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Gemeindemitglieder
- Laien - können eine Reihe von Rollen übernehmen. Der Leiter
des Deutschen Liturgischen Instituts, Eberhard Amon, nennt einige: |
O-Ton
17 (Dr. Eberhard Amon, DLI-Trier)
Da sind die Chöre zu nennen, die Organistinnen und
Organisten, die Sängerinnen und Sänger von Scholen und
Gesangsgruppen, um mal die Musik abzudecken. Da gibt's nach wie
vor die Lektorinnen und Lektoren, die Kantorinnen und Kantoren,
die Ministrantinnen und Ministranten, Kommunionhelferinnen und
Kommunionhelfer. Es gibt Leiterinnen und Leiter von selbständigen
Wortgottesdiensten, von Andachten, von verschiedenen
gottesdienstlichen Formen außerhalb der Eucharistiefeier. |
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Lieder
und Gesänge spielen zweifellos eine besondere Rolle. Es hat sie
zwar auch vorher schon gegeben. Aber jetzt werden sie Teil der
Gottesdiensthandlung selbst und damit gewinnen sie ein Gewicht,
das ihnen nicht in allen Sprachgebieten zukommt: |
O-Ton
18 (Dr. Eberhard Amon, DLI-Trier)
Die Reformation war natürlich schon entscheidend. Luther selber
hat ja gedichtet und komponiert. Durch die Einführung der
deutschen Sprache in den Gottesdienst damals war es natürlich ein
Anliegen auch biblische Texte, etwa Psalmen zu paraphrasieren,
damit die Leute sie auch singen und sie sich so auch merken können.
In de Romantik war dann wieder eine große Bewegung nach deutschen
Liedern und in der liturgischen Erneuerungsbewegung dieses
Jahrhunderts gab's wieder einen solchen Schub. Das zeichnet die
deutschsprachigen Länder vor anderen aus, denn hier hat man der
Beteiligung der Gemeinde durch eigene Lieder immer einen großen
Stellenwert gegeben, während man in anderen Ländern sich eher
auf die Texte der Liturgie selber beschränkt hat. |
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Im
Regelfall ist die Gottesdienstsprache nun also die Muttersprache:
deutsch. Was aber ist mit der Musik? Zuerst in den katholischen
Studentengemeinden, dann auch auf den Katholikentagen kamen seit
Mitte der sechziger Jahre neue Klänge auf. Heute freilich klingen
manche schon ziemlich abgenutzt, so wie diese Schallplatte. |
Musik 8
Brüder
ruft in Freude,
auf: Jazzmesse - Freut Euch, der Herr ist nah,
Schwann Ams-studio Düsseldorf 15009
((nach ca.
52" langsam ausblenden wenn 3. Strophe zu hören ist)) |
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Damals
waren es Jazzmessen. Diese Bewegungen gehören zum Aufbruch dieser
Zeit dazu, und sie sind auch immer noch einflussreich. Von den
Kirchenleitungen wurde diese neue Musik zunächst heftig
abgelehnt: Heute wird mancherorts sogar mit Techno experimentiert.
Prof. Balthasar Fischer:
O-Ton
19 (Prof.Dr.Balthasar Fischer, DLI-Trier)
Die
Musik ist natürlich der beste Spiegel dieses Wandels. Die
Musikformen wandeln sich relativ rasch mit den Menschen.
Es gibt Musik, die man noch vor einigen Jahrzehnten
ertragen hat, die man plötzlich nicht mehr erträgt, und
es gibt neue Musik, die unter den eigenen Augen aufkommt,
und die auch sehr rasch wieder zu den Akten gelegt wird.
