| Teil
2 (von 3) |

|
 |
|
|
Seit 25
Jahren gibt es in Köln eine finnisch-lutherische Gemeinde im
Rahmen der Evangelischen Kirche. Die Gründergeneration hat
mittlerweile viele Aufgaben weitergegeben an ihre Kinder. Die
meisten davon sind in Deutschland aufgewachsen und sind nicht
einmal am Akzent von anderen hochdeutsch sprechenden Kölnerinnen
und Kölnern zu unterscheiden. Minna Nieminen ist 31 Jahre und
lebt hier in der zweiten Generation. Bis vor kurzem leitete sie
als Vorsitzende die Finnische Gemeinde. Ist sie eigentlich noch
eine richtige Finnin? |
| O-Ton
3 (Interview Minna Nieminen)
Doch. Meine Eltern sind beide
Finnen. Und ich bin auch in Finnland geboren und war acht Monate
alt, als wir hier herkamen. Aber ich habe mich immer als Finnin
gefühlt.
Frage: Was macht das
aus, sich als Finnin zu fühlen?
Also es gehört die Sprache dazu
auf einer Seite, dann finnische Tradition zu pflegen, und
irgendwie kann man das Finnische in einem auch nicht ablegen. Also
man merkt schon, dass man nicht ganz deutsch ist, aber hat auch
deutsche Anteile. Das ist eine Kombination aus allem.
Frage: Sie wurden halt
finnisch erzogen.
Richtig. Genau. Also ich habe die
finnische Sprachschule hier in Köln besucht, also einmal
wöchentlich war das. Und in allen Aktivitäten, die die Finnen
hier machen, war ich immer mit beteiligt.
Frage:
Ihre Eltern haben am Aufbau dieser Gemeinde mitgewirkt.
Meine Eltern sind vor 35 Jahren
nach Deutschland gekommen, und 1972 kam dann erste Pfarrer nach
Köln. Und dann haben die angefangen zu überlegen, was man denn
machen könnte, um die Finnen ein bisschen zusammenzubringen. Und
man fing einfach an, sich einfach so zu treffen. Das ist ungefähr
vielleicht 30 Jahre jetzt her. Und dann fünf Jahre später hat
man die finnische Gemeinde gegründet. Das waren eigentlich die
Eltern von uns heute Dreißigjährigen, die das gegründet haben
und alles Mögliche an Aktivitäten aufgebaut haben, von Sport
über Kultur, Literaturkreisen, Volkstanz-Gruppen, Schule,
Baseballgruppen. Und jetzt die Jungen: Kindergarten. Und die
jetzige neue Generation hat dann wieder eigene Stammtische, wo die
finnische Sprache wieder neu gepflegt wird, weil die gerät ja bei
uns in der zweiten Generation schon ab und zu mal in
Vergessenheit.
Frage: Das heißt sie
sprechen untereinander doch viel mehr deutsch? Oder?
Eigentlich nicht. Zu Hause
sprechen wir nur finnisch und in dem Alltag eigentlich auch. Ich
habe ein Reisebüro und verkaufe Finnland, dadurch bin ich wieder
immer mit Finnland verbunden. Und auf allen Festen wird auch
finnisch gesprochen. Aber wir haben sehr viele deutsche Freunde
auch, die mit in der Gemeinde Mitglied sind und dadurch sprechen
wir auch deutsch. Es ist
einfach die finnische Mentalität, die vielleicht in uns steckt,
also die reine Natur, die Naturverbundenheit und vielleicht auch
die Sauna, die einem behagt. Also, wir sind zwar die ruhigen
Finnen, aber wir haben auch die deutsche Pünktlichkeit gelernt. |
Musik
Hier
ist wieder Studio ECK, die Evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von
Radio Köln. Am Mikrofon ist Heinz-Peter Katlewski. Heute vor einer Woche
feierte die Finnische Lutherische Gemeinde ihr 25jähriges Jubiläum in Köln.
