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Das Postulat einer 'autonomen Musik' soll
das künstlerische Schaffen davor bewahren, allein auf bloße Zwecke und
Funktionen eingeengt zu werden. Autonomie behauptet es nicht nur
gegenüber den kommerziellen Varianten in der Unterhaltungsmusik, sondern
auch gegenüber nicht-kommerziellen Formen. 'Autonome Musik' entwickelt
sich - so lautet der Anspruch - aus sich selbst, aus innermusikalischen
Notwendigkeiten heraus weiter.
Marxistische Kritiker betonen dagegen,
dass Kompositionen jeder Art die soziale Herkunft der Tonkünstler
anhaftet. Feministinnen ergänzen, dass bei der Wahl der Töne und
Klangmittel auch Gender - das soziale Geschlecht - eine nennenswerte
Rolle spielt. Problematisch wird es, wenn Musikpolitik daraus
Konsequenzen ziehen und nicht nur 'autonome Musik' ermöglichen will,
sondern den Massengeschmack zu "therapieren" sucht. Eine Praxis, die in
den sozialistischen Ländern verbreitet war - und z.B. in der
Volksrepublik China auch gegenwärtig noch üblich zu sein scheint.
Ein bedeutender Einfluss für
zeitgenössisches Komponieren ist die Globalisierung. Durch das Internet
und moderne Kommunikationsmedien stehen Musik und visuelle
Klangeindrücke aus aller Welt - wenn auch isoliert vom örtlichen Kontext
- zur Verfügung und regen die Künstler an. Eine Entwicklung, die nicht
völlig neu ist, aber eine Dynamik gewonnen hat, die multinationale
Musikunternehmen interessiert. Sie hoffen auf eine weltweite
Vermarktungsmöglichkeit solcher Musik. Die Folgen sind nicht absehbar.
Die Grenzen zwischen den Genres, vor allem
zwischen der sog. ernsten und der unterhaltenden Musik werden dadurch
zunehmend fließend. Das verlangt nach Interdisziplinarität in der
Erforschung der Musik. Theoriebildung ist nicht allein ein
musikwissenschaftliches Thema, sondern auch nicht zuletzt auch ein
sozial- und kulturwissenschaftliches. Eine Tatsache, die auf
musikwissenschaftlichen Fachtagungen immer häufiger einen Blick über den
Tellerrand der eigenen Disziplin zur Folge hat. Im kanadischen Toronto
veranstalteten im Herbst 2000 zu diesem Zweck fünfzehn kanadische und
US-amerikanische Organisationen aus allen Feldern der Musikforschung
eine gemeinsame Megakonferenz mit rund 3400 Teilnehmerinnen und
Teilnehmern: Musical Intersections.
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Manuskript
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Beispiele
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