|
Vor
Napoleon gab es Protestantismus nur privat!
Kölner Reminiszenzen zum Lutherjahr
|
|
|
für
Studio ECK - Evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln
Samstag, 17. Februar 1996, 18:22 - 18:56 Uhr
|
| Teil
2 (von 3) |

|
 |
|
Hier ist wieder
Studio ECK, die Evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio
Köln. Martin Luther und die Reformation ist unser Thema. Auch anderswo in
Köln ist das eins. Die Universität zu Köln zum Beispiel bietet im
Sommersemester eine interdisziplinäre Ringvorlesung an. Und die Kirchen
laden zu öffentlichen Gedenk- und Diskussionsveranstaltungen ein. Auch
eine kleine Galerie hat sich des Lutherjahres angenommen: Die Galerie ON.
Dort, in der Jülicher Straße 27, unmittelbar gegenüber der
Alt-Katholischen Kirche, läuft noch bis zum 9. März eine Ausstellung „Martin
Luther - Leben und Nachleben“. Und was dort gezeigt wird, kann meist
auch gekauft werden. Ich war drin und sprach mit und dem Kölner
Germanistik-Professor Volker Neuhaus und der Kunstgeschichtlerin Janina
Dahlmanns:
O-Ton
2 (Interview Janina Dahlmanns[D] und Prof. Dr. Volker Neuhaus[N])
Frage: Wir stehen ja hier vor
einem kleinen Glasschrank und da finden sich allerlei
verschiedene Gegenstände drin. Ganz obskure Platten und Büsten
und Kaffeetassen und Gläser, Pfeifenköpfe, Spielkarten und
Bierdeckel. Und alle haben in irgendeiner Weise mit Luther zu
tun. Und es ist auch ein Motiv von Luther drauf. Vielleicht
können Sie mal zu einzelnen Gegenständen was sagen?
D: Wir haben einige sehr wertvolle
Objekte darin, wie zum Beispiel diese Luthertasse von der Königlich-Preußischen
Porzellanmanufaktur, echt vergoldet mit kleinen Bildnis-Medaillons
von Luther, von Calvin und von Jesus Christus darauf. Die ist
entstanden im Jubiläumsjahr 1817 wurde die eben hergestellt und
verkauft als Erinnerungsstück des Jubiläums. Und das ist zum
Beispiel ein sehr wertvolles Stück, das auch sehr schön
anzusehen ist. Gleichzeitig finden sich aber in dieser Vitrine
auch Kuriositäten wie Bierdeckel aus den achtziger Jahren,
Lutherjubiläum, Geburtsjubiläum, Kartenspiel aus dem 20.
Jahrhundert, Notgeld aus den Zwanziger Jahren unseres
Jahrhunderts.
Frage: Zu den einzelnen
Gegenständen, Professor Neuhaus, haben Sie die gesammelt?
N: Ja, die habe ich gesammelt, zum
Teil aber sind sie von der Galerie im Hinblick auf die Ausstellung
aus Aktionshäusern angekauft worden. Da ist dieser Glasbecher,
der zeigt das Reformationsjubiläum von 1717 mit einem
Lutherportrait, mit einem Emblem, einer Palme, die auch im Sturm
ihre Blätter nicht verliert, dass sie nicht zerstört werden
kann. Und wenn man die lateinischen Umschriften, wenn man dann die
Buchstaben, die bei den Römern gleichzeitig Zahlzeichen sind,
wenn man die addiert, ergeben beide Umschriften, die um das
Portrait und die um die Palme jeweils das Jahr 1717.
Frage: Diese Pfeifenköpfe, das
sind alles so Produkte aus dem frühen 19. Jahrhundert. Wie ist
man darauf gekommen, so etwas zu machen? Wie verbindet sich das
mit Luther?
