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Songleading in der Jüdischen Jugendlagerbewegung der USA.
Songs im populären Stil integrieren vor allem junge Menschen ins Judentum, irritieren dafür aber ältere und musikalisch anspruchsvolle.


Buch (engl.) mit CD
Jeffrey A. Summit:
The Lord's Song In A Strange Land
Music and Identity in Contemporary Jewish Worship


Buch
Shirley Barish/ 
Ann D. Koffsky:
The Big Book of Great Teaching Ideas:
For Jewish Schools, Youth Groups, Camps, and Retreats


Buch (über Amazon.com)
Sylvia C. Ettenberg/ Geraldine Rosenfield:
Ramah-Experience.
Community and Commitment


Buch (engl.) mit CD
Judy Caplan Ginsburgh:
My Jewish World:
An Early Childhood Music Curriculum


CD
Judy Caplan Ginsburgh:
Shalom Yelodim:
Hello Children


CD
Judy Caplan Ginsburgh:
Amazing Songs for Amazing Jewish Kids


CD
Debbie Friedman:
Live At The Del.


CD
Debbie Friedman:
Shanah Tovah: 
A good Year


CD
Debbie Friedman:
Renewal Of Spirit.


CD
Debbie Friedman:
Live At Carnegie Hall  


CD
Debbie Friedman:
World of your Dreams 


CD
Debbie Friedman:
Shirim Al Galgalim: Songs on Wheels.
Kinderlieder


CD
Debbie Friedman:
And Your Shall Be A Blessing.

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© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 2002. 


Übersetzungen
von O-Tönen (Zitaten)  berücksichtigen nach bestem Wissen den weiteren Kontext des Gesagten (Redebeitrag oder Interview). Sie geben den englischen Text deshalb nicht unbedingt wörtlich wieder. 



für Westdeutscher Rundfunk - WDR 2 "Zum jüdischen Laubhüttenfest: Sukkot"
Freitag, 20. September 2002, 15:05 - 15:20 Uhr


O-Ton 1 (Interview Judah Cohen, Harvard University)
In the 1930s a number of people came over to the United States from Germany, they were rabbinic students, and they wanted to do things similar to the way did things in Germany. And this included a lot of the Kinderwandern, a lot of youth-group type of experience. They came over and wanted to start something similar in the United States.
Songleading Workshops der "Union for Reform Judaism"

In den dreißiger Jahren kamen viele Menschen aus Deutschland in die USA, darunter eine Reihe von Rabbinerstudenten. Und die wollten alles so machen wie zuvor in Deutschland. Dazu gehörte ihre Erfahrung mit der Jugendbewegung, vor allem mit den jüdischen Jugendbünden. So etwas ähnliches wollten sie auch in den Vereinigten Staaten aufziehen.

Jüdische Jugendlagerbewegungen 
in Nordamerika


Logo der Jugendcamp-Bewegung des Reformjudentums in Nordamerika

Logo der Jugendcamp-Bewegung des "Conservative Judaism" in den USA

Judah Cohen ist Musikwissenschaftler an der amerikanischen Harvard Universität*. Er beschäftigt sich dort u.a. mit einer Bewegung innerhalb des Reformjudentums, die die Synagogalmusik fundamental verändert hat: dem Camp Movement – auf deutsch: der Jugendlagerbewegung. Das erste Camp fand bereits 1939 statt, aber Lieder spielten damals eine untergeordnete Rolle. Jugendliche und junge Erwachsene sollten vor allem im lockeren Rahmen etwas über ihr Judentum erfahren und ihr Wissen vertiefen. Das ist bis heute das Ziel dieser Lager. Aber seit Anfang der fünfziger Jahre hat dort unüberhörbar die Gitarre Einzug gehalten. Sie macht auch vor großen jüdischen Gebeten nicht halt. Im Gegenteil: sie macht sie für viele junge Menschen überhaupt erst zugänglich. Das gilt auch für das Sch'ma Israel – Höre Israel:

