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Kuschelsound statt Orgelklang
- Die neue Kirchenmusik ist umstritten -


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1997. 


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für Norddeutscher Rundfunk NDR 4
Sonntag, 16. Februar 1997, 17:30 - 18:00 Uhr

Teil 4 (von 4)

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O-Ton 15 (Dr.Peter Bubmann, Münster-Sarmsheim)
Da kann man natürlich entgegnen, dass uns McKinsey, dem Dekanat München empfiehlt, mehr Eigenprofil zu entwickeln. Und ich würde mich dem anschließen und sagen, dass eine reine Verdoppelung massenkultureller Phänomene mit einem leichten religiösen Touch nicht die Lösung unserer Probleme bietet. Vielmehr müssen wir eigenes Profil entwickeln. Und das kann heißen, dass wir gerade Gegenspiele, Grenzgänge ermöglichen in einer ansonsten ziemlich total durch die Massenkultur verwalteten und geprägten Gesellschaft. Auf der Grenze leben als kulturell interessierte Theologin oder Theologe heißt eben beides wahrzunehmen: die gegenwärtige Kultur wirklich auch auf mich wirken zu lassen, also sie nicht nur als Missionsfeld, wie es die Evangelikalen tun, zu verstehen, sondern den eigenen Glauben in seinen Ausprägungen durchaus auch prägen zu lassen von der gegenwärtigen Kulturform. Auf der anderen Seite, den Anschluss bewusst zu suchen an frühere Traditionen, das nicht vorschnell aufzugeben, weil Traditionen, vor allem spirituelle Traditionen sind nicht aus dem Boden zu stampfen.

((bei 1:18 unterlegen, ab 1:22 oben))

Musik 11

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
auf: Liederfest anlässlich der Einführung des neuen Evangelischen Gesangbuchs -
Live-Mitschnitt aus der GRUGA-Halle Essen 
FFFZ 4 027619001965, ohne LC

((mit dem Ausklang der Musik davor unmerklich verblenden))

Musik 12

Nun freut euch, lieben Christen gemein,
auf: "Ein feste Burg ist unser Gott" -
Matthias Eisenberg improvisiert über Choräle von Martin Luther
ram 59131, LC 7219

((in den O-Ton langsam rausziehen))

 
O-Ton 16 (KMDir Wolfgang Teichmann, Hannover)
Kirche ohne Musik? Undenkbar. Kirche, die einen hohen Sprachanteil hat, erreicht niemand mehr. Das Medium Musik ist ein ganz, ganz zentrales Medium, und das brauchen wir einfach. Deswegen halte ich Kirchenmusik fast für wichtiger als eine stark an der Wortverkündigung ausgerichtete Kirche. Das muss gut zusammenkommen, und die Möglichkeiten der Verzahnung müssen noch viel stärker in Blick genommen werden, also Musik und Text in Verbindung. Oder Musik als Unterlegung von Text. Oder Musik als Unterbrechung von Text in einem guten Verhältnis zueinander. Und da hat die Popularmusik für mich große Qualitäten in ihrer Vielschichtigkeit, Vielseitigkeit vom Meditativen bis hin zum Ekstatischen, vom Zuhören zum Mitmachen. Alle Varianten sind möglich. Und ich weiß einfach, dass viele Menschen in dieser Klangwelt, die die Musik mittransportiert, auch zu Hause sind über das tägliche Radiohören.

Wolfgang Teichmann ist Kirchenmusiker. Er leitet die Arbeitsstelle Gottesdienst und Kirchenmusik der Evangelisch-lutherischen Kirche in Hannover. Anders als sein Kieler Kollege, setzt er in seiner Arbeit einen starken Akzent darauf, auch den populären Musikstilen den Einzug in den Kirchenraum zu ermöglichen und dazu beizutragen, dass die Musiker im Umgang damit ein achtbares Niveau entwickeln, eines, dass auch dem jeweiligen musikalischen Genre gerecht wird.

O-Ton 17 (KMDir Wolfgang Teichmann, Hannover)
Es gibt in dem Sinne keine in sich schon legitimierte Kirchenmusik. Es gibt Musik in der Kirche, und Musik ist erst mal völlig neutral. Wenn ich einen Dreiklang spiele, kann ich nicht erkennen, ob das eine Kirchenmusik ist oder eine weltliche Musik. Das geht einfach nicht, sondern sie wird erst zur Kirchenmusik, wenn ich sie in einem - wie auch immer gearteten - kirchlichen Zusammenhang stelle.

((Eijeijei... ein Stück dem vorigen Text unterlegen))

Musik 12 

(AGM, Konzertprobe in Hage/Norden)
Du bist meine Freude, du bist meine Sehnsucht

((nach 15 Sekunden rausziehen und unterlegen))

Hage bei Norden in Ostfriesland. Anfang August 1996. In der Evangelisch-lutherischen Kirche wird geprobt. Die Arbeitsgemeinschaft Musik in der Evangelischen Jugend der Hannoverschen Landeskirche ist drei Wochen lang unterwegs auf Sommertournee - mit Musikern und Band. Hier läuft ein Workshop. In der ersten Woche haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich gemeinsam ein Programm erarbeitet: ein paar christliche Songs und ein paar populäre Rocknummern. Damit ziehen sie nun jeden zweiten Tag an einen anderen Ort. Soundcheck und Proben in Gemeindehäusern und Kirchen, dann raus auf die Straße, um ein Publikum für den Abend zusammenzusingen. Praxistest. Die Ergebnisse sind musikalisch noch nicht immer befriedigend. Und an Experimente mit Techno und Hiphop ist handwerklich noch nicht zu denken. Aber die Leute kommen. Es ist mal was anderes.

Die Religionspädagogin Sabine Simon gehört zum Leiterteam in Norden. Für sie ist klar, wohin die Reise künftig gehen muss in der Kirche:

O-Ton 18 (Sabine Simon, Arbeitsgemeinschaft Musik)
Also ich halte Musik für ein Ur-Ausdrucksmittel von Menschen und von Religion, und deswegen halte ich es erst mal prinzipiell für der Kirche das zugehörigste kulturelle Element, sage ich mal. Und Musik ist auch immer Ausdruck der jeweiligen Zeit. Und die Musik, die mich geprägt hat, die gibt’s in der Kirche kaum, die möchte ich da aber gerne haben.

((hart ansetzen))

Musik 13 

 „Nun danket alle Gott",
auf: frank & chris „In dir ist Freude"
BTM 2, LC 6096

((nach Bedarf ausspielen))


Teil 4 (von 4)

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