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Eine
große Ökumenekerze soll vom kommenden Samstag an leuchten als
Symbol eines neues Miteinander der Konfessionen im Rheinland. Sie
wird im Rahmen eines Gottesdienstes im Altenberger Dom, rund 20
Kilometer entfernt von Köln, aufgestellt. Vertreter von 130
katholischen, orthodoxen und evangelischen Kirchengemeinden
entzünden daran eine Altarkerze, die dann in ihren Gotteshäusern
einen ständigen, herausgehobenen Platz erhalten soll. Altenberg
erlebt am Wochenende ein außergewöhnliches Ereignis: |
Die
christlichen Gemeinden dieser Region haben sich auf einen gemeinsamen
Kirchentag verständigt. Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner, der
Präses der Rheinischen Landeskirche Peter Beier, der griechisch-orthodoxe
Metropolit Augoustinos und der evangelisch-methodistische Bischof Klaiber
halten zum Abschluss des Tages einen Taufgedächtnisgottesdienst.
Die
Idee zu dieser Veranstaltung geht auf erfolgreiche regionale
Katholikentage zurück. Im Herbst 1992 erklärten 90 Prozent der
evangelischen und katholischen Gemeinden in der Region, dass sie auch bei
einem ökumenischen Treffen mitmachen würden. Eingeladen haben dann aber
die beiden Hausherren in Altenberg. Botho Kurth, der evangelische Pfarrer,
hat dieses Amt jeden Tag von 8 bis 10 Uhr und von 13.30 bis 15.30 Uhr;
seinem Kollegen, dem katholischen Pfarrer Hans Hausdörfer, steht es für
den Rest des Tages zu. Der Altenberger Dom ist nämlich eine
Simultankirche. Die Grundlage dafür wurde in den dreißiger Jahren des
letzten Jahrhunderts durch eine preußische Kabinettsorder auf Initiative
des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861)
geschaffen.
Nach
dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 waren die Mönche der damaligen
Zisterzienserabtei nach Hause geschickt, Kirchengebäude und Grundbesitz
säkularisiert worden. 1815 zerstörte ein Brand weitgehend die imposante,
im 14. Jahrhundert vollendete gotische Kirche. Sie verfiel in den
nächsten Jahren zusehends und diente den Bauern der Umgebung als
Steinbruch. Friedrich Wilhelm von Preußen aber hatte ein Faible für das
christlich-deutsche Mittelalter, das Heilige Römische Reich und die
Kirche jener Tage. 1833, auf einer Inspektionsreise in die preußischen
Rheinlande, war der pietistische Kronprinz fasziniert beim Anblick der
mächtigen Ruine im romantischen Dhünntal. Er ordnete den Wiederaufbau
der Kirche an unter der Bedingung, dass sie von der katholischen und der
in dieser Gegend damals noch recht schwachen evangelischen Gemeinde
künftig gleichermaßen genutzt weiden sollte. Am 3. Juli 1857
schließlich erhielten beide Ortsgemeinden durch den Landrat ihre
Schlüssel. Obwohl in Altenberg noch nie ein Bischof amtiert hatte, war
sich die Bevölkerung einig: Das Bergische Land hatte nun auch seinen Dom,
den Bergischen oder eben Altenberger Dom.
Noch
vor vierzig Jahren herrschte zwischen den Konfessionen aber ein eisiges
Klima. Wenn die Protestanten ihren Gottesdienst feiern wollten, retteten
die Katholiken zuvor „das Allerheiligste", sie räumten das
Tabernakel leer und löschten das Ewige Licht. In den sechziger Jahren des
letzten Jahrhunderts führte die katholische Kirche erfolglos einen
Rechtsstreit gegen die Simultankirchenverfassung; 1957 bat die
evangelische Kirche im Rheinland das nordrhein-westfälische
Kultusministerium um Rechtsschutz, um die katholische Seite daran zu
hindern, in Altenberg wieder Zisterzienser anzusiedeln.
Erst
infolge des Zweiten Vatikanums hat sich das Verhältnis der beiden
Konfessionen grundlegend gewandelt. Heute gilt zwischen den beiden
Gemeinden die Regel: Alles, was gemeinsam möglich ist, wird auch
gemeinsam gemacht: Frauenkreise, Literaturzirkel, ein Philosophie-Seminar,
Caritas- und Diakoniearbeit, selbst Bibelarbeiten. Und einige Male im Jahr
werden auch ökumenische Gottesdienste gefeiert.
Die
Maler der Spätromantiker zeichneten die Klosterruine mit äsenden Rehen
und dem Flüsschen Dhünn im Abendsonnenschein. Seither pilgern immer mehr
Ausflügler nach Altenberg und lassen sich von der anheimelnden Stimmung
einfangen. Die Gottesdienste beider Konfessionen sind
überdurchschnittlich gut besucht, Zum ökumenischen Kirchentag rechnen
die Veranstalter nun mit bis zu 10 000 Menschen. An
40-Informationssständen werden ihnen dort konfessionsverbindende
Aktivitäten vorgestellt. In 16 offenen Arbeitskreisen können sie mit
Liedern, meditativen Tänzen und Bibliodrama Gemeinschaft erleben oder
aber über den Auftrag der Kirche für die Bewahrung der Schöpfung, das
Engagement gegen Ausländerfeindlichkeit, bei der Hilfe für Bosnien oder
im Arbeitsleben der Zukunft diskutieren. Es sollen konfliktträchtige
Fragen besprochen werden: Soll Religionsunterricht künftig ökumenisch
erfolgen? Unter welchen Bedingungen ist ein gemeinsames Abendmahl
möglich? Die Rolle der Frauen in der Kirche steht zwar zur Debatte, aber
mit keinem Wort kommt das Problem der Frauenordination im Programm vor.
Die
Organisationen setzen auf den Minimalkonsens der Taufe, das Erlebnis von
Gemeinschaft und eine wachsende Ökumene von unten. Dafür soll Frieden
sein, ökumenischer Friede - gerade in Altenberg.
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