((etwa 0:10 Sekunden unterlegen, evtl. vorher bereits unterlegen))

Musik 1 

Sh'ma (Shabbat Evening Services),
auf: Shir L'L'Yom Chadash
1999 UAHC Camp Institutes for Living Judaism
Capm Newman and Camp Swig Album
SoundsWrite Productions

((bei 0:35 rausziehen und dem Text kurz unterlegen))

O-Ton 2 (Interview Dr Judah Cohen, Harvard University)             
The first summer camp, that was established in Wisconsin, north of Chicago. And it was really through that Chicago region and through these rabbis that were trained in Cincinnati and came over from Germany, that this whole song leading movement really got started. After that, then songleading became a very important part of the camp experience.    

Das erste etablierte Sommerlager wurde in Wisconsin nördlich von Chicago eingerichtet. Also nicht in New York, wie sonst alles im amerikanischen Judentum. Und begonnen hat es mit diesen Rabbinern aus Deutschland, die in Cincinnati am Hebrew Union College ihre Ausbildung abgeschlossen hatten. Und von da an wurde Songleading, das Singen von Gemeinschaftsliedern ein wichtiger Teil des Lagererlebnisses.

Aber dabei blieb es nicht. Die klassischen Schabbatfeiern im amerikanischen Reformjudentum waren ursprünglich – trotz im einzelnen großer Unterschiede – stark vom evangelischen Sonntagsgottesdienst beeinflusst, und das seit rund 150 Jahren. Die zuvor sehr lange traditionelle jüdische Liturgie wurde streng geordnet und gestrafft auf eine gute Stunde. Rabbiner und Kantor  teilen sich die Gottesdienstleitung. Der Beruf des Kantors wurde schließlich sogar professionalisiert. Die Gemeinde singt einen Teil der Liturgie selbst und wird dabei unterstützt von einer Orgel oder einem Piano, einen anderen Teil übernimmt ein gemischter Chor.

Auch das hat sich in den USA und Kanada bereits zu einer Tradition entwickelt, und die hat wiederum ihre Ursprünge im liberalen Judentum Deutschlands während des 19. Jahrhunderts. Heute ist dieser Stil hierzulande kaum noch vertreten, dafür ist er in Nordamerika sehr weit verbreitet. Und selbst in England sind in vielen Synagogen Orgel und gemischter Chor zu hören – allerdings nicht dort, wo die Orthodoxie das Sagen hat. Für sie sind Instrumente am Schabbat und Frauenstimmen im Gottesdienst unvorstellbar. Kantoren der amerikanischen Reformbewegung müssen ein umfangreiches Studium absolvieren, um in ihrer Gemeinde sowohl theologisch eine führende Rolle übernehmen zu können als auch die Gottesdienstästhetik zu prägen. Sie lernen dafür an einer eigenen Hochschule die ganze Breite jüdischer Musiktraditionen aus Geschichte und Gegenwart kennen und neigen heute eher dazu, sich auf alte Gebetsgesänge zu besinnen. Ein großer Teil der neuen Rabbinergeneration dagegen ist anders geprägt, weiß der New Yorker Kantor Bruce Ruben:

O-Ton 3 (Cantor Bruce Ruben, Temple Shaaray Tefila)
Many Rabbis that serve in the rabbinate in America grew up in the camp movement. They went to the summer camps and had services around the campfire. They learnt folksongs for the service, and they loved that experience. In some cases, this is why they became Rabbis. They wanted to create a movement that is informal and intimate the way campfire services are at camps. And so their preference in many cases is for – low church music: Folksongs, that are easily accessible, where you can clap to, very easy to catch on . (klatscht) And that's the way they want the services in many cases.

