Musik 9
Laudes-Hymnus
"Ecce jam noctis",
auf: Der gregorianische Choral - zwischen Kirche und Disco,
Patmos-Verlag 3-491-91001-3
((nach ca.
27" langsam ausblenden)) |
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O-Ton
23 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier)
Die Gregorianik stellt den ersten, jedenfalls schriftlich
festgelegten Höhepunkt von Musik im Gottesdienst dar, und war von
einer ungeheuren Spiritualität geprägt, von der Auswahl der
Texte beginnend. Dahinter steht die Hochblüte der Rhetorik, die
noch in den frühen Jahrhunderten nach der Zeitrechnung
- besonders im gallischen Raum -
geblüht hat, die den römischen Choral dann überboten hat
nicht in der Interpretation, sondern in einer Art von Umformung.
Was da genau passiert ist, weiß man nicht. Man hat nur das
Ergebnis. Ehe andere Musik kam, war schon Gregorianik. Und die Klöster
haben sie gepflegt. |
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Vor
einigen Jahren waren Gregorianische Klänge, insbesondere die
Aufnahmen mit den Benediktinermönchen von Santo Domingo de Silos,
sogar für ein paar Wochen in den Popcharts. Diese lateinische
Kirchenmusiktradition reicht bis ins sechste Jahrhundert zurück.
Heute dominiert Latein nur noch den Schallplattenmarkt mit
Kompositionen katholischer Messen. In den Gemeinden wird überwiegend
muttersprachlich "deutsch" gesungen. Dennoch gibt es
vereinzelt gregorianische Choralscholen, die den Gottesdienst mit
diesen geheimnisvollen Gesängen bereichern. Es ist ein Erbe, das
vielen eine besondere Spiritualität vermittelt. Im Gebets- und
Gesangbuch Gotteslob findet die Gemeinde deshalb auch ein solches
Angebot, wie dieses "Gloria": Ehre sei Gott in der Höhe. |
((
hinter dem Vorspiel einsetzen))
Musik
10
"Gloria",
aus: Gesänge aus dem Einheitsgesangbuch "Gotteslob",
Lateinische Akklamationen und Gesänge,
Tonstudio Rottenburg TSR C14
((nach
ca. 30" langsam runterziehen)) |
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O-Ton
24 (Dr. Eduard Nagel, DLI-Trier)
Es ist ja in der Praxis weithin so, dass Musik als eine Art
Pausenfüller dient, oder dass sie abgehakt wird. Musikalische
Elemente werden erledigt , weil sie halt da stehen. Man singt von
Liedern eine einzige Strophe oder vielleicht zwei Strophen, obwohl
die Gesamtaussage natürlich viel, viel breiter ist, und die
entfaltet sich aus den weiteren Strophen. Aber weil es so viele
musikalische Elemente sind, die vorgesehen sind, hakt man sie halt
auch möglichst kurz ab. Über ein Messbuch kann man natürlich
nicht viel in der Richtung ändern, aber es werden alle Hinweise,
die es zur musikalischen
Gestaltung im Messbuch gibt, werden darauf hin überprüft,
kann man nicht noch deutlicher machen, welche Funktion ein Gesang
hat, und wie er darum auszuführen ist. Dass also das möglichst
wenig passiert, dass Dinge einfach durch Lieder abgehakt werden,
obwohl es andere Formen gäbe, die sehr viel besser das zum
Ausdruck bringen, um was es da geht. Also: akklamatorische Gesänge,
Wechselgesänge, Antwortpsalm beispielsweise, dass das wirklich
ein Psalm ist, der vorgetragen wird, der auch einen gewissen Verkündigungscharakter
hat, und auf den die Gemeinde mit einem Kehrvers antwortet. Heute
werden häufig da Lieder gesungen, die mehr oder weniger passen. |
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Eduard
Nagel ist verantwortlich für die Überarbeitung des Messbuches.
