zur Übersicht "Schwerpunkt Musik"

Autor:

Titel:

Stichwörter:
Erstausgabe
Signiert


Für Inhalte und Verlässlichkeit von  externen Webseiten übernehme ich keine Verantwortung!

Noten bei Notenbuch.de

 

 

Das Deutsche Liturgische Institut und die Musik der Kirche.
Was einen katholischen Gottesdienst ausmacht,
und wie er sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verändert hat


Buch
Hans Musch (Hrg.):
Musik im Gottesdienst, Bd. Historische Grundlagen, Liturgik, Liturgiegesang


Buch
Stephan Nösser /
Esther Reglin:
Wir feiern Gottesdienst.
Entwurf einer freikirchlichen Liturgik


Buch
Michael Meyer-Blanck:
Liturgie und Liturgik.
Geschichte und Gestalt des Evangelischen Gottesdienstes


Buch
Christian Grethlein:
Grundfragen der Liturgik.
Zeitgemäße Gottesdienstgestaltung


Buch
Eduard Nagel:
Das neue Fürbittbuch - Lesejahr A


Buch
Eduard Nagel:
Das neue Fürbittbuch - Lesejahr B


Buch
Andreas Odenthal:
Liturgie als Ritual.
Theologische und psychoanalytische Überlegungen zu einer praktischen Theologie des Gottesdienstes als Symbolgeschehen


Buch
Egon Kapellari:
Heilige Zeichen in Liturgie und Alltag


Buch
Johannes Chrysostomos /
Johannes Pfeiffer:
Chorbuch, Die göttliche Liturgie unseres heiligen Vaters Johannes Chrysostomos


Buch
Klemens Richter /
Thomas Sternberg:
Liturgiereform.
Eine bleibende Aufgabe

 


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1999. 


Hyperlinks
sollten aktuell sein. Bei fehlerhaften oder toten URLs bitte ich um ein kurzes E-Mail mit Hinweis auf die entsprechende Seite und den Link. Danke.


Links


für Deutschlandfunk - Musikszene Deutschland: Rheinland-Pfalz
Sonntag, 9. Mai 1999, 15:05 - 15:58 Uhr

Teil 5 (von 6)

Zurück zur Teil 4

weiter zu Teil 6

 


Musik 9

Laudes-Hymnus "Ecce jam noctis",
auf: Der gregorianische Choral - zwischen Kirche und Disco,
Patmos-Verlag 3-491-91001-3

((nach ca. 27" langsam ausblenden))

O-Ton 23 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier) 
Die Gregorianik stellt den ersten, jedenfalls schriftlich festgelegten Höhepunkt von Musik im Gottesdienst dar, und war von einer ungeheuren Spiritualität geprägt, von der Auswahl der Texte beginnend. Dahinter steht die Hochblüte der Rhetorik, die noch in den frühen Jahrhunderten nach der Zeitrechnung  - besonders im gallischen Raum -  geblüht hat, die den römischen Choral dann überboten hat nicht in der Interpretation, sondern in einer Art von Umformung. Was da genau passiert ist, weiß man nicht. Man hat nur das Ergebnis. Ehe andere Musik kam, war schon Gregorianik. Und die Klöster haben sie gepflegt.

Vor einigen Jahren waren Gregorianische Klänge, insbesondere die Aufnahmen mit den Benediktinermönchen von Santo Domingo de Silos, sogar für ein paar Wochen in den Popcharts. Diese lateinische Kirchenmusiktradition reicht bis ins sechste Jahrhundert zurück. Heute dominiert Latein nur noch den Schallplattenmarkt mit Kompositionen katholischer Messen. In den Gemeinden wird überwiegend muttersprachlich "deutsch" gesungen. Dennoch gibt es vereinzelt gregorianische Choralscholen, die den Gottesdienst mit diesen geheimnisvollen Gesängen bereichern. Es ist ein Erbe, das vielen eine besondere Spiritualität vermittelt. Im Gebets- und Gesangbuch Gotteslob findet die Gemeinde deshalb auch ein solches Angebot, wie dieses "Gloria": Ehre sei Gott in der Höhe.

