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Wir sagen einfach Marrti. Marrti Luther!
25 Jahre Finnisch-Lutherische Gemeinde in Köln


für Studio ECK - Evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln
Samstag, 15. März 1997, 18:22 - 18:56 Uhr

Teil 2 (von 3)

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Seit 25 Jahren gibt es in Köln eine finnisch-lutherische Gemeinde im Rahmen der Evangelischen Kirche. Die Gründergeneration hat mittlerweile viele Aufgaben weitergegeben an ihre Kinder. Die meisten davon sind in Deutschland aufgewachsen und sind nicht einmal am Akzent von anderen hochdeutsch sprechenden Kölnerinnen und Kölnern zu unterscheiden. Minna Nieminen ist 31 Jahre und lebt hier in der zweiten Generation. Bis vor kurzem leitete sie als Vorsitzende die Finnische Gemeinde. Ist sie eigentlich noch eine richtige Finnin?

O-Ton 3 (Interview Minna Nieminen)

Doch. Meine Eltern sind beide Finnen. Und ich bin auch in Finnland geboren und war acht Monate alt, als wir hier herkamen. Aber ich habe mich immer als Finnin gefühlt.

Frage: Was macht das aus, sich als Finnin zu fühlen?

Also es gehört die Sprache dazu auf einer Seite, dann finnische Tradition zu pflegen, und irgendwie kann man das Finnische in einem auch nicht ablegen. Also man merkt schon, dass man nicht ganz deutsch ist, aber hat auch deutsche Anteile. Das ist eine Kombination aus allem.

Frage: Sie wurden halt finnisch erzogen.

Richtig. Genau. Also ich habe die finnische Sprachschule hier in Köln besucht, also einmal wöchentlich war das. Und in allen Aktivitäten, die die Finnen hier machen, war ich immer mit beteiligt.

Frage: Ihre Eltern haben am Aufbau dieser Gemeinde mitgewirkt.

Meine Eltern sind vor 35 Jahren nach Deutschland gekommen, und 1972 kam dann erste Pfarrer nach Köln. Und dann haben die angefangen zu überlegen, was man denn machen könnte, um die Finnen ein bisschen zusammenzubringen. Und man fing einfach an, sich einfach so zu treffen. Das ist ungefähr vielleicht 30 Jahre jetzt her. Und dann fünf Jahre später hat man die finnische Gemeinde gegründet. Das waren eigentlich die Eltern von uns heute Dreißigjährigen, die das gegründet haben  und alles Mögliche an Aktivitäten aufgebaut haben, von Sport über Kultur, Literaturkreisen, Volkstanz-Gruppen, Schule, Baseballgruppen. Und jetzt die Jungen: Kindergarten. Und die jetzige neue Generation hat dann wieder eigene Stammtische, wo die finnische Sprache wieder neu gepflegt wird, weil die gerät ja bei uns in der zweiten Generation schon ab und zu mal in Vergessenheit.

Frage: Das heißt sie sprechen untereinander doch viel mehr deutsch? Oder?

Eigentlich nicht. Zu Hause sprechen wir nur finnisch und in dem Alltag eigentlich auch. Ich habe ein Reisebüro und verkaufe Finnland, dadurch bin ich wieder immer mit Finnland verbunden. Und auf allen Festen wird auch finnisch gesprochen. Aber wir haben sehr viele deutsche Freunde auch, die mit in der Gemeinde Mitglied sind und dadurch sprechen wir auch deutsch. Es ist einfach die finnische Mentalität, die vielleicht in uns steckt, also die reine Natur, die Naturverbundenheit und vielleicht auch die Sauna, die einem behagt. Also, wir sind zwar die ruhigen Finnen, aber wir haben auch die deutsche Pünktlichkeit gelernt.