Gerade das ist ein besonders empfindliches Feld. Das ist
bei uns so wichtig, weil die Musik so wesentlich zum
gottesdienstlichen Geschehen gehört. Das Konzil hat ja
wieder ausdrücklich ausgesprochen, dass immer die
gesungenen Texte den Vorrang vor den gesprochenen Texten
haben müssen. Man Texte sprechen. Man kann sich einen
gesprochenen Gottesdienst vorstellen, im Notfall kann er
auch so gehalten werden, aber ohne Musik hat er eigentlich
seinen Glanz verloren. |
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Musik
war zu allen Zeiten in der Kirche umstritten. Eine
unbestrittene Erfahrung ist aber wohl, dass sie das
Potential in sich trägt, den Gläubigen zu helfen, sich
intensiver auf den Gottesdienst einzulassen. Christof
Emanuel Hahn: |
O-Ton
20 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier)
Der Glaube kommt zwar vom Hören und über das Wort, weil
die Musik als solche ja nicht festzumachen ist, präzise.
Das Wort ist einigermaßen geeignet, um Wahrheiten und
Dinge einzukreisen und zu sagen. Das andere ist nur aus
dem Zusammenhang zu interpretieren. Aber wenn das
wegfiele, alles, was hörbar und sichtbar ist, dann wäre
der Mensch nur bedingt in der Lage nur sehr wenig davon
aufzunehmen, und es ginge nicht sehr tief. Und deswegen
ist ein gewisses Maß an Emotionen wichtig, auch damit es
tief an den Menschen hineinkommt und ihn mehr bewegt, als
wenn er's nur ins Ohr nimmt und dann vielleicht schnell
wieder vergisst oder verliert. |
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Stets
strittig war vor allem die Instrumentalmusik, obwohl sich gerade im Alten
Testament eine Fülle von Hinweisen finden, dass Instrumente zum
gottesdienstlichen Kult gehören. In den orthodoxen Kirchen sind sie bis
heute prinzipiell vom Gottesdienst ausgeschlossen.
O-Ton
21
(Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier)
Es war wohl die alte Kirche, die sich daran gestoßen hat, dass
Instrumente wie die Orgel, wie die Flöte, die die Menschen fast
zur Raserei bringen konnten nach antiken Berichten, dass man die
dort verwendet, wo Gemeinde Gottesdienst feiert. Und darum hat die
Ostkirche diese Tradition beibehalten und bis heute Instrumente
prinzipiell ausgeschlossen. Und gesagt, der Gesang genügt, muss
genügen. Hat allerdings die andere Tradition eben auch, dass es
keinen Gottesdienst gibt, der nicht als Gesang, also im Singen
vollzogen wird. Da gibt's keine Teile, die nur gesprochen würden
außer der Predigt, sondern es wird alles - und zwar
zwischen Diakon, Priester, Gemeinde, dem Kantor und der kleinen
Schola geht das hin und her, alles singend. Und es wär' ein
gewisses Ideal, weil ja ein Gottesdienst immer eine Feier ist,
nicht immer überschwänglich, aber es ist immer Feier. Und das
kann man nicht anders besser sagen, als wenn Leute singen. |
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Aber
auch Paulus hatte Probleme mit dem emotionalen Überschwang in
manchen seiner Gemeinden. Das charismatische Zungenreden, das
Pfingstereignis am jüdischen Wochenfest, von dem die
Apostelgeschichte berichtet, kam in den von ihm gegründeten
Gemeinden offenbar häufiger vor. |
O-Ton
22 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier)
In den frühen Christengemeinden, vor allen Dingen Paulinischen
Gemeinden, die die griechische Tradition hatten in Korinth, da war
natürlich das doch mit Ekstase verbunden. Und die Schwierigkeit
des Gemeindegründers Paulus war eben, wie kann er das ordnen. Und
er hat in seinen Briefen dann deutliche Hinweise gegeben. Und
irgendwo sich so ausgedrückt, ihm ist lieber, dass ein vernünftiges
Wort im Gottesdienst gesagt wird zu dem alle Amen sagen können,
das sie verstehen, als so und so viele reden in Zungen, keine
versteht sie, außer sie selbst. Man merkt, sie sind vom Geist
bewegt und erfasst, aber die Gemeinde kann direkt nichts damit
anfangen. |
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