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Die Musik der zerstörten Synagogen.
Ein Konzert zur Erinnerung an die moderne Tradition jüdisch-liturgischer Musik in Deutschland vor der Reichspogromnacht und dem Holocaust


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Es wird nicht untergehen.
Jüdisch-Liturgische Gesänge aus Berlin


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Rebecca Garfein:
Sacred Chants of the Contemporary Synagogue


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With Every Breath.
Music of Shabbat


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Organ Music from Israel.
Orgelmusik aus Israel


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Mark Slobin / Jeffrey A. Summit:
The Lord's Song in a Strange Land.
Music and Identity in Contemporary Jewish Worship


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America's Premier Independetn Jewish Magazine


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Judaism and Hebrew Prayer.
New Perspectives on Jewish Liturgical History


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American Synagogues.
A Century of Architecture and Jewish Community


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Noah J. Efron:
Real Jews.
Secular Versus Ultra-Orthodox: The Struggle for Jewish Identity in Israel

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© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1999. 


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für Deutschlandfunk - Konzertdokument der Woche
Sonntag, 7. Februar 1999, 21:05 - 23:00 Uhr

Teil 4 (von 4)

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Das Gebet, das nun folgt, gehört zum Morgengottesdienst. Es wird gesprochen oder gesungen wie eine Begrüßung. Die Worte sind vertraut. Sie stammen aus dem 4. Buch Mose: „Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnstätten Israel. Durch die Fülle deiner Gnade darf ich in dein Haus kommen, mich vor deiner heiligen Stätte bücken in Furcht vor Dir! Ewiger, ich liebe die Stätte deines Hauses, den Ort, wo deine Ehre thront.“ Ma Tovu, heißt dieses Gebet und wurde von Louis Lewandowski im letzten Jahrhundert komponiert und erinnert – vermutlich nicht ganz zufällig – an eine italienische Arie.  Andor Izsák.

O-Ton 14 (Band 970 Prof. Andor Izsák, Hannover)
... kommt dieses ganz einmalige Lied „Ma Tovu“ (Wie schön sind deine Zelte). Genauso wie im Brahms-Requiem, wo der Chor singt . Singt: „Wie selig sind deine Wohnungen Herr Zebaoth“. Wir singen dieses Lied immer beim Betreten der Synagoge. Und bei uns klingt das so. Singt: Ma Tovu

Ma Tovu. Im Konzert sangen der New Yorker Kantor Joseph Malovany und der große, aus mehreren hundert Stimmen bestehende Chor.

Musik 10

Ma Tovu (Wie schön sind deine Zelte)
Musik: Louis Lewandowski (1821 – 1894)
Text: hebräisch trad.
Interpreten: Kantor Joseph Malovany, New York
alle beteiligten Chöre
Orgel: Prof. Gerhard Dickel, Hamburg

Jetzt folgt noch einmal eine Kantorin. Roslyn Barak ist Oberkantorin einer großen Reformsynagoge in San Francisco. Sie singt gemeinsam mit dem Chor - begleitet auf einer Harfe - einen Psalm, der außer am Schabbat und an besonderen Feiertagen, täglich im Rahmen des Morgengottesdienstes gebetet wird.  Die Melodie schrieb vor über hundert Jahren der damalige Kantor von Paris, Samuel Naumbourg.

„Jauchzet zum Ewigen, ganze Erde! Dienet dem Ewigen mit Freude, kommet vor ihn mit Jubel! Erkennet, dass der Ewige Gott ist, er hat uns erschaffen, und ihm gehören wir an, sind sein Volk, und die Herde seiner Weide“. Ein Hinweis noch, der vielleicht den oder anderen interessiert. Während die christlichen Übersetzungen der Bibel „Jauchzet dem Herrn“ übersetzen, reden jüdische Texte meist vom „Ewigen“. Roslyn Barak, Chor und Harfe interpretieren Mismor Lesodo – den Psalm zum Dankopfer.

Musik 11

Mismor Lesodo
Musik: Samuel Naumbourg (1816 – 1880)
Text: hebräisch trad. nach Psalm 100
Interpreten: Kantorin Roslyn Barak, San Francisco, alle beteiligten Chöre
Orgel: Prof. Gerhard Dickel, Hamburg
Harfe:
?

So, wie es Gesänge und Gebete gibt zum Ausheben der Thora aus dem Thoraschrein, gibt es auch welche, wenn sie zurückgestellt wird, nach dem daraus gelesen wurde und die Gemeinde sie anschauen und mit dem Tallit, dem Gebetsmantel berühren durfte. Der Text schließt unmittelbar an die Verse an aus dem zuvor gehörten Lied von Louis Lewandowski. Im Text geht es weiter im 4. Buch Mose. „und wenn die Lade sich niederließ, sprach Moshe – Moses: Kehre zurück Ewiger, zu den Myriaden der Tausende Israels!“ 

Und auch das ist eine Vertonung von Louis Lewandowski. Es singt Kantor Moshe Schulhof aus Miami  - gemeinsam mit dem großen Chor im Kuppelsaal des Kongreßzentrums Hannover. Uwenucho Jomar:

Musik 12

Uwenucho Jomar (Und wenn sie sich niederließ)
Musik: Louis Lewandowski (1821 – 1894)
Text: hebräisch trad. nach 4. Mose (Numeri) 10, 35
Interpreten: Kantorin Roslyn Barak, San Francisco, alle beteiligten Chöre
Orgel: Prof. Gerhard Dickel, Hamburg
Harfe: ?

