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Das Deutsche Liturgische Institut und die Musik der Kirche.
Was einen katholischen Gottesdienst ausmacht,
und wie er sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verändert hat


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1999. 


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für Deutschlandfunk - Musikszene Deutschland: Rheinland-Pfalz
Sonntag, 9. Mai 1999, 15:05 - 15:58 Uhr

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An der Basis der Gemeinden geschah das gleichwohl. Im 19. Jahrhundert noch eher vereinzelt. Aber als 1909 der Benediktiner Lambert Beaudin auf einem Katholikentag im belgischen Mecheln Ideen zur Demokratisierung der Liturgie vorträgt und dafür rauschenden Beifall erhält, brechen Diskussionen dazu überall auf. In Deutschland zunächst nur in Benediktinerklöstern wie Maria Laach, dann aber auch unter den katholischen Jugendverbänden, die mit dem Schwung der deutschen Jugendbewegung eine volksliturgische Bewegung unter den Katholiken auslösen. Die Gläubigen wollen mitfeiern und nicht nur andächtig dem Priester und seinen Ministranten beim Vollzug der Messe zuschauen. Dieser Geist wird nach dem zweiten Weltkrieg wieder lebendig.

O-Ton 11 (Prof. Dr. Balthasar Fischer, DLI-Trier) 
Es ging ja um eine lateinische Liturgie, die fest gemauert dastand, und wo der Durchschnittsgläubige überhaupt nicht heranrühren konnte, weil er kein Wort verstand. Und das war etwas, was ein großer Gegenstand der Diskussion war, soll man das so beibehalten? Soll man auf ewige Zeiten in der Katholischen Kirche Gottesdienst feiern, dessen Texte niemand verstehen kann, es sei denn er habe das Glück gehabt, in seiner Kindheit Latein zu lernen. Und auch die, die Latein gelernt haben, gestehen uns immer wieder, dass das noch nicht bedeutet, dass man einen lateinischen Text so ohne weiteres verstehen und vor allem auch mit einem Text mitschwingen kann. Darum geht es ja. Es sollen ja Texte sein, mit denen man lebt, mit den auch die Emotion leben kann. Das kann sie auch bei guten Kennern des Lateinischen nicht leicht. Da ist die Muttersprache notwendig. Das Urgesetz der Liturgie ist, man feiert Liturgie in der Sprache der Leute, die zusammen gekommen sind. Und diese Erkenntnis hat sich mehr und mehr durchgesetzt. Das hat einen gewaltigen Wandel gebracht.

Bis es allerdings soweit war, dass die Muttersprache Einzug in die Katholische Messe halten konnte, vergingen noch fast zwanzig Jahre nach der päpstlichen Enzyklika "Mediato Deï". Die Voraussetzung schuf ein anderer: Papst Johannes XXIII. und das Zweite Vatikanische Konzil. Immerhin schien sich aber 1947 - seit dem Konzil von Trient Mitte des 16.Jahrhunderts - in Rom erstmals eine Neuorientierung anzudeuten:

O-Ton 12  (Prof. Dr. Balthasar Fischer, DLI-Trier) 
Das entscheidende Defizit war damit gegeben, dass durch das Konzil von Trient eine gewisse Erstarrung, man hat boshaft von einer Eiszeit der Liturgie gesprochen, eingetreten war. Man hat an der Liturgie, wie sie aus dem Mittelalter überkommen war, hat man dann bewusst nichts mehr geändert durch sehr strenge Bestimmungen, die die Möglichkeiten der Reform sehr eingeschränkt haben. Und diese Starre hat sich in unserem Jahrhundert gelöst. Das man auf einmal gemerkt hat, so geht es nicht. Liturgie ist ein Stück Leben, und Leben kann nicht existieren, ohne dass es in den Wandel gerät, sich den gewandelten kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnissen anpasst.

Damals fühlte sich die liturgische Bewegung erstmals ermuntert, neue Wege zu beschreiten. Auch wenn sie anfänglich Mühe hatte, an die Quellen zu gelangen, an die Veröffentlichung des entscheidenden Textes in der Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano":

O-Ton 13 (Prof.Dr.Balthasar Fischer, DLI-Trier) 
Es war übrigens sehr schwer an einen Text zu kommen. Es war 47 und die ganzen Postverhältnisse waren noch völlig ungeklärt. Es war in Trier, dass wir nur mit Hilfe des luxemburgischen Konsuls einen Text des Osservatore Romano bekommen konnten, in dem der für uns so unheimliche Text, von dem man nicht wusste, ist er für uns oder gegen uns, dann von uns gelesen werden konnte. Wir hatten den ganzen Tisch bedeckt mit Zeitungspapier - es ist ja eine Zeitung mit unnormalem Format - der Osservatore Romano. Wir haben uns also gebeugt darüber und haben miteinander gelesen - lateinisch und italienisch - einen deutschen Text gab es noch nicht. Und jedenfalls haben die Bischöfe aus diesem Bericht, der ihnen über die Enzyklika geboten wurde, geschlossen, dass es eigentlich doch, wenn es so steht mit dem liturgischen Interesse in der Kirche, mit den liturgischen Bemühungen, die allenthalben aufgebrochen sind, mit der Unruhe, wenn das so positiv zu sehen ist, wie der Papst das getan hat, dann wäre es doch gut, wenn in Deutschland eine Stelle, eine Arbeitsstelle geschaffen würde, die sich dieser Frage annehmen könnte. Und das war das Liturgische Institut.

