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Kantoren
für die Reformsynagoge
Die
"School of Sacred Music" am Hebrew Union College von New York
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©
für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2002.
Übersetzungen
von O-Tönen
(Zitaten) berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren
Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den
englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder.
Hyperlinks
sollten aktuell sein. Bei fehlerhaften oder toten
URLs bitte ich um ein kurzes E-Mail mit Hinweis auf die
entsprechende Seite und den Link. Danke. |
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für
Saarländischer Rundfunk - SR 2 "Thema: Kultur/Musik"
Dienstag, 30. Juli 2002, 09:30 - 10:00 Uhr |
| Teil
3 (von 4) |

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Musik
7
Kiddush
(Kurt Weill),
auf: From Generation to Generation,
RR5009, Industrie-Nr. 0-72911-50092-4
((nach
ca. 0:43 absenken und noch unterlegen)) |
Kiddusch,
ein festliches Gebet, das nach einem Schabbatgottesdienst vor
einer Mahlzeit über Wein gesprochen wird. Ein Auszug aus einer
wenig bekannten Komposition von Kurt Weill, gesungen von Kantor
Richard Botton in der New Yorker Zentralsynagoge.
Richard
Botton war als Student ein Kommilitone des heutigen Direktors der
School of Sacred Music, Israel Goldstein. Israel Goldstein stammt
ursprünglich aus London. Sein Vater war dort einst Kantor einer
großen orthodoxen Synagoge, er selbst war Mitglied des
Synagogenchores. Als seine Eltern in die USA übersiedelten traf
er auf eine neue Welt, auch in der Synagoge.. |
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O-Ton 4
(Cantor Israel Goldstein, Hebrew Union College, New York)
I came to the United states when I was a young teenager with my
parents. As an older teenager I conducted for him a little bit.
And I went to Hebrew Union College. And it was here at the school,
that my vistas were open for that was known than as the
renaissance of Jewish Music and the more contemporary composers
… of the thirties, forties in to the fifties. That’s kind of
when things started to change. That’s the time when this kind of
creativity – at least the stand of creativity cease. So the
thirties and forties until the fifties was indeed a tremendous
renaissance. We had great composers writing for the synagogue at
that time, including by the way Ernest Bloch, who wrote his great
sacred service in the early thirties.
Ich
kam als kleiner Teenager in die USA. Als etwas älterer Teenager
durfte ich für meinen Vater ein wenig dirigieren. Ich entschied
mich schließlich, hier am Hebrew-Union-College zu studieren. Hier
wurden mir die Augen geöffnet für eine Renaissance jüdischer
Musik die sich zeitgenössischen Komponisten in den dreißiger,
vierziger und fünfziger Jahren abspielte. Die Fünfzier waren
dann allerdings auch die Zeit, in der sich die Dinge zu ändern
begannen und diese Phase der Kreativität zur Ruhe kam. In dieser
Zeit schrieben einige große Komponisten für die Synagoge,
einschließlich Ernest Bloch, der seinen großen Gottesdienst in
den frühen Dreißigern verfasste. |
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((bei 1:27
aufblenden))
Musik
8
Avodath
Hakodesh,
Kantor José Kaufmann + Berner Symphonieorchester,
Mitschnitt des Radio DRS bei der Biennale Bern, 17.10.2001
((nach ca. 2:03
absenken und noch unterlegen)) |
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Die
Reformbewegung hat in den USA die jüdischen Gemeinden schon sehr
früh dominiert. Nicht nur die Gebetstexte wurden in Englisch
gesprochen, auch die Lieder waren meist englisch, und sogar die
Tora-Lesung wurde in der Übersetzung vorgetragen. Auch von den
traditionellen Melodien blieb in den meisten jüdischen Gemeinden
der Neuen Welt zunächst nicht viel erhalten. Neue Kompositionen stammten
in der Regel aus der Feder von Nicht-Juden, die in den Gemeinden
für die musikalische Begleitung sorgten: also vom angestellten
Chorleiter und vom Organisten. Beide waren naturgemäß mit der
jüdischen Tradition noch weniger vertraut, als die
Gemeindemitglieder.
Erst
in den dreißiger Jahren kehrten Motive und Gesänge in die
Gottesdienste zurück, die ihre Ursprünge vor rund 2000 Jahren
hatten. Die Voraussetzungen dafür hatte die sogenannte goldene
Ära der Kantoren geschaffen: Eingeleitet wurde sie fast
ausschließlich durch eingewanderte osteuropäische Kantoren. Mit
ihnen erfuhren lange radikal abgelehnte orientalische Klänge eine
neue Legitimation.