U.a. mit ein paar Ausstellungen. Zwei davon sind noch bis zum nächsten
Donnerstag während der üblichen Bürozeiten in Köln, Kartäusergasse 7
im Haus der Evangelischen Kirche
zu besichtigen. Eine Ausstellung
erzählt die Geschichte der Reformation in Finnland. Eine andere
stellt zeitgenössische finnische Kunst dar mit Arbeiten des in Helsinki
lebenden Holz- und Bronzebildhauers Pertti Kukkonen und des in Limburg an
der Lahn wohnenden Kunstmalers und Holzcollagisten Olli Isomäki. Die Künstler
waren gerade mit dem Aufbau ihrer Kunstwerke beschäftigt, als ich sie zum
Interview bat. Zuerst sprach ich mit Pertti Kukkonen. Olli Isomäki übersetzte.
Gibt
es irgend etwas, was spezifisch finnisch an ihren Skulpturen ist?
| O-Ton
4 (Interview Perrti Kukkonen, übersetzt von Olli Isomäki)
Holz ist in Finnland ein sehr
häufig gebräuchliches Material für Künstler. Insofern ist es
finnisch. Aber ansonsten nicht.
Frage: Wenn Sie mit Holz
arbeiten - sie arbeiten mit Holz und mit Bronze hier in dieser
Ausstellung - was sind Ihre Themen?
Ausgangspunkt ist eine
menschliche Gefühlsregung, die versucht ich in eine Bildsprache
umzusetzen. Weil ich diese menschlichen Regungen, Gefühlsregungen
darstelle, sind das in meinen Augen eigentlich keine abstrakte
Dinge, sondern realistische Kunstwerke.
Frage: Vielleicht
können wir einfach mal zu etwas hingehen und können uns
einfach mal was anschauen. Ich sage mal, was ich sehe. Von oben
sieht es aus wie Glücksklee und von der Seite sind es vier
Säulen, die mit Patina überzogen sind und ein wenig verformt
sind.
Ausgangspunkt war für mich ein
Blickwinkel von dem aus das Bild gerade aussieht. Aber wenn man
diesen Blickwinkel verändert, dann gerät das Bild in Bewegung,
es windet sich. Die Arbeit heißt „Inneres Leben“. Die Idee
ist , dass das innere Leben genau gerahmt ist, genaue Grenzen gesetzt
bekommt, aber innen drin ist ein reges Leben. |
Olli
Isomäki lebt und arbeitet seit mehr als 25 Jahren in Deutschland und hat
vor allem durch Karikaturen einen Namen gewonnen. Sie sind u.a. auch im
Spiegel, in der Zeit oder der Frankfurter Allgemeinen erschienen. In der
gemeinsamen Ausstellung mit Perrti Kukkonen zeigt er allerdings etwas ganz
anderes. Das Material hier ist überwiegend dem Sperrmüll entnommen. Er
hat es zu Holzreliefs verarbeitet.
| O-Ton
5 (Interview Olli Isomäki)
Das ist nun so ein ausgesprochenes
Sperrmüllbild. Das größte Element am Bild ist der Boden von
einer Obstkiste, die sehr wenig verändert ist. Nur durch
Schleifen und durch Farbauftrag. Und ein kleines Element, da in
der Mitte, ein Stückchen Edelholz dazu. Ansonsten ist es eben die
Obstkiste im Rahmen.
Frage: Der Eindruck ist mehr wie
so eine Brettertür? Das haben Sie auch gewollt?
Das gibt so 'nen Charakter. Also gewollt
ist eigentlich nur, mit dem Material zu spielen. Solange bis es
irgendeine Art Ausdruck. Es ist nichts beabsichtigt. Das sind nur
Spiele mit Materialkontrasten und ein bisschen mit dem Gefühl, dass
einem das Material einfach gibt. |
|
Musik
| Teil
2 (von 3) |

|
 |
|
|
|