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((Vorspiel
dem Text unterlegen))
Musik
4
Shehecheyanu,
auf: Sacred Chants of the Contemporary Synagogue
Bari Productions, Inc. New York 1998
((nach
28“ rausziehen und noch etwas unterlegen)) |
Shehecheyanu
– Ein traditionelles Gebet, das an besonderen Festtagen gesungen
wird. Es dankt dafür, diesen frohen Tag erleben zu können.
Komponiert wurde es in dieser Version von Kantor Robert Solomon,
einem der bekannteren zeitgenössischen amerikanerischen
Komponisten von Synagogalmusik.
Die
Interpretin, Rebecca Garfein, ist Kantorin einer großen New
Yorker Gemeinde, der Congregation Rodeph Sholom. Welche Aufgaben
hat sie? |
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O-Ton 2
(Interview Cantor Rebecca Garfein, Congreg. Rodeph Sholom, New
York)
Singing and leading the music at all the services, all the
holidays, all the chagim, high holidays, besides that I also have
a children’s choir that I work with and that sings, and I have
an adult volunteer choir that I train. And I also have
professional singers that sing with me in the sanctuary, so that’s
a whole other group of people. But in addition to this I am really
responsible for the training of all the Bnai Mitzwa students.
Usually we have about a hundred Bnai Mitzwa students a year. So I
don’t do it by myself, but I do train and I do work with every
single Bnai Mitzwa that comes through this synagogue. I have an
opportunity to really get to know them. I am the person along with
Rabbi Levine who is with them the way they become a Bar/Bat
Mitzwa. So it is very important to us, that we have a personal
connection with children. So its not that I am having my Bar
Mitzwa, you know, its really about the day and about the future,
its about the connection of that person will have not only on that
day, but for the rest of their lives with the community, maybe not
always necessarily, but as they go forward in life .
Ich
singe und führe den musikalischen Teil aller Gottesdienste, am
Schabbat, an allen Festen und hohen Feiertagen. Außerdem leite
ich einen Kinderchor und ich unterrichte einen Gemeindechor aus
Laien. Dann wiederum gehört dazu, mit dem professionellen Chor
der Gemeinde zusammenzuarbeiten. Und darüber hinaus bin ich
verantwortlich für die Vorbereitung der Kinder und Jugendlichen
auf ihre Bar- oder Bat Mitzwa. Wir haben jedes Jahr ungefähr
hundert hier. Ich unterrichte zwar nicht alles selbst, aber ich
widme mich jedem einzelnen persönlich, gemeinsam mit unserem
Rabbiner. Dass ist mir sehr wichtig, diesen persönlichen Kontakt
zu den Kindern zu haben. Der Kontakt soll sich ja nicht nur auf
diesen Tag allein konzentrieren. Es geht ja auch um die Zukunft,
darum, die Verbindung über diesen Tag hinaus zu festigen zwischen
ihnen und der Gemeinde auf ihrem Weg hinaus ins Leben. |
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In
der traditionellen Synagoge ist ein Kantor einfach nur ein
Vorbeter. Das ist eine ehrenvolle Aufgabe. In der Regel
übernehmen das die Männer, die am besten hebräisch können, die
die Gebetsmelodien am besten beherrschen, die die Tora am besten
kantillieren können und die das größte religiöse Wissen haben.
Ein Beruf ist daraus erst geworden, als auch in der jüdischen
Gemeinschaft Religion ihre zentrale Rolle im Leben eingebüßt
hat, während zugleich die Ansprüche an die ästhetische
Qualität gottesdienstlicher Veranstaltungen enorm gestiegen sind.
Die Kriterien dafür entstammen den Erfahrungen mit Kunst und
Musik außerhalb des Gotteshauses.
Heute
wird dieser musikalische Geschmack immer stärker von populären musikalischen
Genres bestimmt. Die theologisch gebildeten und kunstmusikalisch
trainierten Kantoren müssen sich deshalb auf Lieder einlassen,
die – abgesehen von den Texten – wenig mit jüdischer
Tradition zu tun haben. Ein Beispiel dafür sind die Lieder von
Debbie Friedman. Sie ist z.Zt. die populärste zeitgenössische
jüdische Liedermacherin in Amerika: |
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((ca.
3” vorher unterlegen))
Musik
5
Not
by Might - Not by Power,
auf: Debbie Friedman at Carnegie Hall,
SWP 612, Industrie-Nr. 6-06261-6121-2
((bei
0:43 rausziehen und noch einen Augenblick unterlegen)) |
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Ein
Zitat aus dem Buch Sacharja der Hebräischen Bibel: Nicht durch
Macht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist, spricht
der Ewige, der Herr aller Geschöpfe.
