zur Übersicht "Schwerpunkt Musik"

Autor:

Titel:

Stichwörter:
Erstausgabe
Signiert


Für Inhalte und Verlässlichkeit von  externen Webseiten übernehme ich keine Verantwortung!

Noten bei Notenbuch.de

 

 

Das Deutsche Liturgische Institut und die Musik der Kirche.
Was einen katholischen Gottesdienst ausmacht,
 und wie er sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verändert hat


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1999. 


Hyperlinks
sollten aktuell sein. Bei fehlerhaften oder toten URLs bitte ich um ein kurzes E-Mail mit Hinweis auf die entsprechende Seite und den Link. Danke.


Links


für Deutschlandfunk - Musikszene Deutschland: Rheinland-Pfalz
Sonntag, 9. Mai 1999, 15:05 - 15:58 Uhr

Teil 2 (von 6)

Zurück zur Teil 1

weiter zu Teil 3

 


Lieder, die die Gemeinde oder ein Chor singt, sind nur ein Teil davon. Katholische Gottesdienstfeiern kennen noch einige andere Gesänge. Die, für die Gemeinde, stehen im Katholischen Gebet- und Gesangbuch "Gotteslob". Außer in der deutschsprachigen Schweiz wird der Stammteil im gesamten deutschen Sprachraum verwendet, ergänzt um eigene regionale Anhänge. Die zur Zeit gültige Ausgabe ist zwar fast ein Vierteljahrhundert alt, aber noch*) denkt niemand an eine Revision. Die neuen Gesangbücher der Evangelischen Kirchen dagegen sind erst wenige Jahre alt, und die der Protestanten und Katholiken in der deutschsprachigen Schweiz wurden sogar erst im letzten Jahr in den Gemeinden eingeführt. Die zuständigen Gremien haben sich deshalb offenbar entschlossen, abzuwarten. Die Aufgabe des Instituts ist es nun zu beobachten: wie bewähren sich diese neuen Bücher? Zünden sie in ihren Gemeinden? Welche Teile der Repertoires überschreiten konfessionelle Grenzen, oder die von Regionen oder Diözesen?

O-Ton 6 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier)
Sehr vieles ist auch Tradition, in der ja jede Gemeinde steht und jede Diözese. Selbst ein neues gemeinsames Gesangbuch kann nicht vergessen lassen, dass die Gemeinden, für die es gedacht ist, Jahrhunderte lang schon gesungen haben und ihre eigenen Lieder hatten, ihre eigenen Weisen, ihre eigenen Texte und dass sie ein Erstgeburtsrecht haben auch an diesem Buch enthalten zu sein. Die Gemeinden haben die Pflicht, dieses Erbe zu pflegen, statt es zugunsten eines großen gemeinsamen Buches aufzugeben. Und das ist die Frage aller, die Gesangbücher machen, was kommt hinein, und wie verhält sich das Eigengut einer Diözese oder Gemeinde zu dem, was allen gemeinsam sein muss, damit aus verschiedenen Gründen eben nicht das ein- und selbe Lied in jeder Gemeinde auf eine andere Melodie mit anderen Strophen gesungen wird. Das ist auch eine sinnvolle Sache, dass Regionen Lieder haben, die man anderswo nicht singt oder auch nicht singen möchte. Man soll nicht mit Gewalt eine Messe von Michael Haydn oder Franz Schubert dorthin exportieren, wo sie nie heimisch war, aber den Österreichern auch nicht unbedingt wegnehmen, so lang die Sache noch lebendig ist und von den Leuten auswendig jederzeit mit allen Strophen meist noch mehrstimmig gesungen werden kann.

Musik 4

Gloria,
auf: Schubert "Deutsche Messe",
EMI Laser CDZ 7627632, LC0110

((nach ca. 57" zügig rausziehen))

O-Ton 7 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier)
Wir arbeiten zu Händen der Liturgiekommission, und die wiederum zu Händen der Bischofskonferenz, der sie zugeordnet ist. In der Zeit, wo ein Buch noch einigermaßen frisch ist und nicht sozusagen ausgesungen und die Leute dringend was anderes brauchen, bleibt fast nur, dass man den Markt beobachtet, dass man gute Dinge registriert, dass man, wenn jemand was will, ihn auf dieses und jenes hinweisen kann, damit er es als Quelle für etwas benutzt um daraus zu schöpfen für eigene Liederbücher quasi oder für einen bestimmten Anlass etwas braucht, aber mehr ist in dieser Zwischenzeit an sich nicht möglich, außer die begleitenden Maßnahmen, um ein Buch wirklich einzuführen, lebendig zu erhalten und den Leuten Freude daran zu geben, ob das jetzt Begleitstücke sind für Instrumente, Chorsätze, hymnologische Literatur.

Besondere Anlässe freilich sind auch Gelegenheiten, Lieder neu auszuprobieren. Die Katholikentage zum Beispiel. Manche ziehen von dort später in das offizielle Repertoire der Kirche ein, ins Gesangbuch, und repräsentieren dort Themen, die viele katholische Christen bewegen. Etwa: "Sucht neue Worte, das Wort zu verkünden!" Im KG, dem neuen Katholischen Gesangbuch der deutschsprachigen Schweiz, gehört es zum Kanon der Lob- und Danklieder - eine Aufnahme vom Deutschen Katholikentag in Aachen 1986: "Singt dem Herrn alle Völker und Rassen!".

