"Ertraget
einander in Liebe"
August 1994: Harmonie trotz Florett mit
Bibelversen. Taufgedächtnisgottesdienst bei einem Ökumenischen
Kirchentag in Altenberg
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Beitrag
für das Schweizer Radio DRS 2, Blickpunkt Religion, 28. August 1994,
08:10 - 08:30 Uhr
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O-Ton 1 (Aus dem
Taufgedächtnis-Gottesdienst)
Jeder und jede ist eingeladen, unserer Bekräftigung und
gegenseitigen Anerkennung der Taufe sichtbaren Ausdruck zu
verleihen; zu den Wasserbecken zu gehen, die geöffneten Hände
mit Wasser übergießen zu lassen und ein Wort der Schrift dazu zu
empfangen. |
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O-Ton 2 a (Aus dem
Taufgedächtnis-Gottesdienst)
Musik
((Musik
hochziehen, ganz kurz stehen lassen, runterziehen und
der Moderation unterlegen)) |
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Mit
einem Taufgedächtnisgottesdienst auf der Wiese hinter dem
Altenberger Dom, nicht weit von Köln, feierten letztes Wochenende
evangelische, katholische, freikirchliche und orthodoxe Christen
den Abschluss eines außergewöhnlichen Ereignisses: einen
Ökumenischen Kirchentag. Mehrere Tausend Menschen hatten sich auf
der Wiese hinter dem Dorn um 49 Schalen versammelt und ließen
sich Wasser in die Hände gießen. |
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((O-Ton hochziehen))
O-Ton 2 b (Aus dem
Taufgedächtnis-Gottesdienst)
"Jesus Christus spricht, ich bin das Licht der Welt,
wer an mich glaubt, der wird nicht wandeln in der
Finsternis." |
Vier
hochrangige Vertreter der Kirchen zelebrierten diese Taufgedächtnisfeier:
der Evangelisch-methodistische Bischof, Walter Klaiber*), der
griechisch-orthodoxe Metropolit und zentraleuropäische Exarch Augoustinos,
der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Peter Beier**)
und der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner.
Es
war schon anrührend zu sehen, wie es die über hundert Geistlichen
verschiedener Konfessionen auf der Gottesdienstbühne ihren
Gemeindemitgliedern auf der Wiese gleichtaten. In vollem Ornat - soweit
ein Amtskleid in ihren Kirchen üblich ist - demonstrierten sie oben auf
der Gottesdienstbühne Gemeinschaft, Gemeinschaft in dem einen Sakrament
um das es zwischen den Konfessionen keinen Streit mehr gibt, im Sakrament
der Taufe. Katholische und orthodoxe Priester,
evangelisch-landeskirchliche und freikirchliche Pastorinnen und Pastoren
stellten sich in gemischten Gruppen um das Becken, öffneten ihre Hände
und ließen sich von einem evangelischen Kollegen ein Bibelwort
zusprechen.
Aber
es war nicht nur Gemeinschaft. Gerade in den Reden der Bischöfe zum
Taufgedächtnisgottesdienst waren Zwischentöne zu hören. Der
evangelische Präses Beier predigte über die Gottesdienstlosung "Ein
Herr, ein Glaube, eine Taufe" aus dem 4. Kapitel des Epheserbriefes:
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O-Ton
3 (Predigt Präses Peter Beier)
Da sagt der Apostel: "Ertragt einander in Liebe". Lasten
sind zu tragen. Der andere, wie er ist - und nicht, wie man ihn
gern hätte. Die andere Konfession wie sie ist - und nicht, wie
man sie gern hätte. Dieses Tragen schließt den geduldigen
Austrag von Wahrheitsfragen ein und nicht etwa aus. |
Kardinal
Meisner predigte nicht, sondern antwortete mit einer Ansprache. Sybillinisch
zitierte er Worten aus dem Sendschreiben an die Epheser, so, wie sie in
der Offenbarung des Johannes geschrieben stehen:
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O-Ton
4 (Ansprache Erzbischof Joachim Kardinal Meisner)
Der Herr sagt uns in der Apokalypse ein Wort, das mich persönlich
immer tief trifft: "Ich werfe dir aber vor, dass du deine
erste Liebe verlassen hast!" Tauferneuerung heißt Rückkehr
zum geschenkten Ursprung in Jesus Christus. Je näher bei
Christus, je näher am Ursprung, und desto geringer wird die
Distanz zwischen den Christen verschiedener Konfessionen. |
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| ((aufblenden))
O- Ton 5 (Lieder-Workshop)
Gesang: Da beruhen sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter
uns.
((nur kurz,
stehen lassen, dann rausziehen in die Moderation)) |
"Da
berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns." Die
Stimmung war euphorisch auf diesem ökumenischen Kirchentag in Altenberg,
auch wenn die offiziellen Vertreter der Kirchen die Gelegenheit nutzten,
mit Bibelversen Florett zu fechten. Es war vor allem ein Kirchentag für
die Basis aus den Gemeinden, für die Laien. Und die machten auch
reichlich Gebrauch davon. In den 16 offenen Arbeitskreisen konnten sie mit
Liedern, meditativen Tänzen und Bibliodrama Gemeinschaft erleben oder
aber diskutieren über den Auftrag der Kirche für die Bewahrung der
Schöpfung, das Engagement gegen Ausländerfeindlichkeit, bei der Hilfe
für Bosnien, im Arbeitsleben der Zukunft oder im Religionsunterricht. Die
Ökumene zwischen den Gemeinden ist schon heute vielerorts weiter
entwickelt als zwischen den Kirchenleitungen verabredet. Da besuchen
Gemeinden den Gottesdienst der anderen Konfession, um sich besser kennen
zu lernen und lassen dafür auch mal die eigene Messe ausfallen. Manchmal
geht es sogar soweit, dass diese Besucher zum heiligen Abendmahl
eingeladen werden - inoffiziell allerdings. Oder, dass während der Messe
Katholiken die Hostie mit den leer ausgegangenen evangelischen Brüdern
und Schwestern teilen.
| ((aufblenden))
0-Ton 6 (Lieder-Workshop)
Schlussakkord: Da beruhen sich Himmel und
Erde, dass Frieden werde unter uns. |
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©
für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1994.
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