Seitdem wurde immer häufiger auf Tagungen und Kongressen - wenn auch zunächst noch ohne Folgen für die Gesamtheit der Kirche - über eine Reform des Gottesdienstes nachgedacht.

O-Ton 14 (Prof. Dr. Balthasar Fischer, DLI-Trier) 
Wir haben zum Beispiel in Maria Laach einen Kongress gehabt, 1951, wo kein Mensch an ein Konzil gedacht hat, wir haben nur zusammengestellt, wenn wir die Messe reformieren könnten, was würden wir reformieren, wir haben diskutiert, haben das Ganze in der Resolution zusammengefasst, haben diese Resolution auch in lateinischer Sprache übersetzt und haben die nach Rom geschickt. Die wussten also genau woran wir arbeiteten. Die haben das auch dankbar angenommen, weil in Rom diese Tendenz auch schon mächtig geworden war, dass die Liturgie nicht bleiben konnte wie sie war. Und die haben gegriffen nach so Sachen, die von der Peripherie der Kirche kamen und haben das eifrig gesammelt.

Musik 7

Auf, laßt uns jubeln dem Herrn,
auf: Werkheft 1 zum Gesangbuch - Vielfalt der Formen,
Ensemble Corund, Ltg. Stephen Smith,
Friedrich-Reinhard-Verlag, Basel/ Theolog. Verlag Zürich

((nach ca. 63" langsam ausblenden wenn 3. Strophe zu hören ist))

Ein Psalm zu Beginn einer Messe. Die Gemeinde antwortet auf den Psalmisten mit einem Kehrvers. Er steht im Katholischen Kirchengesangbuch "Gotteslob", der Psalm dagegen im Cantionale, dem geistlichen Gesangbuch der Vorsänger, auch der Psalmisten. In diesem Fall ist allerdings aus dem Cantionale der deutschsprachigen Schweiz. Zur Rolle des Psalmisten und den Schwierigkeiten, sie auszufüllen, Christof Emanuel Hahn:

O-Ton 15 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier) 
Der Psalmist ist jemand aus der Gemeinde, der gut bei Stimme ist, der Courage hat, sich vorne hinzustellen und vor der Gemeinde zu singen. Das Eigenartige ist, jeder Chor hat Leute in jeder Stimme, die führen. Wenn also im Alt die und die Sängerin, wenn die nicht da ist, dann wackelt die ganze Stimmgruppe, aber diese einzelne Frau nach vorne zu bekommen, das ist fast unmöglich. Jeder hat Angst, wenn er ganz allein da vorne steht, zum Teil dann ohne jede Begleitung. Er hört das ja wenn eingespielt wird die Tonart, und dann muss er singen. Und manches Mal, im schlimmsten Fall, dass dann auch der Chorleiter sagt, ja der soll bei mir oben singen und nicht da unten. Der fehlt mir ja dann, wenn der vorne seinen Dienst macht vor der Gemeinde, statt oben bei mir im Chor. So ist dieser Dienst, der durch die Reform also sehr aufgewertet wurde, noch lange nicht Allgemeingut.

Gleichwohl, seit dem zweiten Vatikanischen Konzil in der ersten Hälfte der sechziger Jahre  - inspiriert und geleitet von Papst Johannes XXIII - hat sich im Katholischen Gottesdienst einiges geändert. Als Folge der Liturgiekonstitution des Konzils wurden die Altäre umgedreht. Die Priester wenden sich seitdem der Gemeinde zu, und die Gemeinde nimmt aktiv teil am Gottesdienst - allerdings in festgelegten Rollen.

O-Ton 16 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier) 
Das Interessante ist ja , dass die Liturgiereform nicht nur die Verteilung der Rollen sehr stark betont, dass nur jeder das tut, was ihm zusteht und nichts anderes: das nicht ein Priester die Lesung vorträgt, nur weil er der Priester ist, sondern dass die dem Laien zusteht, und dass eben der Laie in der Wortverkündigung auch seinen Platz hat in dem er Schrift, also Bibel vorträgt. Und auch der Psalmist, der an den Ambo tritt, an das Lesepult, dass der den Psalm als Schriftwort vorträgt: als gesungenen oder gesprochenen Vortrag. Man kann an sich auch sehr schön gesprochen vortragen, weil manche das sehr abwerten gegenüber dem Singen. Also etwas, was schlecht melodiert oder durch nicht gut Singende vorgetragen wird, ist dann doch besser überzeugend gelesen. Und dann gibt's Texte, die völlig unwichtig sind wie eine Vermeldung - von ihrem Rang, von ihrem liturgischen Rang her. Natürlich kann das ein Laie machen. Aber die wichtigsten Sachen sind zwischen verschiedenen Rollenträger, wenn man das so sagen darf, aufgeteilt.

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