Das stellt dem Priester für den Gottesdienst jene Texte und Gesänge
zur Verfügung, die zu seinem Aufgabenbereich bei der Messfeier
gehören. Er beklagt, dass die verschiedenen Dienste nicht so
zusammenarbeiten, dass der Reichtum sowohl an Liedern als auch an Messgesängen
in Messbuch und Gesangbuch ausgeschöpft wird. In die gleiche
Richtung argumentiert auch der Referent für Kirchenmusik des
Deutschen Liturgischen Instituts, Christoph-Emanuel Hahn:
O-Ton
25 (Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier)
Das Ideale wäre ja für die Gottesdienste, das man sich
spätestens am Donnerstag oder Freitag Abend für eine
Stunde zusammensetzt und dann wirklich den Gottesdienst im
Detail durch bespricht, der am Samstag und Sonntag
stattfindet, damit die ganzen Rollenträger wissen, was
und wie. Die Predigt steht ja meistens schon fest und auch
die Liedauswahl, wo man einen Schwerpunkt setzt, was man kürzt,
was man besonders betonen will oder wie immer. Nicht das
man 10 Minuten vorher in der Sakristei sich trifft, und
dem Organisten wird der Zettel hingeschoben, die Nummern
stehen drauf. Und der andere ist er da, kann er den Psalm
singen, ist er nicht da, gut, dann lassen wir ihn weg
usw., das nicht alles auf Zufälligkeiten basiert, und das
möglicherweise als Dauerzustand. |
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Eduard
Nagel versucht als Redakteur der liturgischen Zeitschrift
"Gottesdienst" - sie wird von den Liturgischen
Instituten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz
gemeinsam herausgegeben - sechsmal jährlich, in diesem
Sinne Einfluss zu nehmen. Immerhin lesen sie sie etwa 70 %
aller Priester im deutschsprachigen Raum, oder haben sie
jedenfalls abonniert - und dazu auch viele Laien, die an
der Gestaltung von Gottesdiensten mitwirken. |
O-Ton
26 (Dr. Eduard Nagel, DLI-Trier)
Das Interesse der Leserschaft, soweit es sich in
Zuschriften äußert, richtet sich im allgemeinen zunächst
auf Formen, auf Texte und auf solche Dinge. Und da habe
ich das Bemühen dem etwas entgegenzuhalten und immer
wieder darauf hinzuweisen, dass es nicht mit den Texten
und mit einer Revision von Texten getan ist und auch nicht
mit einer Revision von Riten getan ist, sondern dass es um
ein Umsetzung geht, die alle Bereiche menschlichen Lebens
einbezieht, alle Sinne einbezieht, und in dem Zusammenhang
ganz besonders und in allererster Linie die Musik
einbezieht. |
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Musik
11
"Herr,
öffne meine Lippen",
aus: Gesänge aus dem Einheitsgesangbuch
"Gotteslob":
Vesper - Komplet - Abendlieder,
Tonstudio Rottenburg TSR C19
((nach
ca. 30" langsam runterziehen)) |
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O-Ton
27 (Prof.Dr.Balthasar Fischer, DLI-Trier)
Vieles was wir haben stammt nicht nur aus dem Mittelalter,
sondern es stammt aus der alten Kirche. Die Texte, die in
unserem Messbuch stehen, sind altkirchliche Texte. Die
kommen aus einem ganz anderen Kulturklima. Und da ist die
Frage, kann man das überhaupt heute noch so sagen, selbst
wenn man die Sprache verstände. Das Problem wird viel
diskutiert heute, und man sucht nach Möglichkeiten, auch
neu geschaffene Liturgie einzusetzen. Das ist natürlich
ein ungeheures Problem, neben diese ehrwürdige alte
Liturgie die da ist, die das Feld besetzt hat, daneben
jetzt Texte, die im Jahre 1999 entstanden sind, zu setzen.
Das ist keine Kleinigkeit. |
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Balthasar
Fischer, emeritierter Liturgiewissenschaftler und einer der Gründer des
Deutschen Liturgischen Instituts spricht ein Thema an, das im
Augenblick zu den Aufgaben gehört, die den Liturgikern am meisten auf
den Nägeln brennen. Texte und Melodien im Messbuch orientieren sich zur
Zeit am gregorianischen Gesang. Bei der anstehenden Überarbeitung des
Messbuches soll überprüft werden, ob es dazu Alternativen gibt.
Alternativen, die nicht die Texte entwerten durch eine banale Melodie
und trotzdem unseren Hör- und Artikulationsgewohnheiten entgegenkommen:
Sie müssen relativ leicht erlernbar und singbar sein. Ein sehr großer
Teil der Texte nämlich, die im Gottesdienst vor der Gemeinde
vorgetragen werden, zumal jene in der Eucharistiefeier, sollten
eigentlich gesungen - kantilliert - werden, um damit ihrer
herausgehobenen Bedeutung feierlich Ausdruck zu verleihen.
Christoph-Emanuel Hahn:
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O-Ton
28
(Christof Emanuel Hahn, DLI-Trier)
Kantillation
ist jene Art von Gesang, die die liturgischen Dienste in der
katholischen Kirche mit Vorzug pflegen. Es ist nicht in strengen
Rhythmen notiert. Es ist kirchentonal, meist aber sind es nur
Ausschnitte aus einer Tonleiter, drei/vier Töne Umfang, je
nachdem. Und es klingt sehr archaisch und auch etwas stilisiert
und emotionslos. Nach dem Konzil kam als eine der Fragen: Wie
werden wir weiter singen? So wie bisher auf den lateinischen Text
gesungen wurde, oder gibt es Formen, Modelle, Möglichkeiten in
deutsch zu singen? Also in dem Sinne deutsch, dass die Modelle
nicht aus einer Tradition stammen, die nicht mit der deutschen
Sprache unbedingt verbunden waren, sondern an einer anderen
Sprache hingen. Die einfachste Form in der Gregorianik, und zwar
im Kantillieren, ist auf zwei Tönen zu singen. Es gibt einen ganz
einfachen Orations-Ton, der vielen Stücken zugrunde liegt, und da
spielt man zwischen zwei Tönen, wie diese sogenannte
Wandlungsepiklese. Das ist der Textteil, der unmittelbar vor dem
Einsetzungsbericht zu singen ist, und zwar hier im dritten
Hochgebet:
singt: Heilige
unsere Gaben durch deinen Geist ....
Das ist ein alter, sehr einfacher Ton, der
nur die Grundstruktur des Textes nachzeichnet, eigentlich keine
Akzente herausstellt, in keinem Fall den Text interpretiert,
sondern wie die Interpunktionszeichen im Satz wirkt, wie Kommata,
Strichpunkte, Punkte. |
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Heute
werden solche Texte immer häufiger gesprochen. Zum Teil deshalb,
weil sich die Priester nicht stimmsicher fühlen, zum Teil aber
auch, weil sie sich mit den archaischen Melodien nicht anfreunden
können. Der Verantwortliche für die Revision des Messbuchs im
Deutschen Liturgischen Institut, Eduard Nagel, glaubt: |
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