über Lautsprecher darf nichts kommen. Das ist
zum Beispiel auch das zentrale Argument gegenüber elektronischen
Instrumenten. Weil das nicht authentisch ist, sondern über
Lautsprecher kommt, und dann, von der elektronischen Orgel zur CD
ist ja überhaupt kein Schritt mehr. Wenn jede Musikkultur ihre
authentische Ausdrucksweise beibehalten kann, dann können sie
sich rein begegnen. Und daraus kommt ne fruchtbare Spannung. Der
gregorianische Choral ist eine authentische Ausdrucksform der
Kirche. Und Techno ist eine authentische Ausdrucksform
gegenwärtiger Jugendkultur. Und unser Konzept war es, beide sich
authentisch begegnen zu lassen, denn natürlich trägt Techno
kultische Züge und hat starke religiöse Dimensionen. |
Peter
Bubmann, Experte für christliche Popularmusik und Mitglied des
Gottesdienstausschusses beim Deutschen Evangelischen Kirchentag stellt
ähnliche Überlegungen an, auch wenn er weniger traditionell denkt und
neue Varianten der Kirchenmusik nicht nur für legitim, sondern auch für
notwendig hält:
O-Ton 14 (Dr.Peter Bubmann,
Münster-Sarmsheim)
Man kann wegen mir gern mal ne Techno-Nacht in der christlichen Gemeinde
machen und damit signalisieren, ihr seid bei uns willkommen, ihr mit
eurer Techno-Kultur. Das deutet an, wir sind eine gastfreie Gemeinde.
Wir laden alle unterschiedlichen Milieus bei uns ein. Dennoch entbindet
das ja nicht von der Frage welche eigenen kulturellen Strömungen wir in
unser Gemeindeleben betonen wollen, welche wir auch besonders geeignet
halten, um die Botschaft des Glaubens, meinetwegen im Gottesdienst zu
vermitteln. Das ist noch mal eine eigene Aufgabe zu prüfen, was steckt
hinter solchen Bewegungen wie der Techno-Bewegung, wie können wir es in
unser Gemeindeleben umsetzen, wo müssen wir uns selbst auch verändern,
wo erfahren wir - jetzt mal theologisch gesprochen - im Medium solcher
Jugendkulturen, oder ja in der Popmusik, eine Art von Fremdprophetie,
die uns auf die Dinge hinweist, die bei uns in unserer Spiritualität zu
kurz kommen.
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Atmo
9
World
Wide Message Tribe:
The Year of The Lords Favour,
auf: Come follow Jesus - ein musikalischer Querschnitt
Pila Music CD 27268-2, LC 8632
((nach 34
Sekunden runterziehen, unter dem Text rausziehen))
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"World
Wide Message Tribe" Als einen Stamm weltweiter Botschafter
bezeichnet sich diese fromme Techno-Band aus dem englischen Manchester.
Ihre musikalischen Predigten vom Erlöser Jesus Christus tragen oben auf
der Bühne in knappen Worten und unterstützt von schnellen mächtigen
Beats je zwei schwarze und zwei weiße Frontsänger vor: in futuristisch
silbrigen Kostümen, während im Hintergrund sechs Teenies im milchigen
Dunst aus Nebelmaschinen tanzen. Christian Contemporary Music -
Zeitgenössische christliche Musik, kurz: CCM, heißt diese Sparte der
Popbranche. Sie wird zwar auch in Kirchen präsentiert, aber sie ist in
dieser Form genauso wenig liturgie- und damit gottesdienstfähig, wie
die Sounds der säkularen Technogrößen.
CCM
gehört zur missionarischen Offensive theologisch konservativer Christen
aus protestantischen Kirchen und Gemeinschaften. Dort glaubt man, dass
es in einer von Massenmedien geprägten Gesellschaft vor allem auf die
attraktive und zielgruppengerechte Inszenierung der eigenen Botschaft
ankommt, um in die verschiedenen Milieus der Gesellschaft eindringen zu
können. Schließlich werden diese Milieus zum Teil durch Musik
repräsentiert. CCM gibt es deshalb in allen Stilrichtungen moderner
Musik.
| Musik
10 (Collage CCM)
Mercy
River:
Elvis Has Left The Building, Jesus is coming soon,
auf: Feel it - New Country,
PILA Music CD 33124-2 - LC 8632
Mark
Farmer:
Judgement Day Blues
auf: Feel it!- Blues,
PILA Music CD 33123-2 - LC 8632
Hoodlums
Prayer
auf: T-Bone, Redeemed, Metro One MOCD 1172
Iona:
Irish Day
auf: Collection 3,
PILA-Music CD 27212-2 - LC 8632 |
Es
ist eine rundum professionell und gut gemachte Musik. Aber können
solche Klänge, die kommerziell erfolgreich sein wollen und eigentlich
ihren Weg in die Popcharts suchen, können christliche Stars auch
etwas dazu beitragen christliche Gemeinde neu zu bilden in einer Zeit
in der die Kirchen immer mehr an Rückhalt in der Gesellschaft
einbüßen? Peter Bubmann ist skeptisch, und er kann sich dabei auf
eine Untersuchung der Unternehmensberatungsfirma "McKinsey"
berufen:
*)
Pfarrer Bernd-Jürgen Hamann starb am
9. Juni 2004 im Alter von 62 Jahren an den Folgen eines
Autounfalls. Ein Nachruf
ist auf der Webseite von "Christ und Motorrad" zu finden.
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