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Das Deutsche Liturgische Institut und die Musik der Kirche.
Was einen katholischen Gottesdienst ausmacht,
und wie er sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verändert hat


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1999. 


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für Deutschlandfunk - Musikszene Deutschland: Rheinland-Pfalz
Sonntag, 9. Mai 1999, 15:05 - 15:58 Uhr

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Gemeindemitglieder - Laien - können eine Reihe von Rollen übernehmen. Der Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts, Eberhard Amon, nennt einige:

O-Ton 17 (Dr. Eberhard Amon, DLI-Trier) 
Da sind die Chöre zu nennen, die Organistinnen und Organisten, die Sängerinnen und Sänger von Scholen und Gesangsgruppen, um mal die Musik abzudecken. Da gibt's nach wie vor die Lektorinnen und Lektoren, die Kantorinnen und Kantoren, die Ministrantinnen und Ministranten, Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer. Es gibt Leiterinnen und Leiter von selbständigen Wortgottesdiensten, von Andachten, von verschiedenen gottesdienstlichen Formen außerhalb der Eucharistiefeier.

Lieder und Gesänge spielen zweifellos eine besondere Rolle. Es hat sie zwar auch vorher schon gegeben. Aber jetzt werden sie Teil der Gottesdiensthandlung selbst und damit gewinnen sie ein Gewicht, das ihnen nicht in allen Sprachgebieten zukommt:

O-Ton 18 (Dr. Eberhard Amon, DLI-Trier) 
Die Reformation war natürlich schon entscheidend. Luther selber hat ja gedichtet und komponiert. Durch die Einführung der deutschen Sprache in den Gottesdienst damals war es natürlich ein Anliegen auch biblische Texte, etwa Psalmen zu paraphrasieren, damit die Leute sie auch singen und sie sich so auch merken können. In de Romantik war dann wieder eine große Bewegung nach deutschen Liedern und in der liturgischen Erneuerungsbewegung dieses Jahrhunderts gab's wieder einen solchen Schub. Das zeichnet die deutschsprachigen Länder vor anderen aus, denn hier hat man der Beteiligung der Gemeinde durch eigene Lieder immer einen großen Stellenwert gegeben, während man in anderen Ländern sich eher auf die Texte der Liturgie selber beschränkt hat.

Im Regelfall ist die Gottesdienstsprache nun also die Muttersprache: deutsch. Was aber ist mit der Musik? Zuerst in den katholischen Studentengemeinden, dann auch auf den Katholikentagen kamen seit Mitte der sechziger Jahre neue Klänge auf. Heute freilich klingen manche schon ziemlich abgenutzt, so wie diese Schallplatte.

Musik 8

Brüder ruft in Freude,
auf: Jazzmesse - Freut Euch, der Herr ist nah,
Schwann Ams-studio Düsseldorf 15009

((nach ca. 52" langsam ausblenden wenn 3. Strophe zu hören ist))

Damals waren es Jazzmessen. Diese Bewegungen gehören zum Aufbruch dieser Zeit dazu, und sie sind auch immer noch einflussreich. Von den Kirchenleitungen wurde diese neue Musik zunächst heftig abgelehnt: Heute wird mancherorts sogar mit Techno experimentiert. Prof. Balthasar Fischer:

O-Ton 19 (Prof.Dr.Balthasar Fischer, DLI-Trier) 
Die Musik ist natürlich der beste Spiegel dieses Wandels. Die Musikformen wandeln sich relativ rasch mit den Menschen. Es gibt Musik, die man noch vor einigen Jahrzehnten ertragen hat, die man plötzlich nicht mehr erträgt, und es gibt neue Musik, die unter den eigenen Augen aufkommt, und die auch sehr rasch wieder zu den Akten gelegt wird. Gerade das ist ein besonders empfindliches Feld. Das ist bei uns so wichtig, weil die Musik so wesentlich zum gottesdienstlichen Geschehen gehört. Das Konzil hat ja wieder ausdrücklich ausgesprochen, dass immer die gesungenen Texte den Vorrang vor den gesprochenen Texten haben müssen. Man Texte sprechen. Man kann sich einen gesprochenen Gottesdienst vorstellen, im Notfall kann er auch so gehalten werden, aber ohne Musik hat er eigentlich seinen Glanz verloren.

