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Wie Musik zur Predigt werden kann
- Eindrücke von einem internationalen Kongress für "Neue Musik" in der Kirche -


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1997. 


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für Schweizer Radio DRS 2 - Besinnung am Sonntag: Blickpunkt Religion
Sonntag, 30. November 1997, 08:30 - 09:00 Uhr

Teil 3 (von 3)

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Musik 6

Klaus Huber + Les jeunes solistes, Paris,
aus: Lamentationes sacrae et profanae ad Resondoria lesualdi(1997)
Mitschnitt DRS 2 Klosterkirche Kartause Ittingen, 17.11.97

Solche sozial engagierten geistlichen Stücke leiden freilich nicht nur an der problematischen Textverständlichkeit. Sie leiden als Konzert- oder liturgische Stücke darüber hinaus daran, dass sie auch musikalisch nicht unmittelbar verständlich sind. Um zu Neuer Musik einen angemessenen Zugang zu finden, ist deshalb ein Lernprozess nötig, meint Klaus Röhring, Oberlandeskirchenrat und Referatsleiter für Kirche und Kunst im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck. Er beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Förderung Neuer Musik in der Kirche.

O-Ton 9 (Dr. Klaus Röhring, Kassel)
Adäquates Hören dieser Musik wäre, wenn wir fähig sind und uns befähigen das Spiel dieser Musik in Gedanken und Hören mitzuspielen, das Subjekt kann natürlich auch die Musik so hören, dass es die Projektion eigener Gefühle wird. Dann hat man nur die eigenen Gefühle wiederentdeckt, oder man findet seine Gefühle nicht bestätigt. Adäquates Hören im Sinne des musikalischen Hörens wäre, das Spiel der Musik mitzuspielen. Wenn wir uns damit beschäftigen mit dem Musikwerk, seine Geschichte, seine Umwelt, das Biographische des Komponisten wissen und wenn wir ganz besonders eine Werkanalyse vornehmen, also in die Partitur sehen und versuchen, das zu verstehen, was da gespielt wurde, oder der Organist, der hoffentlich, bevor er spielt, und wenn er spielt eine Analyse dieses Werkes vollzieht. Dieses erkennende Verstehen bedeutet aber, dass zum ästhetischen Verstehen, also zum direkten Wahrnehmen der Musik, eine Distanz entsteht. Es entsteht eine Distanz zur Musik. Dieses erkennende Verstehen geht dann über in ein ästhetisch-erkennendes als sinnbildlich erkennendes Verstehen in dem nämlich eine nächste Stufe erreicht wird in dem nämlich die musikalische Struktur, der Sinn und emotionale Gehalt wieder zueinander gebracht werden. Das heißt, dass ich das Wissen um diese Musik und ihre Analyse zusammenbringe mit dem, was ich gehört, empfunden und wahrgenommen haben als Mitspielender dieser Musik.

O-Ton 10 (Workshop Beat Schäfer)
Wir singen eine Tontraube, die strukturiert ist, diatonisch mal fürs erste. Das ist ein Spiel, und das machen wir jetzt, in dem wir auf Ja, Ja, Ja singen.

Gesang

((absenken und unter den Text rausziehen))

Beat Schäfer leitet die Kantorenausbildung der Landeskirche des Kantons Zürich. Auf dieser Konferenz im Kloster Ittingen ließ er sich kurzfristig für ein kleines Projekt einspannen. Die rund 150 Kantoren, Kirchenmusiker und Pfarrer beider Konfessionen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und Teilen Nord- und Osteuropas hatten den dringenden Wunsch etwas zu lernen, was sie unmittelbar in ihren Gemeinden umsetzen können, vor allem um mit ihren Chören schrittweise Formen Neuer Musik auszuprobieren.

O-Ton 11 (Workshop Beat Schäfer)
Zugang zu Neuer Musik macht man nicht mit Happenings, sondern dadurch, dass ich selbstverständlich immer wieder Dinge, die neu sind, einbeziehe. Und neu heißt auch nicht einfach Musik des 20. Jahrhunderts, sondern Neues, was ich nicht gewohnt bin. Was ich möchte, ist das Trainieren von Hörerfahrung auch, das Trainieren von Praktiken, von Techniken.