N: Ja, es war eben doch die Pfeife
vor allem im studentischen Bereich sehr verbreitet. Die sind von
Theologen - nehme ich an - geraucht worden. Und die fühlten sich
dann für die Predigtvorbereitung inspiriert. Und die obere ist
von 1817, auch zum Reformationsjubiläum, mit einem
Porzellan-Relief. Und die untere aus Steinzug, die ist aus der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert. Und dann konnte der
evangelische Bürger seinen Luther rauchen und dabei den lieben
Gott eine feste Burg sein lassen. Da steht nämlich, Eine feste
Burg ist unser Gott, steht um das Lutherportrait. |
Musik
Hier
ist Studio ECK zum 450. Todestag von Martin Luther. Am Mikrofon ist
Heinz-Peter Katlewski. 1520 wurden in Köln öffentlich die Schriften
Luthers verbrannt. Aber schon 20 Jahre später gab es hier eigene
Reformationsbestrebungen. Darüber sprach ich mit dem Kölner
Theologie-Professor Manfred Wichelhaus:
| O-Ton
3 (Interview Prof. Dr. Manfred Wichelhaus)
Es gab in Köln verbreitetes Interesse an
Kirchenreform. Das lag an einigen Orden, die in Köln ihr
Klosterleben führten. Und das lag an Humanisten, die hier in
Köln - auch an der Universität - zu den Quellen zurück wollten.
Und deshalb eine Reform der theologischen Ausbildung im Auge
hatten. Die Prediger sollten in die La-ge versetzt werden, die
biblische Botschaft ins Volk zu bringen.
Frage: Wie wurde denn vorher
gepredigt?
Der Hauptgegenstand der Predigt war die
Erzählung von den Heiligen der Christenheit. Die
römische Kirche wollte den Leuten anschauliches Leben vorführen
und deshalb Beispiele mit den großen Heiligen vorführen.
Frage: Und nun gab es aber
offenbar Einsichten, dass dieser Weg doch erheblich abseits vom
Evangelium führt und man wollte Modernisierung. Wer war denn da
führend zu der Zeit?
Führend war ein junger Jurist und
Humanist, der der leitende Justizbeamte des Erzbischofs von Köln
war. Von ihm stammen die ersten Entwürfe für eine Reform des
theologischen Studiums.
Frage: Aber diese
Reformationsansätze in Köln sind zunächst einmal gescheitert.
Warum sind die gescheitert? Was stand dem entgegen?
Der Nachbar des Erzbischofs, der Herzog
von Klewe und Jülich war zum Landesherrn des Herzogtums Geldern
gewählt worden. Der Kaiser aber beanspruchte das Herzogtum
Geldern als Erbe und hat in einem militärischen Streich, den
Herzog von Jülich und Klewe gezwungen Geldern herauszugeben. In
diesem Zusammenhang hat der Kaiser den Erzbischof Hermann in Bonn
besucht und ihn gewarnt vor der Durchführung der Kirchenreform in
Köln. Und als Hermann von Vieth ihm zögerlich nur antwortete,
hat er ihn zu einem Blick auf die unter dem Fenster versammelten
Truppen veranlasst und ihm damit bedeutet, wie das
Reformunternehmen in Köln ausgehen würde.
Frage: Letztlich waren es dann
auch wieder Truppen, die es möglich machten, dass hier
Evangelische sich ansiedeln konnten. Wann erreichte denn die
Reformation Köln schließlich?
Das Recht der öffentlichen
Religionsausübung für Protestanten haben erst die Truppen der
Französischen Revolution möglich gemacht, als sie die Freie
Reichsstadt Köln einnahmen. Vorher gab es Protestantismus in
Köln nur privat, hinter geschlossenen Türen. Nicht als
öffentlichen Gottesdienst. |
Musik
| Teil
2 (von 3) |

|
 |
|
|
|
|
|
Antiquarische
Bücher
-
Rainer
Sommer:
Hermann von Wied.
Erzbischof und Kurfürst von Köln
-
Hermann
Klein:
Der Reformationsversuch Hermanns von Wied
-
Hermann
von Wied:
Von Gottes genaden unser Hermans Ertzbischoffs
zu Cöln, und Churfürsten etc. einfaltiges bedencken,
warauff ein Christliche, in dem wort Gottes gegrünte
Reformation, an Lehr, brauch der Heyligen Sacramenten
und Ceremonien, Seelsorge, und anderem Kirchendienst,
biß uff eines freyen, Christlichen, Gemeinen, oder
Nationals Concilij, oder des Reichs Teutscher Nation
Stende, im Heyligen Geyst versamlet, verbesserung, bey
denen so unserer Seelsorge befohlen, anzurichten seye
|
|
|
©
für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1996.
Hyperlinks
sollten aktuell sein. Bei fehlerhaften oder toten
URLs bitte ich um ein kurzes E-Mail mit Hinweis auf die
entsprechende Seite und den Link. Danke. |
Links
|