O-Ton
4 (Interview Pfarrer Karl Schick)
Wenn wir von Reformation sprechen, muss
man ja fragen, wer oder was soll denn reformiert werden? Welchen
Weg soll man gehen von welchen Punkt A nach welchem Punkt B,
zurück oder nach vorne? Und ich antworte jetzt einmal ganz
spontan und auch ein bisschen provokativ: „Nein, wir brauchen
keine neue Reformation“.
Frage: Wenn wir keine neue
Reformation machen, die Evangelische Kirche im Rheinland und
speziell die Kirche in Köln hat es probiert mit Public
Relations - statt Reformation, sage ich einfach mal. Ist das die
Alternative?
Diese Kampagne „Misch Dich ein“ war
sicherlich interessant, notwendig auch, um Kirche wieder auch im
öffentlichen Bereich mehr ins Gespräch zu bringen. Aber was Reformation
bedeutet oder bedeutet hat, damals, war etwas anderes. Martin
Luther wollte ja auf das wieder zurückgreifen, was die
eigentlichen Wurzeln des Evangelium waren, die Botschaft des
gekreuzigten und auferstandenen Christus. An der Stelle ist doch überhaupt
nichts zu reformieren, sondern es ist darauf hinzuweisen. Was
möglicherweise reformbedürftig ist, ist das Formen der
Verkündigung oder auch Formen des kirchlichen Lebens überdacht
und überlegt werden müssen und sicherlich auch reformiert werden
können. Das ja.
Frage: Können Sie das noch etwas
konkreter sagen? Welche Formen könnten das denn sein? Ich meine
Formen haben in der Reformation auch eine große Rolle gespielt.
Da ging es nicht zuletzt um das Kirchenlied, um die Beteiligung
der Gemeinde. Das waren ja auch neue Formen. Wie sieht es aus
mit neuen Formen heute?
Es gibt eine ganze Menge von Ansätzen um
bestimmte Personen oder Personengruppen in den Gemeinden im
kirchlichen Leben, auch insbesondere im gottesdienstlichen Leben
zu beteiligen. Ich denke zum Beispiel an Familiengottesdienste.
Ich kenne in unserem Kirchenkreis keine einzige Gemeinde in der
nicht Familiengottesdienste mehr oder weniger häufig gefeiert
werden. Da kommen bestimmte Gruppen zu Wort, die was vorbereitet
haben, z.B. der Kindergarten, Jugendgruppen oder auch Katechumenen
oder Konfirmanden. Da gibt es in anderen Gemeinden den Versuch mit
den sogenannten Krabbelgottesdiensten, d.h. also Krabbelkinder,
die noch nicht in den Kindergarten gekommen sind, mit ihnen und
den Eltern Gottesdienste zu veranstalten usw.. Man versucht also
das Laienelement in die Kirche mehr zu integrieren und auch die Sprache
so zu gestalten, dass Jugendliche sie zu verstehen vermögen.
Frage: Nun gibt es ja innerhalb
der Kirche, unterschiedlichste Vorstellungen auch darüber, was
denn eigentlich gepredigt werden soll. Da gibt es doch
untereinander auseinanderlaufende Strömungen innerhalb der
Kirche. Müsste eine Reformation die nicht entweder
zusammenfassen oder was eigenes aufmachen?
In meiner Vorstellung und für mein
Kirchenverständnis müssten diese verschiedenen Strömungen alle
Platz in dem großen Raum Kirche haben. Der alte Apostel Paulus
hat mal das Wort vom Leib Christi gebildet, ein Leib hat eben ganz
verschiedene Glieder mit ganz verschiedenen Funktionen. Aber sie
gehören alle zusammen. So, meine ich, müsste es auch sein, dass
auch unterschiedliche Gruppen mit ihren besonderen Akzenten, und
wenn es die feministische Theologie ist, und wenn es eben eine
mehr bekenntnishaft geprägte Theologie ist, sie müssen alle auch
Raum haben in dieser einen Kirche in der wir leben, wenn sie denn
das gleiche Ziel haben, das Evangelium mit ihren Formen, mit ihren
Sprachen denn auch zur Sprache zu bringen. Für mich muss das kein
Gegensatz sein, denn es ist schon wichtig, ein buntes Bild von
Kirche zu haben, in der viele auch das Gefühl haben können, hier
bin ich Zuhause.