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Kantoren für die Reformsynagoge
Die "School of Sacred Music" am Hebrew Union College von New York


© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2002. 


Übersetzungen
von O-Tönen (Zitaten)  berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder. 


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für Saarländischer Rundfunk - SR 2 "Thema: Kultur/Musik"
Dienstag, 30. Juli 2002, 09:30 - 10:00 Uhr

Teil 4 (von 4)

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O-Ton 6 (Cantor Josée Wolff, Union for Reform Judaism, New York)
Judaism is a lot about distinctions and differentiating between sacred and profane, between kosher and non-kosher, between this and that. A lot of it is about distinctions. And that’s in a way what the music does too, that if you use the music for a weekday or a Shabbat it makes distinctions between different times. I helps you to keep track of this is a weekday, this is Shabbat, this is Rosh Hashana, the New Year. So, if you take a text like the first blessing of the Amidah, which is one of the central parts of the prayer service. It’s a set of 19 benedictions during the week and seven on Shabbat, but the texts are constant. It’s the same way you sing on a week that you sing on Shabbat, it’s the same text that come on the high holidays, only with some additional lines in there. But the sounds are different.

On a weekday here that text might sound something like this: (singt) That’s the beginning of a weekday. Its in a certain mode with a certain sound. On Shabbat that same text would sound like this: (singt). Different sound, different mode.

Now, on the high holidays – the exact musical setting vary a little bit, but the mode is the same mode. So, one composer may do the not this way and the other one may do it that way, but they all use the same basic material. So, on High Holidays, this is the version of Lewandowski. I just used this in Holland. This is how the same text would sound: (singt). It is a very different sound again, and the sound changes at the end of Yom Kippur. The concluding service which is called N’ilah its on tonality again, and it is a very different sound, which again helps you to remember where you are in that cycle of that days. In the morning it would sound the way I just sang it, but in the afternoon at the end of the day, the same text is gonna sound like this: (singt). And it’s a typical motif for the end of Yom Kippur, and you here this sound of motif throughout Ashkenazi communities, even though the exact notes maybe a little different, but that’s what the basic motif will be there.

Im Judentum geht es zu einem großen Teil um Unterschiede, darum, differenzieren zu können zwischen heilig und profan, koscher und nicht koscher, zwischen diesem und jenem. Bei ziemlich vielen Gelegenheiten geht es um Unterschiede. Und so ist es auch bei der Musik. Es gibt Unterschiede zwischen Musik für den Wochentag oder für einen Ruhetag, einen Schabbat. Es macht einen Unterschied, ob es abends oder morgens ist. Das hilft dir, dir darüber klar zu werden in welcher Zeit du dich gerade befindest. Ob es Schabbat ist oder meinetwegen Rosch Haschana – unser Neujahrsfest. Zum Beispiel die Amida – das ist ein Sammlung von Segenssprüchen, die während des Gottesdienstes im Stehen gesprochen oder eben gesungen wird. Es sind 19 während der Woche und sieben am Schabbat, aber die Texte sind immer die gleichen. Es ist stets die gleiche Art und Weise, ob in der Woche oder am Schabbat, nur an hohen Feiertagen kommen noch ein paar Zeilen dazu. Es klingt jedoch immer anders. An Wochentagen ungefähr so: (singt) 

Das ist der Beginn eines Wochentages. Es ist eine bestimmte Melodiefigur mit einem bestimmten Klang. Am Schabbat würde der gleiche Text so klingen: (singt) 

Nun, an den hohen Feiertagen, da variiert die Anordnung ein wenig, aber die Melodiefigur ist stets die gleiche. Der eine Komponist mag das so ausdeuten, der andere geht einen anderen Weg, aber alle nutzen das gleiche musikalische Material. Das ist eine Version von Lewandowski für die Hohen Feiertage. Die klingt ungefähr so: (singt) 

Wieder ein neues Klangbild, und am Ende des Versöhnungstags, an Yom Kippur hört es sich erneut anders an. Beim Schlussgebet, beim Neila sind wir wieder in der Tonalität, und wieder ertönt es ganz anders. Das hilft, sich daran zu erinnern, dass es um einen Zyklus von bestimmten besonderen Tagen geht. Am Morgen von Yom Kippur würde es so klingen, aber am Nachmittag, am Ende des Tages etwa so: (singt) 

Das ist ein typisches Motiv für das Ende von Jom Kippur. So erklingt es jedenfalls in allen aschkenasischen Gemeinden, auch wenn vielleicht die exakten Noten ein wenig variieren mögen. Das grundlegende Motiv, das ist stets zu identifizieren.

 

Musik 10 

Adir Hu,
auf: The Best of Rabbi Shlomo Carlibach,
BAN 15300, Industrie-Nr. 7-293372-153006

((bei ca. 0:48 rausziehen, evtl. unterlegen))

Ein traditionelles Gebet, das am Pessachfest gesungen wird, wenn die Geschichte vom Auszug aus Ägypten erzählt wird. Sänger ist der 1994 verstorbene Rabbi Shlomo Carlibach. Er war wie Debbie Friedman von der amerikanischen Folkbewegung der frühen sechziger Jahre geprägt. Seine Vertonungen allerdings halten sich enger als die der meisten amerikanischen Songschreiber an die alten musikalischen Überlieferungen und Modi, die bis heute das Judentum durch die Geschichte begleiten.

