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Vor Napoleon gab es Protestantismus nur privat!
Kölner Reminiszenzen zum Lutherjahr


für Studio ECK - Evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln
Samstag, 17. Februar 1996, 18:22 - 18:56 Uhr

Teil 3 (von 3)

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Hier ist noch einmal Studio ECK. Brauchen wir eine neue Reformation? Diese Frage stellen sich heute evangelische und katholische Christen. Was meint Vertreter der Evangelischen Kirche dazu? Dazu fragte ich den Kölner Stadt-Superintendenten Karl Schick.

O-Ton 4 (Interview Pfarrer Karl Schick)

Wenn wir von Reformation sprechen, muss man ja fragen, wer oder was soll denn reformiert werden? Welchen Weg soll man gehen von welchen Punkt A nach welchem Punkt B, zurück oder nach vorne? Und ich antworte jetzt einmal ganz spontan und auch ein bisschen provokativ: „Nein, wir brauchen keine neue Reformation“.

Frage: Wenn wir keine neue Reformation machen, die Evangelische Kirche im Rheinland und speziell die Kirche in Köln hat es probiert mit Public Relations - statt Reformation, sage ich einfach mal. Ist das die Alternative?

Diese Kampagne „Misch Dich ein“ war sicherlich interessant, notwendig auch, um Kirche wieder auch im öffentlichen Bereich mehr ins Gespräch zu bringen. Aber was Reformation bedeutet oder bedeutet hat, damals, war etwas anderes. Martin Luther wollte ja auf das wieder zurückgreifen, was die eigentlichen Wurzeln des Evangelium waren, die Botschaft des gekreuzigten und auferstandenen Christus. An der Stelle ist doch überhaupt nichts zu reformieren, sondern es ist darauf hinzuweisen. Was möglicherweise reformbedürftig ist, ist das Formen der Verkündigung oder auch Formen des kirchlichen Lebens überdacht und überlegt werden müssen und sicherlich auch reformiert werden können. Das ja.

Frage: Können Sie das noch etwas konkreter sagen? Welche Formen könnten das denn sein? Ich meine Formen haben in der Reformation auch eine große Rolle gespielt. Da ging es nicht zuletzt um das Kirchenlied, um die Beteiligung der Gemeinde. Das waren ja auch neue Formen. Wie sieht es aus mit neuen Formen heute?

Es gibt eine ganze Menge von Ansätzen um bestimmte Personen oder Personengruppen in den Gemeinden im kirchlichen Leben, auch insbesondere im gottesdienstlichen Leben zu beteiligen. Ich denke zum Beispiel an Familiengottesdienste. Ich kenne in unserem Kirchenkreis keine einzige Gemeinde in der nicht Familiengottesdienste mehr oder weniger häufig gefeiert werden. Da kommen bestimmte Gruppen zu Wort, die was vorbereitet haben, z.B. der Kindergarten, Jugendgruppen oder auch Katechumenen oder Konfirmanden. Da gibt es in anderen Gemeinden den Versuch mit den sogenannten Krabbelgottesdiensten, d.h. also Krabbelkinder, die noch nicht in den Kindergarten gekommen sind, mit ihnen und den Eltern Gottesdienste zu veranstalten usw.. Man versucht also das Laienelement in die Kirche mehr zu integrieren und auch die Sprache so zu gestalten, dass Jugendliche sie zu verstehen vermögen.

Frage: Nun gibt es ja innerhalb der Kirche, unterschiedlichste Vorstellungen auch darüber, was denn eigentlich gepredigt werden soll. Da gibt es doch untereinander auseinanderlaufende Strömungen innerhalb der Kirche. Müsste eine Reformation die nicht entweder zusammenfassen oder was eigenes aufmachen?

In meiner Vorstellung und für mein Kirchenverständnis müssten diese verschiedenen Strömungen alle Platz in dem großen Raum Kirche haben. Der alte Apostel Paulus hat mal das Wort vom Leib Christi gebildet, ein Leib hat eben ganz verschiedene Glieder mit ganz verschiedenen Funktionen. Aber sie gehören alle zusammen. So, meine ich, müsste es auch sein, dass auch unterschiedliche Gruppen mit ihren besonderen Akzenten, und wenn es die feministische Theologie ist, und wenn es eben eine mehr bekenntnishaft geprägte Theologie ist, sie müssen alle auch Raum haben in dieser einen Kirche in der wir leben, wenn sie denn das gleiche Ziel haben, das Evangelium mit ihren Formen, mit ihren Sprachen denn auch zur Sprache zu bringen. Für mich muss das kein Gegensatz sein, denn es ist schon wichtig, ein buntes Bild von Kirche zu haben, in der viele auch das Gefühl haben können, hier bin ich Zuhause.

Musik

Das war Studio ECK, heute mit Beiträgen zum 450. Todestag des Reformators Martin Luther.

Zum Abschluss noch ein paar Termine:

„Die Theologie Martin Luthers aus katholischer Sicht“ ist am Aschermittwoch, also am 21. Februar um 19 Uhr Thema eines Podiumsgesprächs mit bedeutenden Theologen in der Karl-Rahner-Akademie in der Jabachstraße.

„Brauchen wir eine neue Reformation?“, diese Frage wird gleich zweimal in den nächsten Wochen gestellt:

  • am Sonntag, den 25. Februar um 17:45 Uhr in der Schildergasse 57, in der Antoniterkirche. Der Rahmen dafür ist das ökumenische Abendgebet.

und

  • am Freitag, den 8. März um 19:30 Uhr in der Galerie ON, Jülicher Str. 27.

Am Freitag, den 1. März um 19:30 Uhr, auch in der Galerie ON, steht Luthers Verhältnis zu den Juden zur Debatte.

Schönen Abend. Am Mikrofon verabschiedet sich Heinz-Peter Katlewski.

Musik

Teil 3 (von 3)

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5 DVDs
Martin Luther 1 - 6

Teil 1: Der Protest

Teil 2: Der Sohn der Bosheit

Teil 3: Die Geheimnisse der Antichristen

Teil 4: Hier stehe ich

Teil 5: Das Gewissen


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Joseph Fiennes:
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Horst Sachtleben:
Martin Luther.
2-teiliger dokumentarischer Spielfilm des ZDF


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© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1996. 


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