(( hinter dem Vorspiel einsetzen))

Musik 10

"Gloria",
aus: Gesänge aus dem Einheitsgesangbuch "Gotteslob",
Lateinische Akklamationen und Gesänge,
Tonstudio Rottenburg TSR C14

((nach ca. 30" langsam runterziehen))

O-Ton 24 (Dr. Eduard Nagel, DLI-Trier)   
Es ist ja in der Praxis weithin so, dass Musik als eine Art Pausenfüller dient, oder dass sie abgehakt wird. Musikalische Elemente werden erledigt , weil sie halt da stehen. Man singt von Liedern eine einzige Strophe oder vielleicht zwei Strophen, obwohl die Gesamtaussage natürlich viel, viel breiter ist, und die entfaltet sich aus den weiteren Strophen. Aber weil es so viele musikalische Elemente sind, die vorgesehen sind, hakt man sie halt auch möglichst kurz ab. Über ein Messbuch kann man natürlich nicht viel in der Richtung ändern, aber es werden alle Hinweise, die es zur musikalischen  Gestaltung im Messbuch gibt, werden darauf hin überprüft, kann man nicht noch deutlicher machen, welche Funktion ein Gesang hat, und wie er darum auszuführen ist. Dass also das möglichst wenig passiert, dass Dinge einfach durch Lieder abgehakt werden, obwohl es andere Formen gäbe, die sehr viel besser das zum Ausdruck bringen, um was es da geht. Also: akklamatorische Gesänge, Wechselgesänge, Antwortpsalm beispielsweise, dass das wirklich ein Psalm ist, der vorgetragen wird, der auch einen gewissen Verkündigungscharakter hat, und auf den die Gemeinde mit einem Kehrvers antwortet. Heute werden häufig da Lieder gesungen, die mehr oder weniger passen.

Eduard Nagel ist verantwortlich für die Überarbeitung des Messbuches. Das stellt dem Priester für den Gottesdienst jene Texte und Gesänge zur Verfügung, die zu seinem Aufgabenbereich bei der Messfeier gehören. Er beklagt, dass die verschiedenen Dienste nicht so zusammenarbeiten, dass der Reichtum sowohl an Liedern als auch an Messgesängen in Messbuch und Gesangbuch ausgeschöpft wird. In die gleiche Richtung argumentiert auch der Referent für Kirchenmusik des Deutschen Liturgischen Instituts, Christoph-Emanuel Hahn:

O-Ton 25 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier) 
Das Ideale wäre ja für die Gottesdienste, das man sich spätestens am Donnerstag oder Freitag Abend für eine Stunde zusammensetzt und dann wirklich den Gottesdienst im Detail durch bespricht, der am Samstag und Sonntag stattfindet, damit die ganzen Rollenträger wissen, was und wie. Die Predigt steht ja meistens schon fest und auch die Liedauswahl, wo man einen Schwerpunkt setzt, was man kürzt, was man besonders betonen will oder wie immer. Nicht das man 10 Minuten vorher in der Sakristei sich trifft, und dem Organisten wird der Zettel hingeschoben, die Nummern stehen drauf. Und der andere ist er da, kann er den Psalm singen, ist er nicht da, gut, dann lassen wir ihn weg usw., das nicht alles auf Zufälligkeiten basiert, und das möglicherweise als Dauerzustand.

Eduard Nagel versucht als Redakteur der liturgischen Zeitschrift "Gottesdienst" - sie wird von den Liturgischen Instituten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gemeinsam herausgegeben - sechsmal jährlich, in diesem Sinne Einfluss zu nehmen. Immerhin lesen sie sie etwa 70 % aller Priester im deutschsprachigen Raum, oder haben sie jedenfalls abonniert - und dazu auch viele Laien, die an der Gestaltung von Gottesdiensten mitwirken.

O-Ton 26 (Dr. Eduard Nagel, DLI-Trier) 
Das Interesse der Leserschaft, soweit es sich in Zuschriften äußert, richtet sich im allgemeinen zunächst auf Formen, auf Texte und auf solche Dinge. Und da habe ich das Bemühen dem etwas entgegenzuhalten und immer wieder darauf hinzuweisen, dass es nicht mit den Texten und mit einer Revision von Texten getan ist und auch nicht mit einer Revision von Riten getan ist, sondern dass es um ein Umsetzung geht, die alle Bereiche menschlichen Lebens einbezieht, alle Sinne einbezieht, und in dem Zusammenhang ganz besonders und in allererster Linie die Musik einbezieht.

