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Die Bibel und die neuen Medien
Vollversammlung der Deutschen Bibelgesellschaft in Bergisch Gladbach 


für Studio ECK - Radiowerkstatt im Bürgerfunk von Radio Köln
Samstag, 25. Juli 1998, 18:22 - 18:56 Uhr

Teil 2 (von 2)

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Auch für die Hersteller von Bibeln ist Multimedia eine Herausforderung der Zeit. Es geht um die Integration von Büchern, Tonträgern und Film in einem Multimedia-Medium. Die Deutsche Bibelgesellschaft hat einen ersten Versuch mit einer Multi-Media-Bibel gewagt. Die Quizfragen dort habe ich in dem vorigen Beitrag schon vorgestellt. Jetzt probiere ich etwas anderes aus: Das Menü bietet mir Videos an. Es erscheint eine Zeittafel. Auch wenn ich nicht glaube, dass die Schriften der Bibel geschrieben wurden, um historische Aussagen zu treffen - grob zeitlich einordnen kann man viele Geschichten schon. Ich klicke das letzte Video an, das in die Zeit weist von Jesus von Nazareth: "Römisches Zeitalter"
Am Bildschirm sind jeweils einige Landschaftsaufnahmen zu sehen, ergänzt um Fotos von Gebäuden, Räumen und archäologischen Funden. Ein Sprecher erzählt dazu:

Atmo 6 (Bibelquiz Multi Media Bibel)

((nach 20 Sekunden absenken))

Die gesprochenen Erläuterungen auf dieser CD sind immerhin einigermaßen verständlich. Aber die Bilder und Filmsequenzen erschließen sich nur denjenigen, die schon etwas mehr wissen, vielleicht sogar in Israel waren und deshalb die Landschaften wiedererkennen. Zum Beispiel die Wüstenfestung Massada unweit vom Toten Meer. Hier hatten sich 67 nach Christus die letzten jüdischen Aufständischen gegen die römische Besatzungsmacht verschanzt und dann kurz vor der Eroberung kollektiven Selbstmord begangen. In der Bibel kommt das nicht vor, in dem Video aber wird wird Massada aus der Nahperspektive kurz gezeigt. Der gesprochene Text geht darauf freilich nicht ein.
Die Stärke dieser CD liegt also wahrhaftig nicht in den Bild- oder Videosequenzen oder in den spielerischen Elementen. Reizvoll ist allein, dass dieses Medium mehrere Bücher speichert, die man dann freilich auch wie Bücher lesen und handhaben kann: eine Lutherbibel, ein Jerusalemer Bibellexikon, ein Lexikon biblischer Begriffe und ein Suchprogramm nach Schlagworten: eine Konkordanz.
Multimedia scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein, gerade wenn es um die Bibel geht. In der Zentrale der Deutschen Bibelgesellschaft ist man sich darüber im klaren. Zu den Gefahren äußerte sich auf der Bergisch Gladbacher Konferenz Winfried Bader vom elektronischen Lektorat:

O-Ton 2 (Winfried Bader in Bergisch Gladbach)
Es rutscht in zwei Richtungen ab. Es rutscht in Richtung Kitsch ab, und es rutscht in Richtung Historismus. Man sagt, wie es war. Deswegen - wenn ich vorher sagte, meine Multimediabibel hat den Zugang zu den Bibeltexte über ne Zeitleiste, dann liegt da sehr viel Bauchschmerzen von mir drin, inwieweit ist das adäquat zu sagen: 1000 vor Christus und so kommen wir dann mit König David. Auf dem Niveau, kann man es vielleicht noch akzeptieren. Wenn man weiter in die Details geht, da habe ich dann einfach bewusst Lücken gelassen. Also, das darf nicht sein 1370 zogen die durchs rote Meer. Also das ist einfach falsch.

Die eigentliche Chance eines Multimedia-Produktes ist, dass man auf vielen Ebenen Anregungen geben kann, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen und damit zu spielen:

O-Ton 3 (Winfried Bader in Bergisch Gladbach)
An der Stelle müssen wir natürlich sehen, mit wem konkurrieren wir da? Wir konkurrieren mit dem Teenie, der sein Ballerspiel hat oder seine Siedler von Katan auf der CD. Da braucht der irgendwas mit Action, mit Spannung. Die Bestrebungen sind. Die Realisation ist uns noch nicht gelungen.

Musik

Hier ist wieder Studio ECK. Anlass unserer Sendung heute ist eine Konferenz der Deutschen Bibelgesellschaft vor einigen Wochen in Bergisch Gladbach. Was sagt ein akademischer Theologe zu dem Versuch, die Bibel auf ein neues Medienzeitalter einzustellen? Der Marburger Professor für systematische Theologie, Wolfgang Nethöfel, bescheinigte den Delegierten einen offenkundig kräftigen Traditionszusammenhang sowie unbefangene Neugier und Mut, Neues auszuprobieren. Seine Kritik richtete sich nicht auf die Machart einzelner Produkte. Er warnte vielmehr davor, die Botschaft der Bibel mit dem Buch selbst zu verwechseln. Das Verhältnis zur "Bibel" wird sich in Zukunft viel grundsätzlicher wandeln, glaubt er. Und solch ein Wandel gehöre seit jeher zur jüdischen und zur christlichen Überlieferungstradition.