Musik war zu allen Zeiten in der Kirche umstritten. Eine unbestrittene Erfahrung ist aber wohl, dass sie das Potential in sich trägt, den Gläubigen zu helfen, sich intensiver auf den Gottesdienst einzulassen. Christof Emanuel Hahn:

O-Ton 20 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier) 
Der Glaube kommt zwar vom Hören und über das Wort, weil die Musik als solche ja nicht festzumachen ist, präzise. Das Wort ist einigermaßen geeignet, um Wahrheiten und Dinge einzukreisen und zu sagen. Das andere ist nur aus dem Zusammenhang zu interpretieren. Aber wenn das wegfiele, alles, was hörbar und sichtbar ist, dann wäre der Mensch nur bedingt in der Lage nur sehr wenig davon aufzunehmen, und es ginge nicht sehr tief. Und deswegen ist ein gewisses Maß an Emotionen wichtig, auch damit es tief an den Menschen hineinkommt und ihn mehr bewegt, als wenn er's nur ins Ohr nimmt und dann vielleicht schnell wieder vergisst oder verliert.

Stets strittig war vor allem die Instrumentalmusik, obwohl sich gerade im Alten Testament eine Fülle von Hinweisen finden, dass Instrumente zum gottesdienstlichen Kult gehören. In den orthodoxen Kirchen sind sie bis heute prinzipiell vom Gottesdienst ausgeschlossen.

O-Ton 21  (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier) 
Es war wohl die alte Kirche, die sich daran gestoßen hat, dass Instrumente wie die Orgel, wie die Flöte, die die Menschen fast zur Raserei bringen konnten nach antiken Berichten, dass man die dort verwendet, wo Gemeinde Gottesdienst feiert. Und darum hat die Ostkirche diese Tradition beibehalten und bis heute Instrumente prinzipiell ausgeschlossen. Und gesagt, der Gesang genügt, muss genügen. Hat allerdings die andere Tradition eben auch, dass es keinen Gottesdienst gibt, der nicht als Gesang, also im Singen vollzogen wird. Da gibt's keine Teile, die nur gesprochen würden außer der Predigt, sondern es wird alles -  und zwar zwischen Diakon, Priester, Gemeinde, dem Kantor und der kleinen Schola geht das hin und her, alles singend. Und es wär' ein gewisses Ideal, weil ja ein Gottesdienst immer eine Feier ist, nicht immer überschwänglich, aber es ist immer Feier. Und das kann man nicht anders besser sagen, als wenn Leute singen.

Aber auch Paulus hatte Probleme mit dem emotionalen Überschwang in manchen seiner Gemeinden. Das charismatische Zungenreden, das Pfingstereignis am jüdischen Wochenfest, von dem die Apostelgeschichte berichtet, kam in den von ihm gegründeten Gemeinden offenbar häufiger vor.

O-Ton 22 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier) 
In den frühen Christengemeinden, vor allen Dingen Paulinischen Gemeinden, die die griechische Tradition hatten in Korinth, da war natürlich das doch mit Ekstase verbunden. Und die Schwierigkeit des Gemeindegründers Paulus war eben, wie kann er das ordnen. Und er hat in seinen Briefen dann deutliche Hinweise gegeben. Und irgendwo sich so ausgedrückt, ihm ist lieber, dass ein vernünftiges Wort im Gottesdienst gesagt wird zu dem alle Amen sagen können, das sie verstehen, als so und so viele reden in Zungen, keine versteht sie, außer sie selbst. Man merkt, sie sind vom Geist bewegt und erfasst, aber die Gemeinde kann direkt nichts damit anfangen.

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