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Guten
Abend. Hier ist Studio ECK, die evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk
von Radio Köln. Unser Thema heute will nicht so recht in diese närrische
Zeit passen. Aber das Datum lässt uns keine Wahl. Mitten im fröhlichen
Karnevalstrubel erinnern wir an den Todestag einer großen
historischen Persönlichkeit - an Martin Luther. 1996 ist ein
Lutherjahr. Morgen, am 18. Februar 1546, also vor 450 Jahren, starb
er in Eisleben.
Wir
zeichnen ein kurzes Lebensportrait des Reformators, schauen uns in
einer Kölner Luther-Ausstellung um und erkundigen uns nach der
Geschichte der Protestanten in Köln. |
Schließlich
fragen den stellvertretenden Stadtsuperintendenten der Evangelischen
Kirche in Köln, ob wir nicht eigentlich eine neue Reformation nötig
haben. Am Mikrofon begleitet sie Heinz-Peter Katlewski.
Musik
62
Jahre alt ist Martin Luther, als er am 18. Februar 1546 dort stirbt wo er
auch geboren wurde: im thüringischen Eisleben. Damals war er gerade auf
einer politischen Mission. Zwei Grafen hatten sich in Erbstreitigkeiten verwickelt.
Und Luther vermittelt - mit Erfolg. In Glaubensfragen aber war er zeitlebens
wenig kompromissbereit, auch Anhängern gegenüber nicht.
Zum
ersten Mal äußert sich diese Entschiedenheit im Alter von 22 Jahren: Er
wird beinahe von einem Blitz getroffen. In seiner Angst gelobt er, ins
Kloster zu gehen, wenn das Gewitter ihn verschont. Und er tut es. Als
Mönch im Augustinerkloster zu Wittenberg studiert er Theologie, wird
Priester und schließlich Professor für Theologie. Erst im 39. Lebensjahr
legt er die Mönchskutte wieder ab.
Damals,
im Spätmittelalter, glauben viele Menschen, das jüngste Gericht ist
nicht mehr fern. Auf immer neuen Wegen versuchen sie Ablass für ihre Sünden
zu erhalten. Auch Luther. Während seiner ganzen Klosterzeit quält er
sich mit der Frage, wie er mit seinen Sünden Gerechtigkeit vor Gott
erlangen kann. Erst beim Studium des Römerbriefes im Neuen Testament
entdeckt er eine Stelle, die er als Erlösung empfindet.
Nicht
durch seine Leistungen kann er vor Gott gerecht werden, erkennt er,
sondern nur durch den Glauben, durch das Vertrauen in Gott.
Diese
Erkenntnis veröffentlicht er in 95 Thesen. Heftig kritisiert er darin die
Geschäftemacher seiner Zeit, die mit dem Verkauf von Ablassbriefen den
Menschen vormachen, sich von ihren Sünde mit Geld befreien zu können.
So
beginnt die Reformation. Nur, dass aus diesem Diskussionsbeitrag schließlich
auch eine reformatorische, eine evangelische Kirche entsteht, hat Luther
ursprünglich nicht beabsichtigt. Das ist eine Folge der damaligen
politischen Umstände.
Gegner
und Anhänger seines Thesenpapiers und seiner unzähligen andere Schriften
gruppieren sich um Machtinteressen. Die einen wollen Martin Luther auf dem
Scheiterhaufen verbrennen, die anderen bewahren ihn vor Verfolgung. Unter
dem Schutz des Kurfürsten von Sachsen zum Beispiel beginnt er seine
wichtigste Arbeit: Verkleidet als Junker Jörg übersetzt er auf der Wartburg
bei Eisenach das Neue Testament ins Deutsche.
Musik