O-Ton 4 (Wolfgang Nethöfel in Bergisch Gladbach)
Die christliche, d.h. anfangs die jüdische Traditionsgeschichte, ist von Anfang an eine Geschichte der Medien. Die Einführung der Schrift stürzte in dem durch Handelsbeziehungen bereits eng verbundenen Kulturraum rings um das östliche Mittelmeer all traditionalen Gesellschaften annähernd gleichzeitig in tiefe Identitätskrisen. Sie werden herausgerissen aus dem süßen Schlummer, in dem Tanz und Ritus, Gesang und Rhythmus die traditionalen Orientierungsmuster einprägen. Selbst das Prägnanteste, die mündliche Überlieferungsspitze kann nun verglichen und kritisiert werden, das Wissen der Väter erscheint in einer uns heuten noch vertrauten Weise plötzlich als Terror der Tradition.

Denn das, was bisher erzählt wurde, wird nun aufgeschrieben und erhält damit ein viel größeres Gewicht. Die Einführung des Buchdrucks aber habe den Texten der Bibel über die Jahrhunderte hinweg eine Autorität verliehen als sei seien die Sätze, die Namen, die Orte die Botschaft selbst. Da dieses Buch aber gleichzeitig mit den Methoden der Literaturkritik gelesen wurde und auf den Kanzeln ausgelegt wurde, wurde der Buchdruck zugleich zum Auslöser für die Säkularisierung, für die Verweltlichung der christlichen Gesellschaften. Er relativierte die Bedeutung aller christlichen Autoritäten, einschließlich der Bibel selbst! Schon Martin Luther , der ja mit seiner Bibelübersetzung den Anstoß für diese Entwicklung gegeben hat, habe der Predigt deshalb vor dem gedruckten Bibelwort die zentrale Rolle für die Überlieferung des Glaubens zugewiesen.
Für Wolfgang Nethöfel ist die Bibel auch historisch eigentlich nur ein traditionaler Musterspeicher. Sie enthält Muster, Beispiele, eben Geschichten, die etwas aussagen sollen über den Glauben und über das richtige Verhalten: ein gutes Leben. In Zukunft wird dieser Musterspeicher erneut relativiert werden, glaubt er. Der Grund liege darin, dass ein neues Leitmedium aufgetreten sei: Bereits seit dem Auftreten von Radio und Fernsehen würden die Gesellschaften immer mehr zu einer Multimedia-Kultur getrieben. Heute sei Multimedia das Leitmedium der Zukunft, ergänzt um die weltweite Vernetzung, zum Beispiel durch das Internet. Heute liegen alle Sinn- und Orientierungsangebote - die religiösen oder wie die weltanschaulichen - nur einen Tastendruck - einen Hyperlink - weit entfernt, auch die der Bibel! Und die Menschen müssten dazwischen wählen.

O-Ton 5 (Wolfgang Nethöfel in Bergisch Gladbach)
Es ist unbestreitbar, dass die Bibel in einer im Prinzip globalen und pluralistischen Gesellschaft nicht mehr die Funktion haben kann, Interpretant aller Metaphern, Norm aller Auslegungsdispute, Bezugspunkt, Katalysator aller Diskurse einer Gesellschaft zu sein. Sie ist meiner Ansicht nach aber unentbehrlich sowohl als Speicher misslungener Orientierungsversuche als auch - und vor allem - als Speicher bewährter Orientierungsmuster, unerschöpflicher Quell von gegenwärtigen und zukünftigen Bildern "guten Lebens".

Solches bloß funktional an Normen, Visionen, Modellen und Weltbildern orientiertes Christentum freilich, stellte den missionarischen Anspruch der Bibelgesellschaft natürlich nicht zufrieden. Einstweilen hält man hier an den traditionellen Überzeugungen fest und an dem Buch. Dazu der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Jan-A. Bühner:

O-Ton 6 (Jan-A. Bühner in Bergisch Gladbach)
Mit so einem Musterspeicher oder Musterkoffer kann ich nicht viel anfangen. Das ist mir ein bisschen zu beliebig. Da habe ich auch den Eindruck, da kann man dann auch nachladen und einiges mehr hineinpacken. Ich denk' theologisch auch immer noch, dass es darum geht, zu einer Begegnung mit Jesus Christus zu verhelfen - durch welches Medium auch immer - und dass die neuen Medien zurückverweisen auf die ursprünglich erzählte Geschichte. Das werden immer Herausforderungen sein, die lebendigen und existenzprägenden Charakter haben und nicht einfach Muster, die man relativ und auch beliebig einsetzen oder vermeiden kann.

Musik

Das war's für heute aus Studio ECK. Wer mehr über die Arbeit der Deutsche Bibelgesellschaft wissen möchte, der sollte eine Postkarte schreiben: Deutsche Bibelgesellschaft, Postfach 810340, 70520 Stuttgart. Oder in eine Buchhandlung gehen und sich dort einen Prospekt geben lassen.
Auch wer mehr über Studio ECK erfahren möchte, ist gut beraten in eine Buchhandlung zu gehen. Die großen in der Innenstadt jedenfalls und die am Hauptbahnhof führen eine ganze frische CD von uns: "Sieben Jahre unter Prokös" mit Ausschnitten aus sieben Jahren Studio ECK Bürgerfunk auf Radio Köln. Worum es darin im Detail geht, das kriegen Sie sicher selber raus. Bis zum nächsten Samstag.
Am Mikrofon verabschiedet sich Heinz-Peter Katlewski
.

Musik

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© für das Manuskript bei Heinz-Peter Katlewski, 1998. 


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