| Teil
3 (von 3) |

|
|
|
Musik 6
Klaus
Huber + Les jeunes solistes, Paris,
aus: Lamentationes sacrae et profanae ad Resondoria
lesualdi(1997)
Mitschnitt DRS 2 Klosterkirche Kartause Ittingen, 17.11.97 |
|
Solche
sozial engagierten geistlichen Stücke leiden freilich nicht nur
an der problematischen Textverständlichkeit. Sie leiden als
Konzert- oder liturgische Stücke darüber hinaus daran, dass sie
auch musikalisch nicht unmittelbar verständlich sind. Um zu Neuer
Musik einen angemessenen Zugang zu finden, ist deshalb ein Lernprozess
nötig, meint Klaus Röhring, Oberlandeskirchenrat und
Referatsleiter für Kirche und Kunst im Landeskirchenamt der
Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck. Er beschäftigt sich schon
seit Jahren mit der Förderung Neuer Musik in der Kirche. |
O-Ton
9 (Dr. Klaus Röhring, Kassel)
Adäquates Hören dieser Musik wäre, wenn wir fähig sind und uns
befähigen das Spiel dieser Musik in Gedanken und Hören
mitzuspielen, das Subjekt kann natürlich auch die Musik so
hören, dass es die Projektion eigener Gefühle wird. Dann hat man
nur die eigenen Gefühle wiederentdeckt, oder man findet seine
Gefühle nicht bestätigt. Adäquates Hören im Sinne des
musikalischen Hörens wäre, das Spiel der Musik mitzuspielen.
Wenn wir uns damit beschäftigen mit dem Musikwerk, seine
Geschichte, seine Umwelt, das Biographische des Komponisten wissen
und wenn wir ganz besonders eine Werkanalyse vornehmen, also in
die Partitur sehen und versuchen, das zu verstehen, was da
gespielt wurde, oder der Organist, der hoffentlich, bevor er
spielt, und wenn er spielt eine Analyse dieses Werkes vollzieht.
Dieses erkennende Verstehen bedeutet aber, dass zum ästhetischen
Verstehen, also zum direkten Wahrnehmen der Musik, eine Distanz
entsteht. Es entsteht eine Distanz zur Musik. Dieses erkennende
Verstehen geht dann über in ein ästhetisch-erkennendes als
sinnbildlich erkennendes Verstehen in dem nämlich eine nächste
Stufe erreicht wird in dem nämlich die musikalische Struktur, der
Sinn und emotionale Gehalt wieder zueinander gebracht werden. Das
heißt, dass ich das Wissen um diese Musik und ihre Analyse
zusammenbringe mit dem, was ich gehört, empfunden und
wahrgenommen haben als Mitspielender dieser Musik. |
|
|
O-Ton 10
(Workshop Beat Schäfer)
Wir singen eine Tontraube, die strukturiert ist,
diatonisch mal fürs erste. Das ist ein Spiel, und das machen wir
jetzt, in dem wir auf Ja, Ja, Ja singen.
Gesang
((absenken und
unter den Text rausziehen)) |
|
Beat
Schäfer leitet die Kantorenausbildung der Landeskirche des
Kantons Zürich. Auf dieser Konferenz im Kloster Ittingen ließ er
sich kurzfristig für ein kleines Projekt einspannen. Die rund 150
Kantoren, Kirchenmusiker und Pfarrer beider Konfessionen aus dem
gesamten deutschsprachigen Raum und Teilen Nord- und Osteuropas
hatten den dringenden Wunsch etwas zu lernen, was sie unmittelbar
in ihren Gemeinden umsetzen können, vor allem um mit ihren Chören
schrittweise Formen Neuer Musik auszuprobieren.