 

Musik 7

Klangvariation zu „Wer nur den lieben Gott lässt walten"
Workshop Beat Schäfer:

O-Ton 12 (Workshop Beat Schäfer)
Und jetzt machen wir es so: Wir singen alle diese Melodie, die Frauenstimme, alle zusammen, und ich gebe das Zeichen, welche hier einfach stehen bleiben. Und:

Gesang

Das Tolle an diesen Sachen ist, das es die Eigeninitiative der Sängerinnen, des Sängers fördert. Und das ist was sie wollen, egal zu welcher Musik. Und dass sie zu ihrer Stimme stehen, so brüchig sie ist, so kräftig wie sie ist, so edel wie sie ist. Und so weiter.

Diese Übungen blieben für die praktische Gemeindearbeit leider das einzige Erfahrungsfeld im Rahmen dieses Kongresses. Der Rest war neben Referaten und Gesprächen Konzertdemonstrationen und durchkomponierten Gottesdiensten gewidmet, und der Beteiligung der Gemeinde. Der Komponist Daniel Glaus ist da zurückhaltend:

O-Ton 13 (Daniel Glaus, Biel)
Mir persönlich ist es immer etwas peinlich, wenn ein Glaubensbekenntnis oder ein Gebet oder irgend etwas mitgesprochen werden muss im Gottesdienst drin. Gemeindelieder, da habe ich auch ein gebrochenes Verhältnis dazu, weil ich einfach sehe, wie das so läuft, wie schlecht hier in unserem Raum die Gemeindelieder gemacht werden, wie nicht gesungen wird, wie geschwiegen wird und wie dann die Orgel auf weiter Flur allein vielleicht mit einem etwas stärkeren singenden Pfarrer aber in anderem Tempo gemacht wird. Ich meine, dass die Gemeinde auch beteiligt werden kann ohne solche für mich etwas äußerlichen Dinge wie mitsingen oder mitsprechen. Es gibt auch eine innerliche Beteiligung, Mitbeteiligung.

Der schwedische Komponist Hans-Ola Ericsson dagegen findet den Gedanken unangenehm die Gemeinde als Publikum zu betrachten:

O-Ton 14 (Professor Hans-Ola Ericsson, Luleå/Schweden + Bremen)
Das finde ich also nicht besonders gut. Ich glaube, ich weiß nicht wie es hier ist, etwa 20% aller Schweden singen in Chören mit. Das ist schon enorm. Und in den Kirchen wird gesungen. Die Schweden singen sehr gerne. Und für mich ist Gemeindegesang also der Kern. Und deswegen habe ich auch die Komponisten, die dann Aufträge bekommen haben, die sollten dann alles komponieren. Nicht nur die Choralvorspiele oder Improvisationsangaben, sondern auch die Hymnen, Gesang, alles, was gesungen ist. Und das ist schön, und das ist schwierig.

Beide großen Glaubensgemeinschaften, die Reformierten wie auch die römisch-katholische Kirche werden im Laufe des nächsten Jahres neue Kirchengesangbücher einführen. Es scheint allerdings nicht so leicht zu sein, dafür ein paar Lieder zu gewinnen, die Elemente der Neuen Musik aufnehmen, weiß ein Mitglied der reformierten Gesangbuch-Kommission zu berichten, Christoph Wartenweiler:

O-Ton 15 (Christoph Wartenweiler, Frauenfeld)
Wir haben von der Gesangbuchkommission etliche Texte ausgeschrieben, um neue Melodien zu kriegen, die gemeindefähig sind. Und wir waren entsetzt. Vor allem, was nicht gekommen ist. Wo sind die Komponisten, die gemeindefähige neue Melodien erarbeiten.

Ob eine Gemeinde diese neuen Melodien dann singt,  ist erst in zweiter Linie davon abhängig, wie schwer oder leicht eine Melodie ist.

O-Ton 16 (Christoph Wartenweiler, Frauenfeld)
Die Gemeinde singt so, wie der Organist spielt, und wie der Organist die Gemeinde erzogen hat und wie der Chorleiter die Gemeinde erzogen hat. Ich kann die Gemeinde begleiten auf einem Prinzipal alleine, und sie singt.
Musik 8

„Psalmkonzert“ von Heinz-Werner Zimmermann,
Bárry McDaniel + Chöre + Instrumentalisten:
auf: neue musik in der kirche,
Cantate – Musicaphon C58009, LC0147

((nach Bedarf ausspielen))


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