zur Übersicht "Schwerpunkt Religion"

AUTOR
TITEL


Für Inhalte und Verlässlichkeit von  externen Webseiten übernehme ich keine Verantwortung!

Noten bei Notenbuch.de

 

 

Wir sagen einfach Marrti. Marrti Luther!
25 Jahre Finnisch-Lutherische Gemeinde in Köln


für Studio ECK - Evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln
Samstag, 15. März 1997, 18:22 - 18:56 Uhr

Teil 1 (von 3)

Zurück zur Eingangsseite "Erst seit Napoleon hat Köln Protestanten"

weiter zu Teil 2

 


Guten Abend. Hier ist Studio ECK, die evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln. Wussten Sie das 86 % der Bevölkerung in Finnland evangelisch-lutherisch sind? Und dass sie sogar einen eigenen Namen für Martin Luther haben?

O-Ton 1 (Interview Pfarrer Jari Suvila)
Wir sagen einfach Marrti. Marrti Luther!

Am vergangenen Wochenende wurde die finnische lutherische Gemeinde in Köln 25 Jahre alt. Sie feierte das mit einem großen Jubiläumsfest. Unter anderem mit finnischem Volkstanz.

((ab Wochenende unterlegen, kurz hochziehen))

Atmo 1 (Tanz)

((in die Moderation rausziehen))

Näheres über diese finnische Volkstanzgruppe am Ende dieser Sendung. In der nächsten halben Stunde erfahren Sie etwas über die Finnen in unserer Stadt, über ihre Geschichte hier, ihr soziales Leben und eine Ausstellung mit Holzcollagen und Plastiken finnischer Künstler im Haus der Evangelischen Kirche am Kartäuserwall. Am Mikrofon begleitet sie Heinz-Peter Katlewski.

Musik

Hier ist wieder Studio ECK, die evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln. Die Finnen in Deutschland zahlen ihre Kirchensteuer an die Evangelische Kirche. Auch in Köln. Übrigens, rund dreiviertel aller evangelischen Ausländer sind Finnen. Bundesweit etwa 15000 Menschen. 1971 schickte die finnische Kirche deshalb erstmals einen eigenen Pastor nach Köln. Seit 1972 gibt es hier nun eine finnische Gemeinde. Seitdem ist an jedem ersten Sonntag im Monat um 16 Uhr Gottesdienst im Jeremiahaus in der Mozartstr. 15. 1977 wurde in Köln aus das bundesweite Zentrum der finnischen Gemeinden etabliert. Jari Suvila*) leitet dieses Zentrum und ist gleichzeitig Pfarrer der finnischen Gemeinde. Wie viele Finnen leben heute in Köln?

O-Ton 2 (Interview Pfarrer Jari Suvila)

In Köln direkt haben wir ca. 850 Finnen, aber doch ein bisschen mehr mit finnischer Herkunft. Weil wir haben nicht nur die Finnen, sondern auch die Menschen finnischer Herkunft, die die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Und auch deren Kinder in der zweiten Generation. Statistisch sind diese Kinder Deutsche.

Frage: Wie sind Finnen nach Deutschland gekommen? Da gab’s doch oft berufliche Gründe. Oder?

Sehr oft. Hauptgrund ist gewesen, dass wegen des Wirtschaftswachstums viele Menschen in Finnland in den sechziger Jahren Deutsch studiert haben. Vielleicht auch Betriebswissenschaft und Deutsch. Und dann wollten sie in der Praxis probieren, wie diese Ausbildung funktioniert. Sie haben vielleicht weiterstudiert. Und dann kam manchmal die große Liebe. Und deswegen sind auch Zweidrittel von "den Finnen" eigentlich Finninnen in Deutschland.

Frage: Sie leiten eine Lutherische Gemeinde. 86% der Bevölkerung in Finnland sind evangelisch-lutherisch. Wie ist denn das Luthertum nach Finnland gekommen?

Es kam direkt von Luther selbst, weil Michael Agricola war Student bei Martin Luther. Und manchmal denken wir in Finnland sogar, dass Luther ein Finne war. Wir haben ihm sogar einen finnischen Namen gegeben. Wir sagen einfach Marrti. Marrti Luther!

Frage: Die finnische Gemeinde hier macht nicht nur Kirche, hier geschieht viel mehr. Vor allem sehr viel mit Kultur. 

Wir machen praktisch alles, was den Menschen wichtig ist. Weil in der Fremde zu leben, das ist für uns eine Existenzfrage geworden. Unsere Erfahrung ist, wir brauchen Gelegenheiten, unsere Gedanken in der Muttersprache auszutauschen. Wir brauchen auch die Gelegenheit, dass die zweite Generation zusammenkommt und erfährt, dass sie ganz normale Menschen sind mit zwei Herkünften, mit zwei Sprachen. Wir brauchen viel Austausch. Das ist gleichzeitig ein  "Selbsterfindungs-Prozess". Es dauert nicht nur ein paar Jahre und führt nicht zur Anpassung, sondern es ist Identitätsaufbau. Und mit starker Identität, denke ich, kann man einigermaßen glücklich auch ohne Vaterland unter den Füßen zu leben.

Musik


*) Pfarrer Jari Suvila wurde im Sommer 2000 als Koordinator der finnischen kirchlichen Arbeit in Deutschland verabschiedet. Er kehrte nach Finnland zurück, um dort neue Aufgaben zu übernehmen. Die Geschäftsstelle des Zentrums der finnischen kirchlichen Arbeit (SKTK/ZFKA) ist jetzt in den Räumen der EKD in Hannover angesiedelt. 


Teil 1 (von 3)

Zurück zur Eingangsseite "Erst seit Napoleon hat Köln Protestanten"

weiter zu Teil 2

 

© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1997. 


Hyperlinks
sollten aktuell sein. Bei fehlerhaften oder toten URLs bitte ich um ein kurzes E-Mail mit Hinweis auf die entsprechende Seite und den Link. Danke.


Links


Der Gemeinde-Webring
[ Beitreten | Ring-Seite | Zufallsseite | << Zurück | Weiter >> ]
The Suomi Finland Ring.
The Suomi Finland Ring. by nerocorvo
[ Join Now | Ring Hub | Random | << Prev | Next >> ]