O-Ton
11 (Workshop Beat Schäfer)
Zugang zu Neuer Musik macht man nicht mit Happenings,
sondern dadurch, dass ich selbstverständlich immer wieder
Dinge, die neu sind, einbeziehe. Und neu heißt auch nicht
einfach Musik des 20. Jahrhunderts, sondern Neues, was ich
nicht gewohnt bin. Was ich möchte, ist das Trainieren von
Hörerfahrung auch, das Trainieren von Praktiken, von
Techniken. |
|
|
Musik 7
Klangvariation
zu „Wer nur den lieben Gott lässt walten"
Workshop Beat Schäfer: |
|
|
O-Ton 12
(Workshop Beat Schäfer)
Und jetzt machen wir es so: Wir singen alle diese Melodie, die
Frauenstimme, alle zusammen, und ich gebe das Zeichen, welche hier
einfach stehen bleiben. Und:
Gesang
Das Tolle an diesen
Sachen ist, das es die Eigeninitiative der Sängerinnen, des
Sängers fördert. Und das ist was sie wollen, egal zu welcher
Musik. Und dass sie zu ihrer Stimme stehen, so brüchig sie ist,
so kräftig wie sie ist, so edel wie sie ist. Und so weiter. |
|
Diese
Übungen blieben für die praktische Gemeindearbeit leider das
einzige Erfahrungsfeld im Rahmen dieses Kongresses. Der Rest war
neben Referaten und Gesprächen Konzertdemonstrationen und
durchkomponierten Gottesdiensten gewidmet, und der Beteiligung der
Gemeinde. Der Komponist Daniel Glaus ist da zurückhaltend: |
O-Ton
13 (Daniel Glaus, Biel)
Mir persönlich ist es immer etwas peinlich, wenn ein
Glaubensbekenntnis oder ein Gebet oder irgend etwas mitgesprochen
werden muss im Gottesdienst drin. Gemeindelieder, da habe ich auch
ein gebrochenes Verhältnis dazu, weil ich einfach sehe, wie das
so läuft, wie schlecht hier in unserem Raum die Gemeindelieder
gemacht werden, wie nicht gesungen wird, wie geschwiegen wird und
wie dann die Orgel auf weiter Flur allein vielleicht mit einem
etwas stärkeren singenden Pfarrer aber in anderem Tempo gemacht
wird. Ich meine, dass die Gemeinde auch beteiligt werden kann ohne
solche für mich etwas äußerlichen Dinge wie mitsingen oder
mitsprechen. Es gibt auch eine innerliche Beteiligung,
Mitbeteiligung. |
|
Der
schwedische Komponist Hans-Ola Ericsson dagegen findet den
Gedanken unangenehm die Gemeinde als Publikum zu betrachten: |
O-Ton
14 (Professor Hans-Ola Ericsson, Luleå/Schweden + Bremen)
Das finde ich also nicht besonders gut. Ich glaube, ich weiß
nicht wie es hier ist, etwa 20% aller Schweden singen in Chören
mit. Das ist schon enorm. Und in den Kirchen wird gesungen. Die
Schweden singen sehr gerne. Und für mich ist Gemeindegesang also
der Kern. Und deswegen habe ich auch die Komponisten, die dann
Aufträge bekommen haben, die sollten dann alles komponieren.
Nicht nur die Choralvorspiele oder Improvisationsangaben, sondern
auch die Hymnen, Gesang, alles, was gesungen ist. Und das ist
schön, und das ist schwierig. |
Beide
großen Glaubensgemeinschaften, die Reformierten wie auch die
römisch-katholische Kirche werden im Laufe des nächsten Jahres neue
Kirchengesangbücher einführen. Es scheint allerdings nicht so leicht zu
sein, dafür ein paar Lieder zu gewinnen, die Elemente der Neuen Musik
aufnehmen, weiß ein Mitglied der reformierten Gesangbuch-Kommission zu
berichten, Christoph Wartenweiler:
O-Ton
15 (Christoph Wartenweiler, Frauenfeld)
Wir haben von der Gesangbuchkommission etliche Texte
ausgeschrieben, um neue Melodien zu kriegen, die gemeindefähig
sind. Und wir waren entsetzt. Vor allem, was nicht gekommen ist.
Wo sind die Komponisten, die gemeindefähige neue Melodien erarbeiten. |
|
Ob
eine Gemeinde diese neuen Melodien dann singt,
ist erst in zweiter Linie davon abhängig, wie schwer oder
leicht eine Melodie ist. |
O-Ton
16 (Christoph Wartenweiler, Frauenfeld)
Die
Gemeinde singt so, wie der Organist spielt, und wie der Organist
die Gemeinde erzogen hat und wie der Chorleiter die Gemeinde
erzogen hat. Ich kann die Gemeinde begleiten auf einem Prinzipal
alleine, und sie singt. |
|
| Musik
8
„Psalmkonzert“
von Heinz-Werner Zimmermann,
Bárry McDaniel + Chöre + Instrumentalisten:
auf: neue musik in der kirche,
Cantate – Musicaphon C58009, LC0147
((nach Bedarf ausspielen)) |
|
|