Viele Rabbiner heute in Amerika, sind in der jüdischen Jugendbewegung aufgewachsen. Im Sommer fuhren sie zu Zeltlagern und erlebten dort gemeinsam Gottesdienste am Lagerfeuer. Sie lernten dort religiöse Folksongs und diese Erfahrung bedeutete ihnen alles. Manche wurden deshalb Rabbiner. Sie wollten eine Bewegung begründen, die informell und intim ist, so wie am Lagerfeuer. Und da schien vielen von ihnen einfache Musik am besten geeignet zu sein. Lieder, die leicht zugänglich sind und bei denen man mitklatschen kann. (Kleine Pause!) Und so wollen viele von ihnen auch die Gottesdienste.

((nach 27 Sek. hochziehen))

Musik 2

L'cha Dodi,
auf: Tov Lanu Lashir: It Is Good For Us To Sing,
2002 UAHC Camp Swig and Camp Newman/ Sounds Write Productions

((bei 0:59 zügig rausziehen und kurz unterlegen))

Ein typisches Lied mit dem am Freitagabend der Schabbat – der Ruhetag – begrüßt wird. So klingt es im Jugendlager und so ähnlich kann man es auch in vielen nordamerikanischen Synagogen hören. Nicht unbedingt immer im Hauptgottesdienst, aber dann in denen von sog. Chavurot, größeren Gebetsgruppen, die parallel zum offiziellen Angebot ihrer Synagogengemeinde einen eigenen Gottesdienst in einem anderen Saal anbieten. Heute kommt das Liedmaterial dafür auch aus eigner kleinen jüdisch-religiösen Popszene. Die Songschreiberin Debbie Friedman ist ihre populärste Ikone. Auch sie kommt ursprünglich aus der Singebewegung der Jugendlager:

Musik 3 

Not by Might - Not by Power,
auf: Debbie Friedman at Carnegie Hall
Sounds Write Productions  612, Industrie-Nr. 6-06261-6121-2

((nach 26 Sek. rausziehen))

Mittlerweile entscheidet  in den jüdischen Gemeinden Amerikas auch die Musik darüber, ob Beter in die Synagoge kommen oder nicht. Kantor Bruce Ruben sind die populären Stile zwar zuwider – für ihn ist das eine Musik des kleinsten gemeinsamen Nenners, aber er kann die Bedürfnisse seiner Gemeindemitglieder nicht ignorieren. Die neuen Aspiranten für eine Kantorenstelle müsse heute auf jeden Fall Gitarre spielen können. Aber natürlich identifizieren sich nicht alle Synagogenbesucher mit Lagerfeuergesängen:

O-Ton 4 (Cantor Bruce Ruben, Temple Shaaray Tefila)
My position all the way along is, you need all sorts of music in a synagogue. You attract people of all sorts. There are people that come and love to hear the choir. They say, don’t make me sing the whole service. I come after a hard week, I want to hear the choir. It moves me to an-other place. It gives me a spiritual experience. So they need that. And than there are people who want to sing every note in the service. And they want a very participatory service. So have to give them something of what they need. It’s a matter of compromise. I believe you should draw from all areas of the music heritage of our people.

Ich glaube, letztendlich brauchen wir alle Arten von Musik in einer Synagoge. Es gibt Menschen, die finden es wunderschön, den Chor zu hören. Die sagen, lasst mich nicht die ganze Liturgie über singen. Ich hatte eine harte Woche, und ich möchte deshalb den Chor hören. Das führt mich in eine andere Welt, es vermittelt mir ein spirituelles Erlebnis. Die brauchen das. Und dann gibt es Leute, die wollen mitmachen und jede Note im Gottesdienst selber singen. Denen muss ich auch etwas geben. Ich muss Kompromisse machen. Aber ich glaube, wir sollten auf das ganze Spektrum der musikalischen Traditionen des jüdischen Volkes zurückgreifen.


*) Judah Cohen lehrt jetzt (2004) am Department of Hebrew and Judaic Studies (Faculty of Arts and Science) der New York University


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