Charakteristisch für diese Modi ist das komplizierte Geflecht der Tropen der Tora-Kantillation. An der School of Sacred Music gehören sie zum Basis-Handwerk. Hier ein kurzes Klangbeispiel. Erst wird eine einzelne Trope mit ihrem hebräischen Namen gesungen, „Kad'ma“, dann erklingen eine Ableitung dazu, und schließlich vier kurze Wortkombinationen aus der Tora.

Musik 11

Track 35,
The Art of Torah Cantillation,
Transcontinental/New Jewish Music Press No. 386503

 

O-Ton 7 (Cantor Jeffrey Goldberg, Hebrew Union College, New York)
You can look at Jewish music, and we can look at certain different layers. We can say certain layers are older than others. We know, the cantillation must be the old-est layer in Jewish music, but cantillation varies from community to community. From Ashkenazi to Sephardi to Oriental, and there are differences in the Ashkenazi communities, but it still remains the oldest level. Than you have the simple prayer-chants, which Ashkenazi call the Nusach. Some of these are very old. Some of these are related to the cantillation, the way we chant the publicly red books of the bible. But there have been changes even within Nusach.

Wenn man jüdische Musik betrachtet, entdeckt man verschiedene Schichten. Man kann zum Beispiel sagen, bestimmte Schichten sind älter als andere. Wir wissen, dass die Tora-Kantillation die älteste Schicht darstellt. Aber Kantillation ist nicht überall gleich. Sie variiert von Gemeinschaft zu Gemeinschaft. Sie ist anders bei aschkenasischen Juden als bei den Sepharden oder bei den Orientalen. Und innerhalb der aschkenasischen Gemeinschaft gibt es auch wieder Varianten. Dann gibt die einfachen Gebetsgesänge, die bei den Aschkenasim Nussach genannt werden. Einige darunter sind sehr alt. Einige sind auch mit der Kantillation verwandt. Aber auch bei den Nussach-Gesängen gibt es Abweichungen.

Jeffrey Goldberg ist sowohl ein studierter Rabbiner als auch ein studierter Kantor. Er lehrt heute jüdische Musikethnologie an der School of Sacred Music des Hebrew Union College in New York.

In jüngster Zeit steigt das Interesse an diesem Schatz der Tradition – auch im mächtigen Reformjudentum Nordamerikas. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert suchten Gemeinde und Kantoren Anschluss an die herrschende bürgerliche Musikkultur. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts versuchen es Rabbiner und Gemeinden mit der Intimität und der unmittelbaren musikalischen Sprache der Lagerfeuergesänge. Parallel dazu dienen jetzt immer mehr Gläubigen die alten jüdischen Traditionen als Quelle, die eigene Identität zu definieren gegenüber den vielen anderen noch wachsenden religiösen Angeboten in der modernen Gesellschaft der USA.

O-Ton 8 (Cantor Josée Wolff, Union for Reform Judaism, New York)
Worship – you know: Services, Prayer and Music have become much, much more important in the Reform movement, especially in the last two years. Worship and Music have been on the front burner because the Reform movement for a very long time has focussed a lot on social action, on being just, on helping the poor, the needy, and less on its own prayer life, its own religious and spiritual life. And I think over the last – certainly the last five years, possibly a little longer, we’ve seen a change, where people are searching again for the spiritual side as well. It doesn’t mean the social action as practice became less important, but it does mean that the spiritual life and the prayer life of Jews has become more important. And part of that picture, when you talk about religious services and prayer services, music is a very integral part of that. And so worship and music have become really central focai for the Reform movement.

Gottesdienste, Gebete und Musik haben in der Reformbewegung erheblich an Bedeutung gewonnen, vor allem in den letzten zwei Jahren. Lange Zeit hatte sie sich ausschließlich auf soziales Engagement konzentriert – Gerechtigkeit, Hilfe für die Armen und Bedürftigen. Die eigene Frömmigkeit, das eigene spirituelle Leben blieben dabei außen vor. Aber in den letzten fünf Jahren zeichnet sich eine Veränderung ab. Die Menschen suchen nach Spiritualität. Das heißt nicht, dass soziales Engagement bedeutungslos geworden wäre, aber die spirituelle Komponente hat an Bedeutung gewonnen. Und wenn man über religiöses Leben und Gottesdienste spricht, dann ist Musik notwenig ein Teil des ganzen. Auf diese Weise sind Spiritualität und Musik die beiden wichtigsten Schwerpunkte der Reformbewegung geworden.

 

Musik 12 

Psalm 113,
auf: Celebrating the Past and the Present,
HUC-JIR 1999, Industrie-Nr. 6-6035506172-1

((auf Schluss spielen))


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