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Menschen sollen Kälber küssen?
Walter Hollenwegers Sprechkantate "Gomer - Das Gesicht des Unsichtbaren" im Refrather Gemeindezentrum am Vürfels in Bergisch Gladbach


für Studio ECK - Evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln
Samstag, 31. Mai 1997, 18:22 - 18:56 Uhr

Teil 1 (von 3)

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Walter Hollenweger: Gomer - Das Gesicht des Unsichtbaren.

Guten Abend. Hier ist Studio ECK, die evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln. Können Sie sich vorstellen was das ist - eine Sprechkantate? Anfang März führte die Evangelische Gemeinde im Gemeindezentrum Vürfels in Bergisch Gladbach-Refrath eine solche Kantate auf:

ein Stück für Sprechchor, Sprecher, Instrumentalisten und Gemeinde. Nach fünf Wochen mit vielen intensiven Proben  wurde es uraufgeführt.

O-Ton 1 (Sprechkantate GOMER, Gemeindezentrum am Vürfels)

Lo-Ruchamah 2): Verklagt! Chor: Verklagt eure Mutter! Denn sie ist nicht meine Frau, und ich bin nicht ihr Mann.

Ein modernes Stück, geschrieben vom Schweizer Theologen, Walter Hollenweger, allerdings eines mit Sprachbildern, die mehr als zweieinhalbtausend Jahre alt sind. Und eines, das die, die daran mitgewirkt haben, stärker berührt hat, als manche andere kirchliche Veranstaltung. Warum? Genau darum geht es während der nächsten halben Stunde. Am Mikrophon begleitet Sie Heinz-Peter Katlewski.

Musik 1

Hier ist wieder Studio ECK, die evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln. Fünf Wochen wurde in der Kirche am Vürfels im Bergisch Gladbacher Stadtteil Refrath geprobt. An einem Sonntagabend schließlich - Anfang März - wagten sich Sänger, Sprecher und Musiker auf die Bühne:

O-Ton 2 (Sprechkantate GOMER, Gemeindezentrum am Vürfels)

 

Lo-Ruchamah: Totenklage Hoseas... 

Sprecherin: Ich halte Totenklage für meinen Vater, den Propheten Hosea 3), Sohn des Beeri 4). Er gab mir einen schrecklichen Namen, Lo-Ruchamah, die "Nichtbegnadete", ...

((mit der Musik langsam rausziehen))

 

O-Ton 3 (Interview Irmgard Fichtner)
Ich habe bei den ersten Proben erst mal festgestellt, dass dieses rhythmische Sprechen viel schwieriger ist, als normales Chorsingen. Und damit haben wir alle Schwierigkeiten gehabt. Und nach den ersten beiden Proben wollten sogar Leute gehen. Die haben wir aber dann doch überzeugt. Und die mussten sich alle in dieses schwierige Stück vom Sprechgesang zu der Materie hineinfinden und haben das dann auch mit großer Mühe dann gemacht, aber dann so überzeugend, dass sie hinterher mit Begeisterung dabei waren.

Irmgard Fichtner, die Gemeindekantorin am Vürfels, musste mit einigen Widerständen kämpfen. Bei einem ersten Blick auf die Partitur des Stückes waren viele in der Gemeinde zuerst einmal der Auffassung, dass hier musikalisch nichts Spannendes abläuft. Das Stück schien eher simpel zu sein - bis es ans Proben ging. Betontes Sprechen, rhythmisch versetztes Sprechen, der richtige Einsatz der Stimmen und der unterschiedlichen Instrumente, all das waren unerwartete Hürden. Aber es war eine eindrucksvolle Erfahrung, jedenfalls für die, die mitgemacht haben. Ruth Altmeyer gehört dazu:

O-Ton 4 (Interview Ruth Altmeyer)
Sonst treffen sich immer nur einzelne Kreise und man begegnet eigentlich nur einem kleinen Kreis in der Gemeinde. Und diesmal waren wirklich alle angesprochen, und da war sowohl der Posaunenchor beteiligt, wie Jugendkreise und Frauenkreis, Seniorenkreis, alle waren mit beteiligt und konnten sich einbringen, und darüber hinaus auch viele, die vielleicht überhaupt nicht in irgendeiner Form sonst mitarbeiten in der Gemeinde, die dann aber da auf einmal auch mitmachen konnten. Und das fand ich besonders schön.

Schwerer verdaulich dagegen war der Inhalt dieser Sprechkantate über „Gomer“1) und „Das Gesicht des Unsichtbaren“. Es geht darin zunächst um eine gut 2700 Jahre alte Geschichte. Ein anspruchsvolles Stück. Davon mehr nach der Musik.

Musik  


1) Gomer, Ehefrau des Hosea ), Tochter Diblaims (Unklar: entweder eines Mannes mit diesem Namen oder des Ortes Diblaim). Hosea wird nach Hosea 1, 2-3 aufgetragen "ein buhlerisches Weib, das Hurenkinder hat" zu ehelichen. Dieser Vorgang ist Ausgangspunkt für eine Vielzahl von widersprüchlichen Auslegungen. 

2) Lo-Ruchamah (auch "Lo-Ruhama, hebräisch für "kein Erbarmen" oder "Unbegrnadet", wird z.T. deutend übersetzt mit "Sie findet keine Elternliebe" im Sinne von hat keinen  Anteil am Bund Gottes mit den Israeliten), Tochter des Propheten Hosea und seiner Ehefrau Gomer

3) Hosea (oder nach der hebräischen Schreibweise "Hoschea" (entspricht dem Dankspruch bei einer Geburt = "Er hat geholfen"), in der Bibel erstes Buch der zwölf kleinen Propheten. Thema ist vor allem die "Untreue" des israelitischen Nordreichs "Israel" zu seinem Gott; erzählt wird es u.a. mit der Ehe Hoseas. Hosea lebte wahrscheinlich im 8. Jahrhundert v.d.Z. (v.Chr.).

4) Beeri (hebräisch für "O Brunnen", entspricht dem Freudenruf bei der Geburt eines Sohnes)


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© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1997. 


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