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Guten
Abend. Hier ist Studio ECK, die evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk
von Radio Köln. Können Sie sich vorstellen was das ist - eine
Sprechkantate? Anfang März führte die Evangelische Gemeinde im
Gemeindezentrum Vürfels in Bergisch Gladbach-Refrath eine solche Kantate
auf: |
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ein
Stück für Sprechchor, Sprecher, Instrumentalisten
und Gemeinde. Nach fünf Wochen mit vielen
intensiven Proben wurde es uraufgeführt. |
| O-Ton
1 (Sprechkantate GOMER, Gemeindezentrum am Vürfels)
Lo-Ruchamah 2): Verklagt! Chor: Verklagt eure
Mutter! Denn sie ist nicht meine Frau, und ich bin nicht ihr Mann. |
Ein
modernes Stück, geschrieben vom Schweizer Theologen, Walter
Hollenweger, allerdings eines mit Sprachbildern, die mehr als
zweieinhalbtausend Jahre alt sind. Und eines, das die, die daran
mitgewirkt haben, stärker berührt hat, als manche andere kirchliche
Veranstaltung. Warum? Genau darum geht es während der nächsten halben Stunde.
Am Mikrophon begleitet Sie Heinz-Peter Katlewski.
Musik
1
Hier
ist wieder Studio ECK, die evangelische Radiowerkstatt im Bürgerfunk von
Radio Köln. Fünf Wochen wurde in der Kirche am Vürfels im Bergisch
Gladbacher Stadtteil Refrath geprobt. An einem Sonntagabend schließlich -
Anfang März - wagten sich Sänger, Sprecher und Musiker auf die Bühne:
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O-Ton
2 (Sprechkantate GOMER, Gemeindezentrum am Vürfels)
Lo-Ruchamah:
Totenklage
Hoseas...
Sprecherin:
Ich halte Totenklage für meinen Vater, den Propheten Hosea 3),
Sohn des Beeri 4). Er gab mir einen schrecklichen
Namen, Lo-Ruchamah, die "Nichtbegnadete", ...
((mit
der Musik langsam rausziehen))
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O-Ton 3 (Interview Irmgard
Fichtner)
Ich habe bei den ersten Proben erst mal festgestellt, dass dieses
rhythmische Sprechen viel schwieriger ist, als normales Chorsingen. Und
damit haben wir alle Schwierigkeiten gehabt. Und nach den ersten beiden
Proben wollten sogar Leute gehen. Die haben wir aber dann doch überzeugt.
Und die mussten sich alle in dieses schwierige Stück vom Sprechgesang
zu der Materie hineinfinden und haben das dann auch mit großer Mühe
dann gemacht, aber dann so überzeugend, dass sie hinterher mit
Begeisterung dabei waren.
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Irmgard
Fichtner, die Gemeindekantorin am Vürfels, musste mit einigen
Widerständen kämpfen. Bei einem ersten Blick auf die Partitur des
Stückes waren viele in der Gemeinde zuerst einmal der Auffassung, dass
hier musikalisch nichts Spannendes abläuft. Das Stück schien eher simpel
zu sein - bis es ans Proben ging. Betontes Sprechen, rhythmisch versetztes
Sprechen, der richtige Einsatz der Stimmen und der unterschiedlichen Instrumente,
all das waren unerwartete Hürden. Aber es war eine eindrucksvolle
Erfahrung, jedenfalls für die, die mitgemacht haben. Ruth Altmeyer
gehört dazu:
O-Ton 4 (Interview Ruth
Altmeyer)
Sonst treffen sich immer nur einzelne Kreise und man begegnet eigentlich
nur einem kleinen Kreis in der Gemeinde. Und diesmal waren wirklich alle
angesprochen, und da war sowohl der Posaunenchor beteiligt, wie
Jugendkreise und Frauenkreis, Seniorenkreis, alle waren mit beteiligt
und konnten sich einbringen, und darüber hinaus auch viele, die
vielleicht überhaupt nicht in irgendeiner Form sonst mitarbeiten in der
Gemeinde, die dann aber da auf einmal auch mitmachen konnten. Und das
fand ich besonders schön.
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Schwerer
verdaulich dagegen war der Inhalt dieser Sprechkantate über „Gomer“1)
und „Das Gesicht des Unsichtbaren“. Es geht darin zunächst um eine
gut 2700 Jahre alte Geschichte. Ein anspruchsvolles Stück. Davon mehr
nach der Musik.
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Musik
1)
Gomer, Ehefrau des Hosea ),
Tochter Diblaims (Unklar: entweder eines Mannes mit diesem Namen oder
des Ortes Diblaim). Hosea wird nach Hosea 1, 2-3 aufgetragen "ein
buhlerisches Weib, das Hurenkinder hat" zu ehelichen. Dieser
Vorgang ist Ausgangspunkt für eine Vielzahl von widersprüchlichen
Auslegungen. 2)
Lo-Ruchamah (auch "Lo-Ruhama,
hebräisch für "kein Erbarmen" oder "Unbegrnadet",
wird z.T. deutend übersetzt mit "Sie findet keine
Elternliebe" im Sinne von hat keinen Anteil am Bund Gottes
mit den Israeliten), Tochter des Propheten Hosea und seiner Ehefrau
Gomer 3)
Hosea (oder nach der
hebräischen Schreibweise "Hoschea" (entspricht dem Dankspruch
bei einer Geburt = "Er hat geholfen"), in der Bibel erstes
Buch der zwölf kleinen Propheten. Thema ist vor allem die
"Untreue" des israelitischen Nordreichs "Israel" zu
seinem Gott; erzählt wird es u.a. mit der Ehe Hoseas. Hosea lebte
wahrscheinlich im 8. Jahrhundert v.d.Z. (v.Chr.).
4)
Beeri (hebräisch für "O
Brunnen", entspricht dem Freudenruf bei der Geburt eines Sohnes)
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