Debbie
Friedman ist auch ein Kind des Greenwich Village. In diesem
Stadtteil New Yorks indem die School of Sacred Music ihren Sitz
hat, entstand in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts die
amerikanische Folkbewegung. Mit Liedern in diesem Stil versucht
eine ganze Generation von Sängerinnen und Sängern, Menschen für
die Religion neu zu motivieren. Eine Studie der über"konfessionellen" Bewegung
"Synagogue 2000" hat nämlich
herausgefunden, dass sich unter den sechs Millionen Juden in den
USA nur noch die über 55jährigen stark mit ihrer Religion und
der jüdischen Gemeinschaft identifizieren. In den Altersgruppen
darunter steigt der Grad an Indifferenz. Synagogen lassen sie
kalt, die meisten Gottesdienste sind ihnen unverständlich. In
immer mehr Synagogen erklingen deshalb neben Sopran, Tenor oder
dem Bariton der professionellen Vorbeter – sofern die Gemeinde
sie sich diese teuren Experten überhaupt leistet – auch solche
Gesänge:
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Musik
6
Hineh
mahtov (Feldaufnahme),
auf: Begleit-CD zum Buch von Jewffrey A. Summit
“The Lord’s Sang in a Strange Land“
Oxford University Press, ISBN 0-19-511677-1
((bei ca.
0:41 rausziehen)) |
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Impressionen
aus einem Gottesdienst in einer großen Reformgemeinde von New York.
Kantor Bruce Ruben glaubt, dass die liturgischen Gesänge zur Gitarre
wenig dazu beitragen können, eine angemessene zeitgenössische jüdisch-religiöse
Musik zu entwickeln. Sie nutzen sich zu schnell ab. Schuld an dieser
Entwicklung sind die Rabbiner in Amerika, meint er – viele von denen
jedenfalls, die heute in den mittleren Jahren sind.
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O-Ton
3 (Interview Cantor Bruce Ruben, Temple Shaaray Tefila, New York)
Many Rabbis who serve in the rabbinate in America grew up in the
camp movement. They went to the summer camps and had services
around the campfire. They learnt folksongs for the service, and
they loved that experience. In some cases, this is why they became
Rabbis. They wanted to create a movement that is informal and
intimate the way campfire services are at camps. And so their
preference in many cases is for – low church music: Folksongs,
that are easily accessible, where you can clap to, very easy to
catch on . (klatscht). And
that’s the way they want the services in many cases. The cantors
are trained in the whole history of Jewish liturgical music from
Rossi in the renaissance through the great composers of the German
and Austrian synagogues like Sulzer, Lewandowski, Naumbourg in
France. They are trained in Nusach, in the traditional chant modes
and they are trained in the Eastern European cantorial pieces.
They know the whole richness of it, and they have to work with a
Rabbi, who is saying, I want sing along Guitar Music at my service, because that’s the feeling I want at my
service. So,
now you have a turf battle going on. The cantor who is the music
specialist and knows the rich heritage of Judaism and a Rabbi that
grew with a love of a certain style, and wants his congregation to
have that style, wants to pull them in to a love of their
tradition through – what I call – the lowest common
denominator music.
Viele
Rabbiner heute in Amerika sind in der jüdischen Jugendbewegung
aufgewachsen. Im Sommer fuhren sie zu Zeltlagern und erlebten dort
gemeinsam Gottesdienste am Lagerfeuer. Sie lernten dort religiöse
Folksongs und diese Erfahrung bedeutete ihnen alles. Manche wurden
deshalb Rabbiner. Sie wollten eine Bewegung begründen, die
informell und intim ist, so wie am Lagerfeuer. Und da schien
vielen von ihnen einfache Musik am besten geeignet zu sein.
Lieder, die leicht zugänglich sind und bei denen man mitklatschen
kann. So wollten viele von
ihnen auch die Gottesdienste. Die Kantoren dagegen kennen die
ganze Geschichte jüdischer liturgischer Musik – angefangen von
Rossi in der Renaissance bis hin zu den großen Komponisten der
deutschen und österreichischen Synagogen. Sie haben auch Nussach
gelernt, die alten überlieferten Melodietypen für die Gebete,
sie kennen auch die Werke der osteuropäischen Kantoren. Und dann
kommt so ein Rabbiner, der sagt, ich will in meinem Gottesdienst
zur Gitarre singen, dieses Gefühl möchte ich vermitteln. So, und
dann geht eine Schlammschlacht los. Hier der Kantor, der ein
Kenner der Musik und der Tradition ist und dort der Rabbiner mit
seiner Liebe zu einem ganz bestimmten Stil, und der gern möchte,
das die Gemeinde, diesen Stil übernimmt und darüber jüdische
Traditionen lieben lernt – ausgerechnet durch eine Musik des
kleinsten gemeinsamen Nenners. |
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