Jetzt folgt noch einmal ein großes Stück, wieder ein Werk von Louis Lewandowski. Es ist der Psalm 103: „Preise meine Seele, den Ewigen, und all mein Innerstes seinen heiligen Namen“. Andor Izsák, der Leiter dieses Konzerts und Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik, hat diese Komposition erst vor wenigen Jahren erschlossen und veröffentlicht:

O-Ton 15 (Prof. Andor Izsák, Hannover)
Diese Komposition ist nicht für die hebräische Sprache, sondern die deutsche komponiert worden. Louis Lewandowski, der seine 18 liturgischen Psalmen, wie er schrieb, für Soli, Chor und Orgel komponierte, widmete sein Werk, wie es in der Notenveröffentlichung heißt, seiner Majestät, dem Könige von Bayern Ludwig II. in tiefster Ehrfurcht. Und von diesem Lewandowski, der im Jahre 1894 starb, konnte ich die 18 Psalmen genau 100 Jahre später veröffentlichen. Ich hätte aber nie geglaubt, dass es einmal möglich sein wird, wie heute bei diesem Konzert, dass 500 nichtjüdische Sänger jüdische Kompositionen von dem großartigen Berliner Synagogenmusiker singen würden.

Psalm 103. Es singen die Solisten aus den Chören und die vereinigten Chöre aus Berlin, Breslau, Hamburg, Braunschweig, Hannover und Osnabrück.

Musik 13

Psalm 103
Musik: Louis Lewandowski (1821 – 1894)
Text: deutsch trad.
Interpreten: Solisten und Chor, Knaben- und Jugendchor der Hamburger Hauptkirche St.Michaelis, Hannoverscher Oratorienchor
Orgel: Prof. Gerhard Dickel, Hamburg

Zum Schluss dieses Gedenkkonzerts der letzte Psalm, der Hundertfünfzigste. Es ist ein einziger Jubelgesang. Ein Text, die im Judentum zum täglichen Morgengebet gehört. Vertont wurde er wieder von den großen Berliner Kantor Louis Lewandowski:

Hallelujah!
Preiset Gott in seinem Heiligtume,
preiset ihn in seiner Himmelsfeste,
Preiset ihn ob all seiner Allmacht,
Preiset ihn nach der Fülle seiner Größe.
Preiset ihn mit dem Schmettern der Posaune,
Preiset ihn mit Zither und Harfe,
Preiset ihn mit Pauke und Reigen,
Preiset ihn mit Saitenspiel und Flöte,
Preiset ihn mit Klang der Zimbeln.
Preiset ihn mit schmetternden Trompeten,
Alles was Odem hat, lobe den Herrn. Hallelujah.

Musik 14

Psalm 150 – Halleluja
Musik: Louis Lewandowski (1821 – 1894)
Text: deutsch trad.
Interpreten: alle beteiligten Chöre, Solisten aus den Chören
Orgel: Prof. Gerhard Dickel, Hamburg

Mit diesem großartigen Psalm endet unsere Konzertdokumentation „Die Musik der zerstörten Synagogen“ zum 60. Jahrestag der Reichspogromnacht. Das Konzert wurde am 9. November 1998 vom Radio 3 des Norddeutschen Rundfunks direkt aus dem Kuppelsaal des Kongreßzentrums in Hannover übertragen. Veranstalter war das Europäische Zentrum für Jüdische Musik an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Mitwirkende waren

- die Kantoren Roselyn Barak aus San Franscisco, Joseph Malovany, New York und Moshe Shulhof, Miami, 

- die Chöre Breslauer Synagogenchor, Domkantorei Berlin, Domchor Braunschweig, Knaben- und Jugendchor St. Michaelis Hamburg, Chor des Gymnasiums Carolinum Osnabrück, Hannoverscher Oratorienchor, Kantorei St. Johannis, Hannover, Kammerchor der Hochschule für Musik und Theater Hannover, Hannoverscher Jugendkammerchor, Sängerinnen und Sänger der Musikhochschulen in Rostock, Leipzig, Detmold und Dresden. Aus den Chören traten als Solisten auf: Frederike Adamski und Stephanie Stiller (Sopran), Gesine Grube und Ute Ramajsl (Alt), Martin Hundelt und Philip Marston (Tenor), Paul Möllmann und Titus Witt (Bass). An der Orgel begleitete Gerhard Dickel. Die Leitung hatte Andor Izsák vom Europäischen Zentrum für Jüdische Musik in Hannover.

Durch die Sendung führte sie Heinz-Peter Katlewski. Einen schönen Abend.


Teil 4 (von 4)

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