Yeshaya
Meisels, 1869 in Warschau geboren, war einer von ihnen. In seinen
Gottesdiensten in der orthodoxen ungarischen Gemeinde Oheb Zedek
von New York wurden niemals Instrumente eingesetzt, sondern nur
ein einstimmiger Männerchor. Übrigens gilt das für orthodoxe
Synagogen schlechthin. Instrumente waren – nach orthodoxer
Auffassung – dem Tempel vorbehalten, und den gibt es seit bald
2000 Jahren nicht mehr. |
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Musik 9
Birchas
Kohanim,
auf: The Golden Age of Cantors,
GAC 101D, Industrie-Nr. 7-11243-96902-2
((bei 0:54
ausblenden)) |
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O-Ton 5 (Cantor
Josée Wolff, Union for Reform Judaism, New York)
Early Reform in America had no cantors in the beginning, had organ
and choir and sang hymns in English, because in way, they wanted
to sound like their neighbours. And so a lot of the traditional
and chant that sounded too oriental were completely thrown out.
So, if you look at early collections of music for the Reform
synagogue, you can that development. It is very interesting. The
early hymnus are in English, there is barely any traditional
melody left, maybe a High Holyday (singt) – it’s a very
standard high holiday motif, but the majority of music is very
Western, very square and very much like a hymn in the Church. And
than you can see a development throughout the 20th century with
the new publications thing are slowly starting to slowly change.
And you see more traditional melodies come back. Less English more
Hebrew. And when you look at the latest publications we just did a
year ago, an anthology of High Holiday music, that has by far the
most traditional chant in it from any publications so far. It is
an interesting concrete expression of what is happening in the
movement.
Die
frühe Reformbewegung in Amerika hatte noch keine Kantoren. Sie
hatte eine Orgel, einen Chor und die Gemeindelieder erklangen in
Englisch. Man wollte eben so klingen, wie die christlichen
Nachbarn. Vieles aus der Tradition und viele Gesänge, die zu
orientalisch klangen, wurden aus dem Repertoire komplett
herausgeworfen. Ein Blick in die frühen Sammlungen der
Reformsynagogen macht diese Entwicklung sehr deutlich. Allenfalls
an Hohen Feiertagen ist noch etwas einer traditionellen Melodie zu
erkennen. (singt) Das ist ein typisches Motiv für
die Hohen Feiertage. Der größte Teil der Musik ist sehr
westlich, sehr langweilig, wie ein Kirchengesang. Aber im 20.
Jahrhundert ist eine Entwicklung zu beobachten. Mit neuen
Veröffentlichungen ändert es sich zunehmend. Eher traditionelle
Melodien kehren zurück. Englisch wird etwas zurückgenommen,
dafür gewinnt das Hebräische an Bedeutung. Und wenn man sich
unsere jüngsten Publikationen schaut, die wir gerade vor einem
Jahr herausgegeben haben, eine Anthologie von Musik für die Hohen
Feiertage, dann ist nicht zu übersehen, dass sich darin mehr
traditionelle Gesänge finden als jemals zuvor. Das ist ein sehr
konkreter Ausdruck dessen, was sich hier tut. |
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Auch
Josée Wolff ist Kantorin. Und auch sie ist Absolventin der School
of Sacred Music des Hebrew Union College. Die geborene Holländerin
leitet heute (bis 2003) das Musikreferat der mit Abstand größten
Vereinigung jüdischer Gemeinden in Nordamerika, der Union of
American Hebrew Congregations – der Vereinigung
amerikanischer jüdischer Gemeinden (seit Dezember 2003: Union
for Reform Judaism). Ihre Aufgabe ist es, vor allem
aktiven musikalischen Laien in den Gemeinden zu helfen, die
Gottesdienste anspruchsvoll und abwechslungsreich zu gestalten. Es
geht darum, bei den Mitgliedern ein Verständnis dafür zu
entwickeln, was das spezielle an ihrer Religion und ihren
Traditionen ist, und warum es wertvoll ist, das wieder ins
Bewusstsein zu bringen*):
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*)
Josée Wolff ist mittlerweile
(2004) "Director of Student Placement" an der School of
Sacred Music des New Yorker Hebrew Union College und unterrichtet
dort auch. Darüber hinaus arbeitet sie als freiberufliche
Kantorin und veranstaltet Workshops zur synagogalen Musik.
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| Teil
3 (von 4) |

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