Musik

Hier ist wieder Studio ECK, die Evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln. Am Mikrofon ist Heinz-Peter Katlewski. Heute vor einer Woche feierte die Finnische Lutherische Gemeinde ihr 25jähriges Jubiläum in Köln. U.a. mit ein paar Ausstellungen. Zwei davon sind noch bis zum nächsten Donnerstag während der üblichen Bürozeiten in Köln, Kartäusergasse 7 im Haus der Evangelischen Kirche  zu besichtigen. Eine Ausstellung  erzählt die Geschichte der Reformation in Finnland. Eine andere stellt zeitgenössische finnische Kunst dar mit Arbeiten des in Helsinki lebenden Holz- und Bronzebildhauers Pertti Kukkonen und des in Limburg an der Lahn wohnenden Kunstmalers und Holzcollagisten Olli Isomäki. Die Künstler waren gerade mit dem Aufbau ihrer Kunstwerke beschäftigt, als ich sie zum Interview bat. Zuerst sprach ich mit Pertti Kukkonen. Olli Isomäki übersetzte. 

Gibt es irgend etwas, was spezifisch finnisch an ihren Skulpturen ist?

O-Ton 4 (Interview Perrti Kukkonen, übersetzt von Olli Isomäki)

Holz ist in Finnland ein sehr häufig gebräuchliches Material für Künstler. Insofern ist es finnisch. Aber ansonsten nicht.

Frage: Wenn Sie mit Holz arbeiten - sie arbeiten mit Holz und mit Bronze hier in dieser Ausstellung - was sind Ihre Themen?

Ausgangspunkt ist eine menschliche Gefühlsregung, die versucht ich in eine Bildsprache umzusetzen. Weil ich diese menschlichen Regungen, Gefühlsregungen darstelle, sind das in meinen Augen eigentlich keine abstrakte Dinge, sondern realistische Kunstwerke.

Frage: Vielleicht können wir einfach mal zu etwas hingehen und können uns einfach mal was anschauen. Ich sage mal, was ich sehe. Von oben sieht es aus wie Glücksklee und von der Seite sind es vier Säulen, die mit Patina überzogen sind und ein wenig verformt sind.

Ausgangspunkt war für mich ein Blickwinkel von dem aus das Bild gerade aussieht. Aber wenn man diesen Blickwinkel verändert, dann gerät das Bild in Bewegung, es windet sich. Die Arbeit heißt „Inneres Leben“. Die Idee ist , dass das innere Leben genau gerahmt ist, genaue Grenzen gesetzt bekommt, aber innen drin ist ein reges Leben.

Olli Isomäki lebt und arbeitet seit mehr als 25 Jahren in Deutschland und hat vor allem durch Karikaturen einen Namen gewonnen. Sie sind u.a. auch im Spiegel, in der Zeit oder der Frankfurter Allgemeinen erschienen. In der gemeinsamen Ausstellung mit Perrti Kukkonen zeigt er allerdings etwas ganz anderes. Das Material hier ist überwiegend dem Sperrmüll entnommen. Er hat es zu Holzreliefs verarbeitet.

O-Ton 5 (Interview Olli Isomäki)

Das ist nun so ein ausgesprochenes Sperrmüllbild. Das größte Element am Bild ist der Boden von einer Obstkiste, die sehr wenig verändert ist. Nur durch Schleifen und durch Farbauftrag. Und ein kleines Element, da in der Mitte, ein Stückchen Edelholz dazu. Ansonsten ist es eben die Obstkiste im Rahmen.

Frage: Der Eindruck ist mehr wie so eine Brettertür? Das haben Sie auch gewollt?

Das gibt so 'nen Charakter. Also gewollt ist eigentlich nur, mit dem Material zu spielen. Solange bis es irgendeine Art Ausdruck. Es ist nichts beabsichtigt. Das sind nur Spiele mit Materialkontrasten und ein bisschen mit dem Gefühl, dass einem das Material einfach gibt.

Musik


Teil 2 (von 3)

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© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1997. 


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