Musik 11

"Herr, öffne meine Lippen",
aus: Gesänge aus dem Einheitsgesangbuch "Gotteslob":
Vesper - Komplet - Abendlieder,
Tonstudio Rottenburg TSR C19

((nach ca. 30" langsam runterziehen))

O-Ton 27 (Prof.Dr.Balthasar Fischer, DLI-Trier) 
Vieles was wir haben stammt nicht nur aus dem Mittelalter, sondern es stammt aus der alten Kirche. Die Texte, die in unserem Messbuch stehen, sind altkirchliche Texte. Die kommen aus einem ganz anderen Kulturklima. Und da ist die Frage, kann man das überhaupt heute noch so sagen, selbst wenn man die Sprache verstände. Das Problem wird viel diskutiert heute, und man sucht nach Möglichkeiten, auch neu geschaffene Liturgie einzusetzen. Das ist natürlich ein ungeheures Problem, neben diese ehrwürdige alte Liturgie die da ist, die das Feld besetzt hat, daneben jetzt Texte, die im Jahre 1999 entstanden sind, zu setzen. Das ist keine Kleinigkeit.

Balthasar Fischer, emeritierter Liturgiewissenschaftler und einer der Gründer des Deutschen Liturgischen Instituts spricht ein Thema an, das im Augenblick zu den Aufgaben gehört, die den Liturgikern am meisten auf den Nägeln brennen. Texte und Melodien im Messbuch orientieren sich zur Zeit am gregorianischen Gesang. Bei der anstehenden Überarbeitung des Messbuches soll überprüft werden, ob es dazu Alternativen gibt. Alternativen, die nicht die Texte entwerten durch eine banale Melodie und trotzdem unseren Hör- und Artikulationsgewohnheiten entgegenkommen: Sie müssen relativ leicht erlernbar und singbar sein. Ein sehr großer Teil der Texte nämlich, die im Gottesdienst vor der Gemeinde vorgetragen werden, zumal jene in der Eucharistiefeier, sollten eigentlich gesungen - kantilliert - werden, um damit ihrer herausgehobenen Bedeutung feierlich Ausdruck zu verleihen. Christoph-Emanuel Hahn:

O-Ton 28  (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier)
Kantillation ist jene Art von Gesang, die die liturgischen Dienste in der katholischen Kirche mit Vorzug pflegen. Es ist nicht in strengen Rhythmen notiert. Es ist kirchentonal, meist aber sind es nur Ausschnitte aus einer Tonleiter, drei/vier Töne Umfang, je nachdem. Und es klingt sehr archaisch und auch etwas stilisiert und emotionslos. Nach dem Konzil kam als eine der Fragen: Wie werden wir weiter singen? So wie bisher auf den lateinischen Text gesungen wurde, oder gibt es Formen, Modelle, Möglichkeiten in deutsch zu singen? Also in dem Sinne deutsch, dass die Modelle nicht aus einer Tradition stammen, die nicht mit der deutschen Sprache unbedingt verbunden waren, sondern an einer anderen Sprache hingen. Die einfachste Form in der Gregorianik, und zwar im Kantillieren, ist auf zwei Tönen zu singen. Es gibt einen ganz einfachen Orations-Ton, der vielen Stücken zugrunde liegt, und da spielt man zwischen zwei Tönen, wie diese sogenannte Wandlungsepiklese. Das ist der Textteil, der unmittelbar vor dem Einsetzungsbericht zu singen ist, und zwar hier im dritten Hochgebet:

singt: Heilige unsere Gaben durch deinen Geist ....

Das ist ein alter, sehr einfacher Ton, der nur die Grundstruktur des Textes nachzeichnet, eigentlich keine Akzente herausstellt, in keinem Fall den Text interpretiert, sondern wie die Interpunktionszeichen im Satz wirkt, wie Kommata, Strichpunkte, Punkte.

Heute werden solche Texte immer häufiger gesprochen. Zum Teil deshalb, weil sich die Priester nicht stimmsicher fühlen, zum Teil aber auch, weil sie sich mit den archaischen Melodien nicht anfreunden können. Der Verantwortliche für die Revision des Messbuchs im Deutschen Liturgischen Institut, Eduard Nagel, glaubt:


Teil 5 (von 6)

Zurück zu Teil 4

weiter zu Teil 6  

Zurück zur Eingangsseite "Tradition, Erneuerung & die liturgische Musik der Kirche(n)"