Musik 5

"Singt dem Herrn alle Völker und Rassen",
auf CD 2: 150 Jahre Deutsche Katholikentage 1848 - 1998,
Weltbild Wort/ DeutschlandRadio,
Gema 704643, LC4641

Es geht aber nicht unbedingt immer um neue Lieder.

Um Lieder, die bereits im Gotteslob stehen, lebendig zu erhalten oder sie lebendig werden zu lassen, brauchen sie u.U. nur ein neues Umfeld, ein Beispiel für ein anderes Arrangement. Aber auch neue Lieder sollen ausprobiert werden können. 1994 gab das Deutsche Liturgische Institut dafür das Gebet- und Liederbuch "Unterwegs" heraus - gemeinsam mit der Organisation der katholischen Laien, dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. Seit 1998 gibt's dazu separat eine CD mit modernen Arrangements und einen Themenschlüssel.

O-Ton 8 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier) 
Da man nicht nur ein Büchlein auf den Markt bringen wollte, ohne jede Bei-Publikation, hatten wir eben ein Stichwortregister gemacht nach verschiedensten Gesichtspunkten die ganzen Strophen zum Teil sehr detailliert aufgeschlüsselt, dann zentrale Stichworte für ein bestimmtes Lied noch einmal, dann die ganzen biblischen Anklänge: Irgendwas, was in einer Zeile nach einem Bibelvers klingt, wurde alles herausgezogen und systematisiert. Wenn mal jemand einen Schrifttext hat und sagt, ich such' ein Lied, vielleicht kommt wenigstens etwas aus dieser Perikope, aus diesem biblischen Abschnitt drin vor. Und dann findet er ein Lied, wo in irgendeiner Strophe vielleicht das zitiert wird.

Musik 6

In der Mitte der Nacht,
auf: "Unterwegs" - Lieder und Gesänge. Eine Auswahl,
VzF Deutsches Liturgisches Institut, Best.-Nr.7113

((nach ca. 53" vor dem O-Ton ausblenden))

O-Ton 9 (Prof. Dr. Balthasar Fischer, DLI-Trier) 
Es geht um den Dienst der Gemeinde vor Gott. Und dieser Dienst hat bestimmte, von Anfang  an bestimmte Formen gehabt. Man war immer sich bewusst, dass man das nicht beliebig machen kann,  nicht so, wie es einem gerade einfällt. Das sind vielleicht Zustände des Anfangs, das man ein gewisse Naivität hat, eine Liturgie, die sich langsam festigt, die der Besitz aller werden soll, die auch keine extremen Forderungen an die Teilnehmer  stellt durch außergewöhnliche Äußerungen. Das muss dann langsam sich festigen lassen. Und dann entstehen gottesdienstliche Formen, in denen der Kontakt zwischen der Gemeinde und ihrem Erlöser formuliert werden kann.

Balthasar Fischer, seit 1981 emeritierter Professor für Liturgiewissenschaft in Trier und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Liturgischen Instituts.

Dass diese Aufgabe, der Liturgie in den deutschsprachigen Ländern eine zeitgemäße Struktur zu geben, nach Trier an die westliche Grenze des deutschen Sprachraums ging, hatte nichts zu tun mit einer bewussten Entscheidung für die im Mittelalter für das Christentum einst so bedeutende Stadt. Das war eher dem Zufall geschuldet. Der Trierer Generalvikar war Mitte der vierziger Jahre Mitglied der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz - und (!) bereit, die Kosten zu tragen. Das bedeutete, einen Geistlichen "fulltime" zur Verfügung zu stellen, um ein solches Institut aufzubauen. Den eigentlichen Anstoß dazu aber gab zuvor ein Sendschreiben des Papstes. Balthasar Fischer erinnert sich:

O-Ton 10  (Prof. Dr. Balthasar Fischer, DLI-Trier) 
Papst Pius XII hatte in diesem Jahr 1947, im Spätjahr 1947 einen Rundbrief, eine sogenannte Enzyklika herausgegeben, die mit den lateinischen Worten "Mediato Deï" beginnt und hatte zum ersten Mal in der Geschichte solcher Veröffentlichungen sich grundsätzlich zur Frage des Gottesdienstes geäußert. Das hatte bisher nicht stattgefunden, trotz des Gewichtes, das man der Liturgie in allen Jahrhunderten gegeben hat. Man ist nie auf den Gedanken gekommen, dass man reflex über dieses Geschehen des Gottesdienstes sich mit der Stimme der höchsten Autorität oder der Stimme des Konzils, dass man sich zu diesen Dingen äußern könnte.

*) Das galt 1995. Seit dem Frühjahr 2002 arbeitet eine Unterkommission der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz an der Revision des katholischen Gebet- und Gesangbuches "Gotteslob". (siehe dazu: Interview mit Joachim Kardinal Meissner in der Ausgabe 2002/ 1 der Zeitschrift "Musica Sacra": Das katholische Gesangbuch als "Vademecum"

(weiter im Manuskripttext)


Teil 2 (von 6)

Zurück zu Teil 1

weiter zu Teil 3  

Zurück zur Eingangsseite "Tradition, Erneuerung & die liturgische Musik der Kirche(n)"